"Magic Mike" (USA 2012) Kritik – Channing Tatum lässt die Hüllen fallen

„You’re a fuckin stripper?“

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Wenn man nach den größten Wünschen der Menschen fragt, dann hört man natürlich zuerst Dinge wie Gesundheit und Zufriedenheit, für sich, die Familie und alle Freunde. An nächster Stelle kommt jedoch schon das Geld. Daran ist natürlich nichts verwerflich, denn wenn man in seinem Leben früh ausgesorgt hat und mit keinerlei Geldsorgen leben muss, dann trägt das auch nochmal einen Teil zur eigenen Zufriedenheit bei. Wenn man sich jedoch zum Ziel setzt, den berühmten amerikanischen Traum zu seinem eigenen Traum zu machen und es vom Nobody zum mächtigen Millionär zu schaffen, dann findet man sich schnell auf dem harten Asphalt der Realität wieder. Wie oft wir diese Geschichte im Kino schon vorgesetzt bekamen, ist wohl kaum noch zu zählen, denn denken wir nur an „Scaface“, „Das Streben nach Glück“ oder auch „Fear and Loathing in Las Vegas“, die sich diesem Traum annahmen und ihn immer wieder auf verschiedene Wege bearbeiteten,dann sehen wir, wie vielfältig dieser Traum sein kann. Steven Soderbergh, der 2001 den Oscar für „Traffic“ entgegennehmen durfte, erzählt uns in „Magic Mike“ aus dem Jahr 2012 auch mal wieder von diesem berüchtigten Traum, allerdings macht er das alles andere als überzeugend.

Der 19 jährige Adam hat sich gerade ein Sportstudium durch die Finger gehen lassen und lebt seitdem bei seiner Schwester auf dem Sofa. Als er bei einem seiner Hilfsjobs auf einer Baustelle Mike kennenlernt, der tagsüber ebenfalls als Hilfsarbeiter sein Geld verdient, um sich nachts dann als Stripper durch die Clubs zu schwingen, ändert sich sein Leben schlagartig. Adam hat nicht nur den Körper, sondern auch die Ausstrahlung ein neuer Stern am Stripperhimmel zu werden. Durch Mike, den er in einem Club wiedertrifft bekommt er die Möglichkeit, sein Können vor dem Publikum zu zeigen – mit Erfolg. Jedoch bringen der schnelle Erfolg und das Geld auch ihre Schattenseiten mit sich, wie zum Beispiel das elendige Problem mit den Drogen. Und auch Mike ist mit seinem Leben nicht glücklich, denn eigentlich will er Möbeldesigner werden und endliche eine feste Beziehung eingehen. Seine Augen hat er dafür auf Adams Schwester Brooke geworfen…

Für „Magic Mike“ hat Steven Soderbergh mal wieder das getan, was er ganz besonders gerne macht: Nämlich Regie, Kamera und Schnitt selbst übernommen. Wenn man sich jedoch die Crew anschaut, dann fällt auf, dass der Name Soderbergh nur bei der Regie auftaucht. Das hat den Grund, dass Soderbergh sich für seine anderen Bereiche immer ein Pseudonym aussucht, hinter dem er seine Identität versteckt und seiner Arbeit so nachgeht. Visuell und handwerklich sind Soderberghs Filme aber gewohnt ohne Schwächen. So kann sich seine Kameraarbeit gerade bei den Auftritten der Strippern im kochenden Club beweisen, die mit ihrer ganzen anziehenden Kraft eingefangen wurden und den Zuschauer mitten ins Geschehen ziehen, ob man nun weiblich oder männlich ist. Musikalisch gibt es hier zumeist nur Untermalungen von hippen Liedern, die man so auch in jedem Club hören kann und die auf dröhnende Bässe und tiefe Beats setzen, wenn man von den Songs Like a Virgin und I will Survive mal absieht.

