"Loft – Liebe, Lust, Lügen" (NE 2010) Kritik – Tätersuche auf niederländisch

„Würden Sie sagen, dass Sie selber das Opfer sind?“

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Die Niederlande sind nicht gerade für ihre hochwertigen Filmindustrien bekannt, in denen alljährlich unantastbare Klassiker der modernen Kunst geschaffen werden. Vielmehr verbindet man mit dem flachen Land drei prägnante Dinge: Oranje (Die Nationalmannschaft), Käse (Frau Antje) und Coffee Shops (Legaler Konsum von Marihuana). Damit wären dann die altbekannten Klischees auch gleich abgegrast und das Schubladendenken in der typischen Art und Weise kundgetan. Bleiben wir aber mal im Filmbereich und fragen uns, was die Niederlande an namhaften Persönlichkeiten offenbart hat. Da wären Leute wie Paul Verhoeven („Starship Troopers“), Rutger Hauer („Blade Runner“) und Jan de Bont („Das Geisterschloss“). Sicher nicht die ganz großen Superstars, aber alle haben sie sich in der Branche einen ganz eigenen Namen gemacht, den sich auch durchaus verdient haben. Auch nicht zu vergessen wäre da die Showmasterlegende Rudi Carrell, der bei den deutschen Zuschauern immer beliebter war, als Moderatoren aus dem eigenen Land. Machen wir uns aber nichts vor und bleiben bei der Wahrheit: Filmisch hat das kleine Ländchen noch nichts auf die Beine gestellt und auch der angepriesene Kinohit „Loft – Liebe, Lust, Lügen“ von Antoinette Beumer aus dem Jahre 2010 ändert daran nichts.

Matthias hat ich mit seinen vier besten Freunden ein Loft gemietet. Eigenartig hört sich das zwar schon an, aber wirklich verwerflich ist daran noch nichts. Wenn man jedoch erfährt, dass die fünf Männer, die allesamt verheiratet sind, dort ihren sexuellen Abenteuern mit anderen Frauen nachgehen, hört der Spaß aus moralischer Sicht schnell auf. Jeder der fünf Mieter hat einen eigenen Schlüssel und darf dort seinen Aktivitäten nachgehen, wann immer er will, Hauptsache die eigene Frau bekommt von der Sache nicht Wind. Als einer der Männer eines Abends mit einer Gespielin das Loft betritt, findet er im Bett eine blutüberströmte Frauenleiche. Voller Schock ruft er seine vier Freunde an und berichtet von seinem grausigen Fund. Einer der Männer muss der Mörder gewesen sein, da es nur fünf Schlüssel gab und diese an jeden der Fremdgeher verteilt wurden. Die Suche nach dem Täter beginnt…

Wer sich unter dem titelgebenden Wort „Loft“ rein gar nichts vorstellen kann, dem sei hier noch einmal in Kurzfassung auf die Sprünge geholfen: Ein Loft ist eine Wohnung, die sich zumeist unter dem Dach des Hauses befindet, also auf der höchsten Etage des Gebäudes. Und in diesem Loft spielt auch das Geschehen größtenteils ab. Dabei greift Regisseurin Antoinette Beumer natürlich auf unbekannte Darsteller zurück, die sich maximal im Heimatland ein gewisses Ansehen aneignen konnten, doch das soll keinesfalls ein Kritikpunkt. Barry Atsma als Matthias, Raymond Thiry als Mannelijke, Tom Jansen als Anton, Fedja Von Huet als Bart und Jeroen van Koningsbrugge als Willem machen ihre Sachen durchaus akzeptabel, auch wenn man natürlich keine großen Charakter-Darstellungen erwarten sollte. Die Performances sind der Qualität entsprechend und die Figuren werden ohne beeindruckende Momente solide ausgespielt. Auch die weiblichen Gesichter in der Runde, wie Anna Drijver als Ann oder Katja Herbers als Marjolein fügen sich nahtlos in die Szenerie ein, reißen aber weder das Ruder an sich, noch werden sie nach dem Abspann wirklich in Erinnerung bleiben.

„Spürst du mich?“

„Loft – Liebe, Lust, Lügen“ ist einer von den standardisierten Thrillern, wie sie allmonatlich in den DVD-Regalen landen und dort unbemerkt bis in die Ewigkeit verkümmern – zu Recht. Regisseurin Antoinette Beumer will uns hier einen ausgeklügelten und verschachtelten Streifen servieren, der nicht nur durch seine Sexszenen Aufmerksamkeit erlangen kann, sondern den Zuschauer zum miträtseln einlädt. Das klappt anfangs auch ganz gut und der düstere Cocktail aus Verführung und Verzweiflung kann einen Hauch von Spannung vortäuschen. Sind die ersten gut 20 Minuten jedoch vergangen, hat „Loft – Liebe, Lust, Lügen“ sein schleppendes Tempo erreicht, mit dem er den Zuschauer die restlichen 80 Minuten berieselt und die Tätersuche wird nicht zum prickelnden Nervenkitzel, sondern zur gedrosselten Geheimniskrämerei. Dabei hat der Film in Sachen Optik den richtigen Ton durchaus angeschlagen und die düstereren Fotografien mit leichtem Blaustich geben dem Intrigen-Wirrwarr einen ansprechenden Anstrich. Nur verhilft das letztlich auch nicht über das Problem hinweg, dass der Film es ist zu keinem Zeitpunkt schafft, den Zuschauer in die Falle zu führen und die Puzzleteile so intelligent durcheinander zuwerfen, wie es die Inszenierung gerne tun würde. „Loft – Liebe, Lust Lügen“ ist ein alter Hut unter den Sex & Crime-Thrillern, dem nicht nur die nötige Feingefühl fehlt, sondern auch das Verständnis, eine Atmosphäre konsequent aufzubauen und mit dem Plot präzise zu verknüpfen.

Fazit: „Loft – Liebe, Lust, Lügen“ wäre gerne ein großer europäischer Wurf und will mit einer kühlen wie ruhigen Erzählweise den Zuschauer in den berauschenden Bann ziehen, doch schafft es dabei zu keiner Zeit wirklich, ihn in das Geschehen einzubinden und dadurch das nötige Interesse an der Mördersuche zu wecken. Die Schauspieler agieren solide, die Optik ist angemessen düster, aber die Story und die unerfahrene Inszenierung locken niemandem mehr hinter dem Ofen hervor. Ein belangloser Thriller ohne wirkliche Höhepunkte.