Meine Lieblingsfilme 2012: Conrad-Mildner stellt seine 10 Spitzenreiter vor

Nur noch drei Tage, dann heißt es 2013. Ich bin mal so frei und ignoriere diese wenigen noch kommenden Tage und küre meine zehn Lieblingsfilme 2012. Rückblickend gefiel mir das Jahr recht gut. Es gab viele Star-Regisseure, die zu alter Stärke gelangten sowie auch vielversprechende, junge Filmemacher zu sehen. Leider hat es kein Film einer Regisseurin in meine Liste geschafft. Dafür entschuldige ich mich schon jetzt.

Platz 10: „Prometheus“ von Ridley Scott

null

Natürlich stand 2012 noch stärker als die letzten Jahre im Zeichen des Weltuntergangs, einem Phänomen, das besonders in den wenigen Tagen vor dem 21. Dezember gehörig anfing zu nerven. Auch Ridley Scotts Sci-Fi-Comeback konnte es sich nicht verkneifen das Thema zu streifen. „Prometheus“, der sich glücklicherweise inhaltlich möglichst weit von seinem Ursprungsfilm entfernte, war trotzdem eines der Blockbuster-Highlights diesen Jahres, gerade weil man so herrlich über ihn diskutieren konnte. Unsere Kritik gibt es HIER zu lesen.

Platz 9: „Moonrise Kingdom“ von Wes Anderson

null

Der Film, der mich wieder zum Kind werden ließ, kam dieses Jahr von Hipster-Regisseur Wes Anderson. „Moonrise Kingdom“, der ebenso wie Andersons vorherige Filme am Manierismus fast erstickt, ist eine rein filmische Komödie, die ihren Humor aus Bildern und weniger aus Dialogen zieht. Die träumerische Abkapselung von der realen Welt erinnert an ein Kinderbuch, ein wahrhaft schöner Film. Jervis-Tetchs Kritik könnt ihr HIER lesen.

Platz 8: „Take Shelter“ von Jeff Nichols

null

Da ist er, der Weltuntergangsfilm 2012! Regie-Hoffnung Jeff Nichols lässt seinen Lieblingsschauspieler Michael Shannon die Ängste einer ganzen Welt durchleiden. Die Apocalypse als soziales, physikalisches und psychisches Ereignis, kompakt erzählt anhand eines Familiendramas, inklusive eines komplexen Ende. Zu dexter-morgans Kritik geht es HIER.

Platz 7: „Barbara“ von Christian Petzold

null

Wem das deutsche History-Kino um Nazis, Stasi und RAF bisher auf die Nerven ging und trotzdem nicht nur in die Gegenwart schauen will, der kann sich bedenkenlos Christian Petzolds DDR-Drama zu Gemüte führen. Petzold löst weiterhin die ohnehin losen Konzepte der von ihm initiierten „Berliner Schule“ auf. Übrig bleibt eine sehr konzentrierte Form des Erzählens, die zu keinem Zeitpunkt gezwungen oder manieriert wirkt. „Barbara“ erzählt sein Melodram mit historischem Kolorit ohne Zugeständnisse an die Fördermittel-Staatsräson. Hier lernt man weniger über falsche Demokratie, sondern mehr über Menschlichkeit.

Platz 6: „The Cabin in the Woods“ von Drew Goddard

null

Der Vorwurf Drew Goddards Film sein ein Horrorfilm für Leute, die keine Horrorfilme mögen, lässt sich schwer entkräften, doch wenn man bereit ist „The Cabin in the Woods“ weniger als Horrorfilm zu sehen, so entfaltet sich vor den eigenen Augen nicht nur eine liebevolle Hommage an die Klassikers des Genres, sondern auch eine scharfe Analyse des Verhältnisses zwischen Publikum und Filmfiguren. Die typischen Meta-Spielereien finden in Joss Whedons Drehbuch ihre endgültige Form und dennoch beweist uns dieser Film, egal wie weit wir hinter die Geschichte blicken können, am Ende kann sie uns immer noch verschlingen. HIER geht es zu unserer Kritik.

