“Mademoiselle Populaire” (FR 2012) Kritik – Hollywood-Kitsch made in France

Autor: Philippe Paturel

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„Das Einzige, worin ich wirklich gut bin, ist auf der Schreibmaschine.“

Rose Pamphyle ist alles andere als zufrieden mit ihrem Leben. Immerzu muss sie im Dorfladen ihres Vaters aushelfen. Wenn es nach ihm geht, soll seine Tochter ein ganz normales Leben zu Hause in ihrem Geburtsort in der Normandie führen. Rose träumt jedoch von mehr. Sie möchte eines Tages gerne in eine Großstadt, am besten nach Paris ziehen und dieses langweilige Landleben hinter sich lassen. So kommt es, dass sie sich eines Tages für den beliebtesten Frauenberuf der 50er Jahre bewirbt. Sie möchte Sekretärin werden. Damit, dass sie der beliebte Anwalt Louis Échard wirklich anstellen würde, hatte Rose jedoch nicht gerechnet. Es ist der Anfang einer ungewöhnlichen Beziehung mit einigen Tiefen und noch mehr Höhen, dessen Höhepunkt Roses Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Schreibmaschinenschreiben bildet.

So langsam könnte man meinen, dass auch das französische Kino amerikanisiert wird. Erst letztes Jahr trumpfte Michel Hazanavicius mit seiner Stummfilmhommage „The Artist“ auf und erntete auch zugleich fünf Oscars. Dann läuft momentan die Liebeskomödie „Der Nächste, bitte!“ mit Diane Kruger und Danny Boon in den Kinos, welche auch eher an klassische Romantikkomödien aus der großen Filmschmiede erinnert und sich auch kaum von der Masse abzuheben weiß. „Mademoiselle Populaire“ hingegen erinnert nun am ehesten an „Silver Linings“, der erst Anfang des Jahres in den deutschen Kinos lief. Eine scheinbar banale Ausgangssituation, hier wie dort eine Geschichte, dessen Ende bereits von Anfang an klar ist. Und doch wissen sich beide positiv aus der Masse abzuheben. „Mademoiselle Populaire“-Regisseur Régis Roinsard macht es fast genauso richtig wie „Silver Linings“-Virtuose David O. Russell: Beide punkten mit einer unnachahmlichen Chemie der Darsteller, viel Dialogwitz, absurden Szenen und einer überaus liebevollen Inszenierung. Roinsard gehen am Ende dann nur ein wenig die Ideen aus. Dass das Mitfiebern mit Rose trotz aller Offensichtlichkeit, wohin die Handlung steuert, trotzdem garantiert wird, ist vor allem dem spielfreudigen Cast zu verdanken.

„Mademoiselle Populaire“ ist in erster Linie eine Kampf-der-Geschlechter-Komödie, klar spürbar vor allem in der ersten Filmhälfte. Die Worte, welche sich hier der arg selbstverliebte Anwalt Échard (mal wieder brillant: Romain Duris) und die arg freche, aber wenig von sich selbst überzeugte Rose (zum Küssen: Déborah Francois) an den Kopf werfen, ist herrlich mit anzusehen. Anschließend treibt es die Handlung in ernstere, aber nicht minder unterhaltsame Gefilde. Wer geglaubt hatte, dass ein Schreibmaschinenwettbewerb nicht genug Zündstoff für einen abendfüllenden Film bietet, der wird sich schnell wundern. Es sind die vielen Kleinigkeiten, welche hier zusammenkommen und aus der schlichten Geschichte ein emotional mitreißendes Feel-Good-Movie zaubern. Régis Roinsards Regiedebüt erinnert dabei nicht ohne Grund immer wieder an den großartigen „The Artist“. Hier wie dort wird einer längst vergangenen Epoche neues Leben eingehaucht und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Roinsard „The Artist“-Kameramann Guillaume Schiffman mit ins Team genommen hat, dem es wunderbar gelingt, das Paris der 50er Jahre auferstehen zu lassen. So sehr die Grundgeschichte aber auch nach Hollywood riechen mag – es fehlen halt leider die Wendungen, die einen in französischen Komödien immer wieder überraschen – im Großen und Ganzen setzt sich dann doch die Duftmarke des französischen Humors und Charmes durch.

Fazit: Dank seines gut gelaunten Darstellergespanns und des passenden Gespürs für nostalgische Momente überzeugt Régis Roinsards 50er-Jahre-Liebeserklärung zumeist, muss sich aber im Endspurt auch Längen gefallen lassen, da sich der anfangs großartig umgesetzte Einfall, einen Schreibmaschinenwettbewerb auf Zelluloid zu bannen, immer weiter abnutzt. Auch wird man ein bisschen in der Erwartung enttäuscht, dass Roinsard weiter geht, als sich in Retrobildern zu suhlen. Nichts jedoch kann sich der Frauenpower Déborah Francois und Mélanie Bernier in den Weg stellen, nicht einmal der wie immer grandiose Romain Duris, und so ist „Mademoiselle Populaire“ letzten Endes ein überaus sehenswerter Genrevertreter, der auf jeden Fall den richtigen Nerv in Sachen zwischenmenschlicher Beziehungen trifft. Auf Roinsards nächsten Film darf man jetzt schon gespannt sein.