"Left Behind" (USA 2014) Kritik – Und Gott sprach: Wer nicht glaubt, der muss fühlen

Autor: Pascal Reis

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„Irene knew this was coming, the way it happnend, how could she know that?“

Für viele Menschen, selbst denen, die sich mit einer gewissen Affinität zum Medium ausgestattet sehen, dürfte die folgende Information womöglich eine Neuigkeiten bedeuten: Im Zeitraum von 2000 bis 2005 nämlich wurde eine dreiteilige Filmreihe produziert, die unter dem Namen „Left Behind“ jenen christlichen Glauben filmisch propagieren sollte, den Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins schon in ihrer Romanvorlage breitgewalzt haben. In der Hauptrolle war damals ein gewisser Kirk Cameron (wer?) zu sehen und selbstverständlich findet ein solch religiös-verklärter Krempel wie die „Left Behind“-Trilogie ein nicht gerade klein gefächertes Publikum, welches sich in der dargebotenen Gesinnung wiederfindet und rundum bestätigt fühlen darf – Alles richtig gemacht! Die nächste Frage mag nun müßig erscheinen, brennt aber dennoch auf der Seele: Muss man diese Reihe neu auflegen, muss man sie wirklich kinotauglich aufbereiten und noch einmal von vorne bis hinten durch buchstabieren? Wahrscheinlich nicht, Vic Armstrong ereilte dennoch das kaiserliche Privileg, das „Left Behind“-Remake unter seine Ägide zu nehmen.

Und was soll man sagen: Es ist genau der Schrott, den man sich von Anfang an ausgemalt hat. Dabei ist „Left Behind“ nicht unbedingt ein Film, gegen den man sich ostentativ stemmen möchte, hat man sich in der Hauptrolle doch Visagenpapst Nicolas Cage gesichert, dem man seit jeher wünscht, endlich wieder in einer guten Produktion mitwirken zu dürfen, ist er in der Vergangenheit doch oft genug Nukleus der B-Movie-Unterhaltung gewesen und hat das Unmögliche vollbracht, Filme wie „Pakt der Rache“, „Stolen“ oder „Frozen Ground“ irgendwo sehenswert zu machen. Als Rayford Steele (ja, der Name ist famos) wird Nicolas Cage kein Platz eingeräumt, um sich mal so richtig aufbäumen zu dürfen. Stattdessen hockt er zu 90 Prozent der Handlung in seinem Green-Screen-Cockpit, versucht den sicher Hobel zu landen und hat dabei immer noch genug Zeit, um sein bisheriges Leben gehörig zu überdenken. Selbstredend ist es immer toll, Nicolas Cage bei der Arbeit zuzusehen, hinter unzähligen Knöpfen und Schaltern feststeckend aber weit wenig berauschend, als möglich gewesen wäre.

Aber worum geht es denn eigentlich? Tja, in „Left Behind“ schlägt es mal ganz nonchalant Zwölf und das Armageddon zeigt seine infernalische Fratze. Von Jetzt auf Gleich verschwinden unzählige Menschen vom Erdboden, einzig ihre Kleidungsstücke bleiben zurück. Die Übriggebliebenen machen da nur große Augen und wir als Zuschauer wären gerne genauso verwirrt ob des plötzlichen Auflösens Unzähliger, wäre „Left Behind“ nur kein so durch und durch angestrengt-kalkuliertes Stück, das all seine etwaigen Spannungsfelder mit plakativen Bibelreferenzen codieren muss. Ist da der erste Schock erst mal überwunden, macht sich nicht nur Rayford Steele daran, die verwirrende Situation zu dechiffrieren, auch seine Tochter Chloe (Cassi Thomson) sucht verzweifelt nach ihrem kleinen Bruder, der ebenfalls zu den Personen zählt, die sich quasi in Luft aufgelöst haben. Wo lang der bibelfeste Hase aber läuft, ist selbst dem weniger gottesfürchtigen Zuschauer schnell bewusst: Irene, Rayfords Frau, hat erst kürzlich zum Glauben gefunden und ihr Dasein ganz nach den Statuten Gottes ausgerichtet – Auch sie ist verschwunden.

Der große Manitu scheint die Spreu vom Weizen getrennt zu haben und all diejenigen, die nicht gläubig ihren Alltag bewerkstelligt haben, müssen nun auf der Erde kauern, die zum Finale in einem apokalyptischen Glimmen fotografiert wird. Und ja, „Left Behind“ wäre wirklich ein ärgerliches Unterfangen, dürfte man sich nicht über die – mit Verlaub – rigorose Dummheit des Geschehens amüsieren. Irgendwo zwischen parodistischer Farce und dilettantischer Endzeitvision, die etwas zu sehr in den Ideologietopf getaucht wurde, zeigt sich „Left Behind“ treu-doof bereit dazu, dem Affen in seiner dialogischen Inkompetenz Zucker zu geben und den unfreiwilligen Unernst der Präsentation maßgeblich zu schüren. Besonders ulkig wird es dann, wenn Rayford mit seiner Konkubine Hattie (Nicky Whelan) plauscht, die ihn in einer herrlichen Szene darüber unterrichtet, dass sie die Menschen ja gar nicht zählen könnte, weil die ja alle – irrsinnigerweise – Angst hätten und gar nicht mehr auf ihren Plätzen sitzen würde! Potzblitz! Aber mal im Ernst: In seiner Aussage ist „Left Behind“ eine abstoßend verstrahltes Angelegenheit und ein weiterer Beweis dafür, dass sich Nicolas Cage für keine Rolle mehr zu schade ist, um seinen privaten Schuldenberg abzubauen. Teil 2 und 3 können kommen, Nico hat bereits unterschrieben.