Meine Lieblingsfilme 2011 – Ein enttäuschendes Kinojahr geht zu Ende

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Nachdem euch gestern Jervis-Tetch seine Top 10 des Jahres vorgestellt hat, möchte ich das natürlich auch tun. Auf seinem Platz 1 haben wir überraschend „Wer ist Hanna?“ wiedergefunden. Ich denke, dass euch auch meine Top 10 ein wenig überraschen wird.

Um zur Kritik des jeweiligen Films zu gelangen, einfach auf den Titel klicken. Ansonsten wünsche ich euch viel Spass beim Stöbern und vielleicht entdeckt ihr ja einen Geheimtipp für euch. Ab morgen folgen dann zudem noch unsere Flop 10 Filme des Jahres. Und welche Filme haben euch begeistert bzw. genervt?

Platz 10: The Fighter

Lange musste der Box-Fan warten, bis er schließlich mit „The Fighter“ einen Boxfilm im Kino sehen durfte, der fast sämtliche Erwartungen erfüllt. Genau genommen 31 Jahre musste man sich gedulden, aber mit Hilfe der brillanten Darsteller und des wunderbaren Drehbuchs schuf David O. Russell den stärksten Boxfilm seit dem grande „Raging Bull“. Ganz großes Kino mit einem alles überragenden Christian Bale, der für seine Rolle mehr als verdient den Oscar gewonnen hat. (8/10)

Platz 9: Wer ist Hanna?

Mit „Wer ist Hanna“ schuf Joe Wright einen intelligenten und temporeichen Arthouse-Action-Film, eine Ode an die korrekte Erziehung unserer Kinder, ein Erwachsenenmärchen. Mit Chemical Brothers pulsierendem Score, der genialen Saoirse und poetischen Aufnahmen bietet Wright viele grandiose Momente und alles in allem einen Film, der im relativ überraschungsarmen Kinojahr 2011 als Glanzleistung zu sehen ist. (8/10)

Platz 8: The King’s Speech

Ich spreche es zwar nicht gerne laut aus, aber dieses Jahr hatte die Academy ausnahmsweise den richtigen Riecher, denn jede der 12 Oscar-Nominierungen und 4 Oscar-Auszeichnungen für Tom Hoopers Historienfilm sind mehr als nur verdient. Colin Firth mimt hier den sprachunfähigen Herzog von York mit einer Souveränität, welche man nicht oft zu sehen bekommt. In seinem Zusammenspiel mit dem herausragenden Geoffrey Rush entsteht ein Theaterstück voller Poesie, Witz und Harmonie, voller Dramatik und Emotionen, welches zudem auf einer wahren Geschichte basiert. Der Kritik „Kalkuliertes Oscar-Kino“ kann ich daher im Falle von „The King’s Speech“ nicht zustimmen. (8/10)

Platz 7: The Tree of Life

Viele Prädikate können Terrence Malicks neuestem Streich zugesprochen werden. In erster Linie ist er der anspruchsvollste und waghalsigste Film des Jahres. Ein Experiment, auf das man sich einlassen muss, um an ihm Gefallen zu finden. Was Euch erwartet lässt sich nicht so einfach in Worte fassen. Irgendwo zwischen Evolutionsgeschichte, Familiendrama, non-linearer Erzählweise und Experimentierfreude schuf Malick ein lebenswichtiges Werk, dessen Bilder und Schauspieler, allen voran Brad Pitt, sicherlich nachhaltig in Erinnerung bleiben werden. Die einen werden das Ende des Films nicht erwarten können, für mich persönlich hätte der Film ruhig noch zwei Stunden länger gehen können. (9/10)

Platz 6: Kleine wahre Lügen

Auch die Franzosen haben es in diesem Jahr wieder in meine Top 10 geschafft. Guillaume Canet versteht hier sein Handwerk Schauspieler zu führen, Komik und Dramatik richtig zu portionieren und ganz einfach ein reales Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder, der sich gerne mit dem Leben auseinandersetzt, wiedererkennen, wohlfühlen und daraus lernen sollte. Wie sagt der Franzose so schön: „C’est la vie.“ Das trifft in gleichen Maßen auf den Film zu. Für mich schon jetzt ein Klassiker des Feel-Good-Movies. Vor allem Marion Cotillard hat hier mal wieder mein Herz gewonnen. (9/10)

Platz 5: Midnight in Paris

Marion Cotillard zum Zweiten, aber der fünfte Platz ist nicht nur ihr zu verdanken. Woody Allen bietet hier das Darstellerensemble des Jahres und erklärt Paris seine Liebe. Und ich danke ihm dafür, denn genau so muss eine Liebeserklärung aussehen: Grandios gespielt, frech und charmant, altmodisch, lustig und emotional und in traumhafte Bilder gehüllt. ‚Midnight in Paris‘ stellt für mich damit das filmische Portrait von der Stadt der Liebe dar, auf das ich sehr sehr lange warten musste. Merci beaucoup. (9/10)

Platz 4: Black Swan

Zwar kann Natalie Portman mit ihrer Performance nicht ganz mit der von Michelle Williams in „Blue Valentine“ gleichziehen, und dennoch, wenn am Ende der Vorhang fällt und Portman die Worte „I felt it“ von sich gibt, dann ist eines klar, der Film lässt den Zuschauer seine Thematik leibhaftig spüren. Perfektionismus kann eben nicht nur schöpferisch, sondern auch zerstörerisch sein. (9/10)

Platz 3: True Grit

Mit ihren poetischen Bildern und ihrer tödlichen Atmosphäre haben die Coen Brüder erneut einem Genre ihren Stempel aufgedrückt. Aus einer eigentlich simplen Geschichte entsteigt eine Komplexität und Tiefe, welche ihresgleichen suchen. Eine einfache Story wird zum Epos. Das ist eine einzigartige Leistung und ein weiterer Beweis dafür, warum auf meine Lieblingsregisseure immerzu Verlass ist. (9/10)

Platz 2: I Saw The Devil

Mit ‚I Saw The Devil‘ hat Kim Jee-woon ein brutales und überraschendes, gnadenlos spannendes, depressives und schockierendes Abbild unserer Gesellschaft geschaffen. Einen Film über einen Serienkiller und einen Rächer, über Liebe und Hass, über zwischenmenschliche Beziehungen und deren Folgen. Eine Parabel über das Böse in jedem von uns. Ein unvergessliches, kontroverses Meisterwerk! Für Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Arzt oder Apotheker. (9/10)

Platz 1: Blue Valentine

Derek Cianfrances Regiedebüt ist einer der ehrlichsten Filme, welche jemals gedreht wurden und die romantischste und dramatischste Erfahrung, welche ich bisher im Kino erlebt habe. Eine emotionale Achterbahnfahrt, getragen von zwei der talentiertesten Jungstars unserer Zeit. Ryan Gosling und Michelle Williams gehen über ihre Grenzen hinaus und das Resultat ist eines der packendsten und sensibelsten Werke über das Leben in einer Beziehung. Damit hat sich der Film als einziger dieses Jahr die 10/10 Punkte redlich verdient.