"Lucky#Slevin" (USA 2006) Kritik – Jede Menge Ärger

„Die Jungfrau Maria könnte hier reinmarschieren, persönlich, mit ihrem hübschen Arsch, dicken Möpsen, das volle Programm! Und wenn die mir sagt, dein Name sei Jesus Christus, dann nehme ich dich trotzdem mit zum Boss!“

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Paul McGuigan ist mit Sicherheit kein großer oder bekannter Regisseur. Die Frage nach seiner Person und seinen Projekten, könnte sich so als äußerst schwierig erweisen. So richtig gerissen hat er jedenfalls noch nichts. 2004 drehte er das Liebes-Drama ‚Sehnsüchtig‘ mit Josh Hartnett und Diane Kruger in den Hauptrollen. Ein schwacher Film. 2 Jahre später stand McGuigan mit seinem nächsten Filmstoff vor der Tür und auch Josh Hartnett war wieder ein Teil des prominenten Casts. Die Thriller-Komödie ‚Lucky#Slevin‘ bietet zwar durchgehend gute Unterhaltung, kann aber keine neuen Genre-Impulse setzen.

Die Optik von ‚Lucky#Slevin‘ darf gut und gerne als stylish bezeichnet werden. Die Aufnahmen sind glasklar, einige Einstellungen eine wahre Pracht und auch die modernen schnellen Schnitte passen genau ins Bild des Films. Der flotte Soundtrack ist ebenfalls äußerst stimmig von Joshua Ralph eingefügt und kann die Szenen gut untermalen. Störfaktoren gibt es also in diesen Hinsichten gar keine.

Kommen wir jetzt zu den Darstellern, und bei denen hat Lucky#Slevin so einiges an Klasse zu bieten. Josh Hartnett darf die Hauptrolle verkörpert und schafft es als Slevin Kelevra zu überzeugen. Der gerne als Milchbubi bezeichnete Hartnett kann hier endlich mal zeigen, dass durchaus mehr in ihm steckt als ein weichgespülter Frauenschwarm. Bruce Willis als Auftragskiller Mr. Goodkat tut eben genau das, was er am besten kann: seine Coolness ohne viele Worte versprühen und dabei möglichst wenige Gesichtsausdrücke vorweisen. Lucy Liu als Lindsey macht ebenfalls eine gute Figur, hat aber neben den anderen Darstellern nicht viel zu melden. Morgan Freeman als der Boss und Ben Kingsley als der Rabbi geben hier die ewigen Rivalen und können allein mit ihren Ausstrahllungen voll punkten. Stanley Tucci rundet den Cast als Cop Brikowski überzeugend und stark ab.

Slevin hat einen richtig miesen Tag hinter sich. Nicht nur der Job ist weg, sondern auch die Frau und die Wohnung hat er ebenfalls verloren. Zum Glück kann er bei seinem hochverschuldeten Freund Unterschlupf finden. Problem: er wird nun für seinen Freund gehalten und steht plötzlich zwischen den zwei größten Gangsterbossen von New York und die wollen ihr Geld. Dazu soll Slevin jetzt auch noch für einen der Bosse als Killer fungieren. Das ist aber auch noch nicht alles, denn auch der kaltblütige Killer Mr. Goodkat klebt Slevin schon an den Fersen

‚Lucky#Slevin‘ lebt an erster Stelle ganz klar von seinen tollen Dialogen. Die wurden natürlich, wie wir es inzwischen vom Genre gewohnt sind, extra cool und schnittig zurecht geschliffen. Das klappt auch größtenteils und die flotten Sprüche werden fast im Minutentakt rausgespuckt und machen viel Laune. An manchen Stellen merkt man dem Drehbuch jedoch viel zu deutlich an, das der Film jetzt unbedingt cool sein will und wirkt in diesen Momenten viel zu aufgesetzt und erzwungen. Überwiegend siegt jedoch der treffende und sichere Wortwitz und der Schlagabtausch zwischen den Figuren kennt keinen Halt.

Wenn Slevin aufgrund seiner falschen Identität und sein zu lockeres Mundwerk von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert, dann hat er die nötigen Sympathien schnell auf seiner Seite. Die Reise durch die Gangsterwelt hängt mit allerhand skurrilen Charakteren zusammen und halten die Geschichte ordentlich in Schwung. Die eigentliche Kernhandlung entfaltet sich jedoch erst später und hier sei gesagt: wer aufmerksam ist, der wird auch belohnt. Sollte man auch nur fünf Minuten die Augen nicht beim Film haben, dann könnte man vor allem gegen Ende den Faden verlieren und die volle Auflösung nicht verstehen.

‚Lucky#Slevin‘ schlagt ab einem bestimmten Zeitpunkt einen Harken nach dem anderen. Die Geschichte wird immer wieder in ganz neue Richtungen gelenkt die Charaktere setzen ihre falschen Masken nach und nach ab. Hier gibt jeder etwas Falsches vor und alles ist blanke Fassade. So kann es eben auch mal passieren, dass man die Übersicht zwischen den ganzen Zeitsprüngen verliert.

Das ein Film mit derart vielen Charakteren schnell Gefahr läuft überladen zu wirken, könnte sich als deutliches Problem darstellen. Darüber muss man sich hier jedoch keine Sorgen machen, denn jeder einzelne Charakter kriegt seine starken Momente zugesprochen und kann sich schön in den Vordergrund spielen um sich dann wieder einzureihen und mit dem anderen Darstellern dem bunten Treiben zu folgen.

Was man jedoch sagen muss ist, dass innovatives klar fehlt. Wir haben die zwei rivalisierenden Gangster und dem armen Pechvogel schon oft genug gesehen. Durch McGuigans spritzige Inszenierung wirkt hier jedoch nichts aufgewärmt oder abgestanden. Die Twists selbst wollen auch unvorhersehbarer sein als sie in Wirklichkeit sind. Doch wenn man ganz genau mitdenkt, sind auch diese an mehreren Ecken und Enden schneller absehbar, als es eigentlich sein sollte.

Fazit: ‚Lucky#Slevin‘ ist eine knackige, coole und unterhaltsame Thriller-Komödie, die dank ihrer spritzigen Dialoge, der guten Darsteller und der feinen Optik viel Spaß macht. Da die Story nichts Neues bietet und der Film ab und an zu viel Wert auf Coolness legt, wird der Gesamteindruck etwas abgeschwächt. Sehenswert ist der Film aber in jedem Fall.

Bewertung: 7/10 Sternen