Bei den Schauspielern musste dann natürlich auf Männer gesetzt werden, die vor allem durch ihr Aussehen in die Rollen der Stripper passen. Harte Muskeln, glänzende Körper, glatte Haut und perfekt Körperbeherrschung. Mit Channing Tatum hat man da schon den richtigen Mann für die Hauptrolle gefunden, der auch gleichzeitig den titelgebenden Mike spielt. Tatum ist nach wie vor kein guter Schauspieler, auch wenn er erst kürzlich in „21 Jump Street“ seine beste Leistung ablieferte. In „Magic Mike“ ist er keinesfalls schlecht, was allerdings daran liegt, dass er vollen Körpereinsatz zeigen kann und seine Tanzkünste mit freiem Oberkörper nur zu gerne heraufbeschwört und mit Genuss ausreizt. Neben ihm steht Alex Pettyfer als Adam, der von jetzt auf gleich ein Teil des Nachtlebens wird und alle Seiten des Erfolgs erfährt. Pettyfer agiert jedoch viel zu unbeweglich, auch bei den Strippszenen hat er nicht im Ansatz die Präsenz eines Channing Tatum, und steckt die Zuschauer mit seiner hölzernen Darstellung schnell mit der Langeweile an. Das Highlight im Cast ist Matthew McConaughey, der mit herrlichem texanischen Slang richtig aufdrehen darf. Cody Horn als Schwester Brooke fällt kaum weiter auf, denn ihre Rolle ist so eingeschnürt, dass sie sich zwischen Zweifeln und Akzeptant nie aus dem Schatten der anderen Darsteller bewegen kann.

Vom Tellerwäscher zum Millionär, den amerikanischen Traum in vollen Zügen ausleben und den darauffolgenden unausweichlichen Fall direkt in die Arme laufen. Innovativ ist eine solche Geschichte schon lange nicht mehr und das macht sich auch in „Magic Mike“ mehr als nur bemerkbar. Wo Soderbergh uns in der ersten Hälfte des Films noch in die glänzenden Clubs einlädt, die Stripper in ihrem freizügigen Element zeigt und auch eine gewisse Unterhaltung erzeugen kann, verliert sich der zweite Teil des Films in gewohnten Mustern. Der Erfolg hat auch seine Schattenseiten, der Newcomer bekommt es mit den Drogen zu tun und der eigentliche Star der Show möchte kein Stripper mehr sein und seinen wahren Wünschen und Sehnsüchten folgen, doch das ist gar nicht so einfach, denn der Job lässt einen einfach nicht los und irgendwie muss man ja Geld verdienen. „Magic Mike“ erzählt uns altbekannte Dinge und dreht sich durchgehend um Anerkennung, Respekt, der Verwirklichung seiner Träume und der Liebe. Soderbergh kann sich allerdings auf keiner seiner angeschnittenen Ebenen verdeutlichen und dem Zuschauer ein klares Ziel vor Augen führen. Für eine Komödie ist „Magic Mike“ einfach nicht lustig und unterhaltsam genug, für ein Drama fehlt der Tiefgang, denn hier wird keiner der Charaktere wirklich tiefgründig vorgestellt und für eine Milieustudie, die auch mal hinter die Kulissen blickt, ist der Film einfach viel zu oberflächlich. „Magic Mike“ ist nichts Halbes und nichts Ganzes, auch wenn über eine gewisse Zeit unterhalten kann und sicher niemandem weh tut, ist er doch zu belanglos und nichtssagend, als wirklich ein interessanter und fesselnder Stripperfilm zu sein.

Fazit: Steven Soderbergh hat sich wieder mal nicht mit Ruhm bekleckert, eher ist hier das Gegenteil der Fall. Das Drehbuch ist zu löchrig und unausgereift, seine Inszenierung nicht straff genug, die Charaktere haben keinen Tiefgang und die Geschichte vom Aufstieg und Fall ist auch längst ein alter Hut, der zwar immer wieder packend vorgetragen wird, aber in „Magic Mike“ keinerlei Interesse wecken kann. Die Schauspieler sind größtenteils passend, die Bühnenszenen mit den Stripshows machen richtig was her und visuell gibt es hier auch nichts zu meckern, doch das macht alles noch keinen guten Film aus. „Magic Mike“ ist oberflächliche Belanglosigkeit, die schnell wieder vergessen wird.

Bewertung: 4/10 Sternen