"Der Lorax" (USA 2012) Kritik – Öko-Botschaft im flauschig-süßen Gewand

„I speak for the trees.“

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Die fantastische Welt des Theodor Seuss Geisel, kurz Dr. Seuss, dürfte wohl eher amerikanischen Kindern ein Begriff sein, denn Geschichten wie „The Cat in the Hat“, „Fox in Socks“ oder „How the Grinch Stole Christmas“ besitzen dort einen Bekanntheitsgrad, an den in Deutschland höchstens die grimmschen Märchen heranreichen. Doch spätestens seitdem Hollywood die Bücher des Dr. Seuss für sich entdeckt hat, finden mehr und mehr Geschichten aus der abgedrehten Seuss-Welt ihren Weg auch in deutsche Kinderzimmer. Denn welches Kind kennt inzwischen nicht den fürsorglichen Elefanten Horton oder den grünen Griesgram und bekennenden Weihnachtsmuffel namens Grinch? Auch dieses Jahr startet mit „Der Lorax“ wieder ein Animationsfilm mit einem knuffig-süßen Helden aus dem Hause Seuss in den Kinos. Unter der Regie von Chris Renaud und Kyle Balda, die auch schon bei „Ich – Einfach Unverbesserlich“ zusammenarbeiteten, bringt das Animationsstudio Illumination Entertainment die Abenteuer des orangefarbenen Waldgeistes auf die große Leinwand. Mit „Der Lorax“ ist dem Studio wieder ein solider Animationsspaß gelungen, der sich stellenweise jedoch äußerst offensichtlich am Erfolgskonzept seines Vorgängers bedient.

Bäume? Wer braucht den so etwas? In Thneedville gibt es sie schon lange nicht mehr, denn hier funktioniert jetzt alles automatisch. Frische Luft bekommt man inzwischen auch nur noch gegen Bezahlung und der profitgeile Bürgermeister und Frischlufthersteller Aloysius O’Hare setzt alles daran, dass das auch so bleibt. Auch Ted ist die Natur eigentlich egal, doch für seinen geheimen Schwarm Ashley, die sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal einen echten Baum zu sehen, macht sich der Teenager auf eine abenteuerliche Reise um das Geheimnis der verschwundenen Bäume zu klären. Sein Weg führt ihn zum geheimnisvollen Once-ler, der zu wissen scheint, was vor vielen Jahren mit den Truffula-Bäumen geschehen ist…

Erstaunlich erwachsen sind die Kinder- und Jugendbücher des Dr. Seuss. Denn während man sich bei Disney oftmals auf ein Themengebiet irgendwo zwischen Freundschaft und Familie festgefahren hat, werden in Dr. Seuss–Geschichten auch die unschönen Seiten der Gesellschaft auf kindergerechte Art und Weise behandelt. So stehen in „Der Lorax“ nicht nur die wachsenden Probleme durch die steigende Umweltverschmutzung im Vordergrund, sondern auch die verheerenden Folgen von grenzenloser Profitgier und zunehmender Industrialisierung. Bis heute hat die 1972 erstmals veröffentlichte Geschichte um den putzig-flauschigen Schutzgeist des Waldes nichts von seiner Aktualität eingebüßt und ist dadurch traurigerweise heute vielleicht aktueller als jemals zuvor.

Trotz omnipräsenter Öko-Botschaft werden die jüngeren Kinobesucher nicht durch die komplexe Thematik überfordert oder gar gelangweilt, denn diese bleibt immer leicht verständlich und ist durch die großartigen Animationen größtenteils selbsterklärend. Denn wenn man sieht, welch schreckliche Auswirkungen die Fabrik des habgierigen Once-lers auf die Flora und Fauna der kunterbunten Welt hat, dann versteht auch der jüngste Zuschauer im Saal, dass hier etwas grundlegend falsch gelaufen ist. Da hätte man gut und gerne auf die uninspirierten Songs verzichten können, die den Kindern noch mal mit aller Macht das eintrichtern wollen, was sowieso schon offensichtlich ist.

Natürlich darf in einem Animationsfilm auch der Spaß nicht zu kurz kommen: Was in „Ich – Einfach unverbesserlich“ die gelben Minions waren, sind in „Der Lorax“ die Bewohner des flauschigen Truffula-Wäldchens. Zwar scheint der Wald nur von Bären, Fischen und Vögeln bewohnt, diese schlagen dafür so eifrig ihre Kapriolen und sorgen für permanente Unruhe, dass man sich fast wie in einem alten Bugs-Bunny-Cartoon vorkommt. Eigentliches Glanzstück des Films ist jedoch der Lorax selbst und das nicht nur wegen seines knuffigen Aussehens oder seines trockenen Witzes. Nein, Synchronsprecher Danny DeVito („Matilda“) hat sich etwas ganz besonderes einfallen lassen, um seinen Lorax wirklich unverkennbar zu machen. In alter Laurel-und-Hardy-Tradition, die ihre ersten Filme immer gleich in mehreren Sprachversionen drehen und somit selber für die Synchronisation sorgten, spricht auch Danny DeVito den Lorax nicht nur in der englischen, sondern auch gleich noch in der deutschen, spanischen und russischen Fassung! Zwar wird sich manch Unwissender über den eigenartigen Akzent des bärtigen Waldhüters wundern, für jeden Cineasten ist die DeVito-Synchro aber ein zwingender Grund, sich den Film auch mal die deutsche Fassung anzuschauen.

Leider vermag „Der Lorax“ nicht über die gesamte 86-minütige Spielzeit so glänzend zu unterhalten, denn die Passagen in der Stadt wirken neben dem munteren Treiben im Truffula-Wäldchen regelrecht leblos. Weder Protagonist Ted mit seinem 0815-Teenager-Liebeskummer, noch dessen Familie können hier für den nötigen Schwung sorgen. Einzig der herrlich überzeichnete Bösewicht Aloysius O’Hare kann durch seine fast schon perverse Profitgier wenigstens den älteren Zuschauer hin und wieder ein Schmunzeln entlocken. Letztendlich möchte man diese Abschnitte dennoch nur schnellstmöglich hinter sich bringen, um zu erfahren, wie die Geschichte um den Lorax ausgeht.

Fazit: Trotz einiger Längen und schwacher musikalischer Darbietungen ist „Der Lorax“ ein unterhaltsamer Animationsfilm mit wertvoller Öko-Moral geworden. Und auch wenn der Film nicht ganz an die Gag-Trefferquote von „Ich – Einfach unverbesserlich“ herankommt, dürfte die Mischung aus trockenem Lorax-Humor und gelungenen Slapstick-Einlagen sowohl bei den kleinen als auch bei den großen Kinogängern wunderbar ankommen.

Bewertung:6/10 Sternen