Kritik: Da muss Mann durch (DE 2015)

Mannomann

© Warner Bros.

„Der Scherz ist das Loch aus dem die Wahrheit pfeift.“

Als mit „Mann tut was Mann kann“ 2012 die erste Verfilmung des Hans-Rath-Bestseller in die deutschen Kinos gekommen ist, war man als Filmfreund schon so weit vom nationalen Mainstream abgestumpft, dass man auf romantischen Komödie wie selbstverständlich die Til-Schweiger- oder Matthias-Schweighöfer-Signatur erspähen wollte. „Mann tut was Mann kann“ aber war dann nicht der weltfremde Ausdruck filmischer wie zwischenmenschlicher Inkompetenz, Regisseur Marc Rothemund hat eine mitunter wirklich sympathische Spitzen im Repertoire, um seinen gutmütigen Schwank um amouröse Verstrickungen und die Irrungen und Wirrungen in der Liebe unterhaltsam aufzuspannen. Dass „Mann tut was Mann kann“ letzten Endes dann doch nur im 08/15-Tümpel plantschte, das ist nun noch verzeihlicher, führt man sich den desaströsen Nachfolger „Da muss Mann durch“ zu Gemüte: Von den berühmt-berüchtigten Rosamunde-Pilcher-Adaptionen jedenfalls ist Thomas Lees Debakel nicht weit entfernt.

Wie uns „Mann tut was Mann kann“ vor gut drei Jahren schon gelehrt hat, ist Paul (Wotan Wilke Möhring, „Who Am I – Kein System ist sicher“) einer festen Beziehung nicht abgeneigt, auch wenn ihm das schöne Geschlecht gerne mal für eine flotte Nacht genügt. Am Ende jedenfalls öffnet Paul sein Herz für die Veterinärin Iris (Jasmin Gerat, „ZweiOhrKüken“) und lässt damit auch eine Hochzeit platzen. In „Da muss Mann durch“ spielt das allerdings schon keine Rolle mehr, das Glück hat Paul verlassen, allerdings läuft ihm da auch schon Lena (Julia Jentsch, „Sophie Scholl – Die letzten Tage“) über den Weg, die Erbin des Verlagshauses, in dem Paul als Personalchef sein Geld verdient. Dass Lena eigentlich schon dem gutsituierten Patrick (Stephan Luca, „Heiter bis wolkig“) versprochen ist, ändert natürlich nichts daran, dass Paul sich Hals über Kopf in die nächste Romanze stürmt – Und gewinnt! Na gut, ganz so einfach ist es dann doch nicht und „Da muss Mann durch“ verbringt seine Hauptspielzeit auf dem paradiesischen Anwesen von Lenas adeligen Eltern: Hier muss Paul beweisen, dass er der Richtige ist.

In „Mann tut was Mann kann“ war die Wohngemeinschaft um Paul, Schmanski (Jan Josef Liefers, „Knockin on Heavens Door“), Bronko (Fahri Yardim, „Wo ist Fred?“) und Günther (Oliver Korritke, „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“) noch als gruppentherapeutische Versuchsanordnung zu verstehen, in dem sich die vier besten Freunde wann immer es ging die Bälle zugespielt haben und sich über so manches Fallstrick umwanderten. „Mann tut was Mann kann“ hat dabei auch von Männerfreundschaften erzählt, von der Kraft, die sich Paul und Co. immer wieder gegenseitig geschenkt haben, um den Kopf nicht aufzugeben und sein Ziel weiterhin fest ins Fadenkreuz zu nehmen. In „Da muss Mann durch“ sind Schmanski und Co. nur noch Staffage, um hier und da einen billigen Gag einzustreuen, der Geschichte selbst aber bleiben die Freunde von Paul vollkommen abträglich, weil sie nichts zur Entwicklung beitragen, weil sie letztlich verzichtbar sind und – so scheint es – allein dem beißenden Pflichtgefühl wegen in die Narration integriert wurden.

In „Da muss Mann durch“ liegt der Fokus nun auf Paul und Ex-Freund Patrick, die ihr Revierverhalten unbemerkt in Gegenwart von Lena und ihrer anspruchsvollen Familie (darunter übrigens auch Sophia Thomalla, die in ihrer ersten Szene direkt mal zeigt, was sie unter dem Shirt so zu bieten hat) austragen, um somit von einem Fettnäpfchen ins nächste Schlamassel zu stolpern. Das gegenseitige Ausspielen, der Wettstreit um die Zuneigung der holden Lena soll Pointen garantieren, wird, wie der gesamte Film übrigens, aber so dermaßen verkrampft, unkreativ und hilflos heruntergespult, dass dann auch spätestens die hölzernen Dialoge um Begehren und Kummer eine larmoyante Rosamunde-Pilcher-Natur vermuten lassen. „Da muss Mann durch“ ist ein biederer RomCom-Abzählreim, all die Geschehnisse riechen nach stupiden Plot Points ohne Halbwertzeit, anstatt dem eigentlichen Kern des Werkes in irgendeiner Weise sinnvoll zu begegnet.