"Die Lincoln Verschwörung" (USA 2010) Kritik – Schuldig oder nicht schuldig

„One bullet killed our beloved president. One bullet but not one man!“

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Nach der Ermordung des Präsidenten Abraham Lincoln im Jahr 1865 sinnt das Volk nach Vergeltung. Dabei ist es den Politikern und dem Militärgericht unwichtig, ob Schuldige oder Unschuldige sterben. Nach dieser wahren Geschichte spinnt Robert Redford ein exzellentes Gerichtsdrama, welches sich punktuell mit dem Geschehnissen während der gerichtlichen Verhandlung über die Schuld der angeblichen Drahtzieherin Mary Surratt auseinandersetzt.

Redford ist es in seiner Darlegung der historischen Fakten egal, ob Mary Surratt wirklich die Anführerin des Attentats auf Amerikas wohl bekanntesten Präsidenten war. Er lässt den Zuschauer aus der Sicht ihres Pflichtverteidigers teilnehmen, der zwar nicht an ihre Unschuld glaubt, aber diese beweisen möchte. Aus dieser Ausgangssituation hat Redford eine pompöse und äußerst spannende Gerichtsshow geschaffen, während der er nie den Finger gegen die ein oder andere Partei richtet. Wie schon vor einigen Jahrzehnten in Sidney Lumets „Die 12 Geschworenen“ geht es weder um Schuld noch um Unschuld, sondern um das Recht auf eine anständige Verhandlung und die Orientierung an den Fakten. Redfords Inszenierung weist dabei keinerlei Makel auf, sie ist atemberaubend. Die grandiosen Darsteller, besonders James McAvoy ist hier zu loben, wissen Redfords Ideen und Aussagen optimal auf die Leinwand zu transportieren. Zwar werden dem Zuschauer am Ende trotzdem Emotionen geboten, was in der allgemein unparteiischen Story etwas fehlplatziert wirkt, aber das ist zu verkraften. Kleinere Längen fallen kaum ins Gewicht, denn die prachtvollen Kulissen und die packenden Dialoge machen Spass, bieten zwei Stunden intelligente, geschichtliche Unterhaltung. Für mich der vielleicht beste Gerichtsfilm seit „Die 12 Geschworenen“. Großes Kino, atmosphärisch top, vom ehemaligen Schauspielprofi Robert Redford darf man wohl noch viel erwarten, denn jeder seiner bisherigen Filme war mehr als nur sehenswert.

Fazit: Ob „Die Lincoln Verschwörung“ zu jedem Zeitpunkt historisch korrekt ist, spielt in diesem Fall keine Rolle, denn der Film regt zum Nachdenken an und bietet eine spannende Geschichtsstunde über eines in der Filmlandschaft viel zu sehr vernachlässigtes Thema der amerikanischen Politik.

Bewertung: 7/10 Sternen