"Mann unter Feuer" (USA 2004) Kritik – Denzel Washington sinnt auf Rache

„Creasey’s art is death. He’s about to paint his masterpiece.“

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Tony Scott und Denzel Washington. Das beudetet „Crimson Tide“, „Déjà Vu“, „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“ und „Unstoppable“. Begeisterung flammt bei dieser Aufzählung nicht gerade auf, wirklich schlecht war aber auch keiner der genannten Filme. Wenn Scott und Washington sich für eine Zusammenarbeit getroffen haben, dann konnte man sich am Ende immer ziemlich sicher sein, das man kein Weltbewegendes Kino serviert bekommt, Scott seine unverkennbare Handschrift aber immer wieder konsequent vertreten wird, aber letztlich im Bereich der bedeutungslosen Durchschnittlichkeit oder knapp darüber landet. Die Action an und für sich war zwar in den meisten Fällen keinesfalls schlecht inszeniert, doch oft genug haperte es an den eindimensionalen Charakteren und dem mehr als vorhersehbaren wie zumeist äußerst seichten Storyverlauf. In „Mann unter Feuer“ aus dem Jahre 2004, der in der obigen Listung natürlich bewusst keine Erwähnung fand, lassen sich all diese Kritikpunkte problemlos wiederfinden.

Tony Scott widmet sich in diesem Fall dem altbewährten Thema des Rache-Kinos. Im Mittelpunkt steht dabei ein typischer Antiheld, der all die Klischees bedient, mit denen sich der Zuschauer in der heutigen Zeit andauernd herumschlagen muss. Denzel Washington spielt Creasy, einen ehemaligen Elite-Agenten der CIA. Ein Mann, der für die Aufträge zuständig war, die nur unter strengster Geheimhaltung durchgeführt werden konnten. Aufträge, die es nie gegeben hat und von denen nie ein außenstehender Mensch erfahren wird. Jetzt ist die brisante Zeit vorbei und die Geister der Vergangenheit suchen Creasy heim. Er bekommt nachts kein Auge zu, kämpft mit Schuldgefühlen und will natürlich all das mit dem guten alten Alkohol verdrängen. Damit er sich nicht zugrunde richtet, verschafft ihm sein ehemaliger Auftraggeber Rayburn einen Job als Bodyguard in einer wohlhabenden Familie. Den Schutz hat die kleine Pita auch bitter nötig, denn in Mexico City gibt es nicht gerade viel zu lachen. Und wie das Schicksal so spielt, freunden sich Creasy und Pita an und das kleine Mädchen wird kurze Zeit darauf entführt. Das Geschehen, worauf wir alle gewartet haben, nimmt endlich seinen Lauf und Creasy schnappt sich die Entführer.

Schauspielerisch gibt es in „Mann unter Feuer“ kaum Positives zu vermelden. Denzel Washington ist sichtlich unterfordert mit seiner einseitigen Rolle und darf sich lediglich auf zwei Gesichtsausdrücke stürzen: Der traurige und der wütende Blick. Mehr kommt letzten Endes nicht rüber und macht Creasy weder zu einem ambivalenten, noch zu einem ansprechenden Charakter. Dakota Fanning als entführte Pita ist ebenfalls nicht die Rede wert, ihre Rolle ist zu kurz und ihr Auftritt zu extrem auf sympathisch und süß getrimmt, nur um Creasys Rachefeldzug in gewisser Weise zu legitimieren. Mit Christopher Walken als Rayburn hat man zwar einen wunderbaren Schauspieler zur Verfügung gehabt und Walken ist auch hier mal wieder der beste Darsteller im Bunde, doch auch seine Szenen beschränken sich auf wenige Minuten und lassen den Altstar nicht aus den Zwängen des schwachen Drehbuches entspringen.

Die Drehbuchschwächen von „Mann unter Feuer“ sind unverkennbar. In erster Linie kann Brian Helgeland, Auftragsarbeit hin oder her, dem Subgenre keinerlei neue Facetten verleihen. Innovative Einfälle und Ideen sucht man vergebens. Wie gerne würde „Mann unter Feuer“ mit einem Hauch von psychologischer Tiefer auffahren, wie kläglich scheitert er an seiner eigenen Oberflächlichkeit, die sich durch das gesamte Geschehen zieht und in der altbekannten Abgedroschenheit mundet. Die Handlung selbst kann keinerlei Spannung erzeugen, zu vorhersehbar ist der aufgewärmte Brei, zu klar gezeichnet sind die Charaktere und dazu auch noch unnötig in die Länge gezogen. Das nächste wirklich nervige Problem sind zum einen die schrecklichen Schnitte, bei denen versucht wurde mögliche viele in eine Sekunde zu packen, was eine überstilisierte Hektik erzeugt, die jeden künstlerischen Aspekt mit Füßen tritt und absolut kontraproduktiv für den Zuschauer daherkommt. Genau wie die furchtbare DV-Kamera, die wohl für grobkörnigen Realismus sorgen sollte, hingegen aber eine abstoßende Bildästhetik heraufbeschwört, die dem eh schon kaum vorhandenen Spannungsbogen nur noch deutlicher im Wege steht. Sicher hat „Mann unter Feuer“ seine hellen Momente, doch die triviale und widersinnige Überzogenheit siegt.

„I am going to ask questions. If you don’t answer fully and truthfully, you will suffer much more than you have to. I’m going to cut your fingers off. One by one, if I have to.“