Platz 5: „Life of Pi“ von Ang Lee

null

Warum man nie zu früh seine Bestenliste schreiben sollte, zeigte mir dieses Jahr Ang Lee, der mit seiner Yann-Martel-Verfilmung „Life of Pi“ noch kurz vor Ablauf des Jahres ein Meisterstück vollführte und den schönsten 3D-Film seit Jahren drehte. Mehr dazu gibt es HIER in meiner Kritik zu lesen.

Platz 4: „Cosmopolis“ von David Cronenberg

null

Cronenberg nutzt Robert Pattinsons Star-Persona als Startrampe, als Zugang zu einem äußerst ungewöhnlichen Film, den man dem kanadischen Altmeister so nicht mehr zugetraut hatte. Cronenbergs formulierte Essenz des Kinos, das sprechende Gesicht, zieht sich wie ein roter Faden durch „Cosmopolis“. Die waghalsigen Dialoge drehen sich ums Denken. Die Kamera übernimmt die Gefühle. Cronenbergs und DeLillos Welt ist wirklich des Untergangs. Kein Geldbetrag kann das mehr kitten, Zukunftskino. Meine Kritik gibt es HIER zu lesen.

Platz 3: „Dame, König, As, Spion“ von Tomas Alfredson

null

Am Ende des Jahres rannten die Massen in den neuen James-Bond-Film „Skyfall“. Am Anfang des Jahres lieferte der schwedische Filmemacher Tomas Alfredson den Gegenentwurf. Die John-le-Carré-Verfilmung beobachtet seine Figuren als wären sie Statuen. Ohnehin bewegen sich die Agenten in diesem Film nicht viel. Meisten sitzen und stehen sie. Sie reden viel, trinken und beobachten. Die bewegte Kamera erledigt den Rest. „Dame, König, As, Spion“ ist eine meisterhafte Genre-Elegie. Die Kritik von Jervis-Tetch gibt es HIER .

Platz 2: „Liebe“ von Michael Haneke

null

Die zweite Goldene Palme gab es dieses Jahr für Michael Haneke in Cannes, zurecht wie ich finde. Es ist gewohnterweise kein leichter Film, doch Haneke verzichtet zum Glück auf erhobene Zeigefinger und bürgerliche Arroganz. Er begibt sich filmisch wirklich auf die Suche nach diesem berühmten Gefühl nach dem der Film benannt ist und ja, er hat es gefunden. Wie genau könnt ihr HIER nachlesen.

Platz 1: „Faust“ von Alexander Sokurov

null

Dr. Faust war ja der erste Mad Scientist überhaupt und nicht erst seit James Whale liebt das Kino Mad Scientists. Der russische Filmemacher Alexander Sokurov holte Anfang des Jahres endlich den Urvater selbst ins Lichtspielhaus zurück. In „Faust“ scheint der Doktor allerdings bei weit mehr Verstand zu sein als seine Mitmenschen. Wie in Goethes Vorlage, beobachtet er und bleibt Zuschauer während Mephisto waltet. Sokurovs instinktive und stimmungsvolle Inszenierung zeichnet eine völlig in sich zerfressene Welt. Liebe und Sex treten nur als Perversionen an die Oberfläche. Wenn der Mensch mal eine Seele gehabt haben sollte, dann hat er sie irgendwann mal verloren. Sokurovs „Faust“ ist ein tief pessimistischer Film, eine Absage an die Menschheit und sowieso symptomatisch für unsere Zeit, geprägt von Endlichkeit und Schuld. Fin de Cinéma! Mehr Erklärungen erwarten euch HIER in meiner Kritik.

Ihr habt noch nicht genug von Bestenlisten? Dann schaut doch mal bei der Top-10 von Souli und der Top-10 von dexter-morgan vorbei.