"Marley" (USA 2012) Kritik – Das Leben einer unsterblichen Legende

„My heart can be hard as stone and yet soft as water“

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Es gibt immer wieder Künstler, die einen unsterblichen Status auf der Welt genießen dürfen. Bis in alle Ewigkeit wird man ihre Namen kennen, mit Situationen und Gefühlen in Verbindung bringen und ebenso in den schönen wie schweren Erinnerungen schwelgen. Es sind diese Künstler, die ganze Generationen beeinflusst, unzählige Menschen durch ihr Leben begleitet und sich auch gerne als letzter Halt in grauen Tagen erwiesen haben. Ein solcher Künstler ist auch der Jamaikaner Bob Marley, der wirklich jedem Menschen namentlich ein Begriff sein müsste, auch wenn man selber nicht genau weiß, was es nun mit diesem Menschen wirklich auf sich hat. Was natürlich auch in der heutigen Zeit also nicht fehlen darf, sind Dokumentationen über solche musikalischen Legenden, die uns den Menschen wie auch die beruflichen Karriere näherbringen. Einer solchen nahm sich der Filmemacher Kevin Macdonald mit „Marley“ an, die uns einen knapp zweieinhalbstündigen Einblick in das Leben dieses unvergesslichen Ausnahmekünstlers offenbart.

Bob Marley war allerdings nicht nur ein wunderbarer Sänger, der es sich zum Ziel setzte, die ganze Welt und jeden Menschen mit seiner Musik zu erreichen, sondern auch ein eigenständiger Songwriter wie Gitarrist. Dort wo Bob Marley draufstand, war auch Bob Marley vorhanden. Songs wie „No Woman No Cry“, “Get Up Stand Up” und „Could You Be Loved“ sind jedem bekannt und konnten sich über die Jahre im Radio regelrecht totspielen, wobei sich diese Lieder nicht nur als vollkommen zeitlos erwiesen haben, sondern auch als unzerstörbar, genau wie Bob Marley selbst, der auch nach seinem Tod immer wieder ein Gesprächsthema ist und genauso gegenwärtig ist, wie zu Lebzeiten, wenn man mal vom physischen Standpunkt absieht. Jedoch steckt, wie bei jedem anderen Musiker oder Schauspieler, auch noch ein privater Mensch hinter der populären Schale, die sich gerne extrem vom Erscheinungsbild unterscheidet. Nicht im Fall von Marley. Seine Lieder, seine geschriebenen Texte, drücken sein Herz und seine Ansichten in jedem Wort aus. Marley war immer Marley, ob auf der Bühne vor zigtausend Menschen, oder auf der heimischen Couch im vertrauten Kreis.

Das Marley es in seiner Kindheit nicht leicht hatte, lag nicht nur an den sozialen Umständen im armen Jamaika, sondern auch an seiner Hautfarbe. Nicht schwarz und nicht weiß. Seine Mutter, eine gebürtige Jamaikanerin und sein Vater, ein weißer Soldat, waren verantwortlich dafür, dass Bob Marley Zeit seines Lebens den abwertende Begriff „Mischling“ tragen musste. Aber von einer solchen Kleinigkeit hat er sich nicht unterkriegen lassen. Marley biss die Zähne zusammen, überstand die frühe Kindheit im elenden Trench Town und zog schließlich in die jamaikanische Hauptstadt Kingston, wo die Probleme allerdings nicht aufhörten. Armut, Gewalt und Hunger. Doch in dieser schweren Lebensphase entdeckte Marley seinen Hang zur Musik und erkannte seine Bestimmung darin, die Welt mit seiner eigenen Musik in einen Einklang zu bringen. Er wurde Teil der oft verachteten Rastafari-Religion und folgte ihrer Offenbarung. Marihuana, Dreadlocks, die Treue zu ihrem Gott, Haile Selassies, waren nun der Inhalt seines Lebens. Der Erfolg kam unaufhaltsam. Die Band Bob Marley & the Wailers war in aller Munde und immer wieder an der Spitze der Charts, doch das wahre Sprungbrett zur weltweiten Annahme sollte England und schlussendlich Amerika heißen, wo Marley allein ganze Stadien füllte und vor 2 Millionen Menschen in sechs Wochen auftrat.

„…No sun will shine in my day today…“

Eine Dokumentation über Bob Marley zu inszenieren, konnte sich ja nur als schweres Vorhaben erweisen, genau wie es ein Ding der Unmöglichkeit ist, dem Überkünstler damit einer Dokumentation gerecht zu werden. Dafür ist sein Leben einfach zu aufregend, zu viele Höhepunkte, und zu viele Menschen haben den Weg von Marley beeinflusst und in die Richtung gewiesen, die ihn schließlich zum Helden und Vorbild ganzer Generationen und unterschiedlichster Nationalitäten machte. Dementsprechend oberflächlich verkommt Marley zeitweise und interessante Phasen werden lediglich in wenigen Minuten angeschnitten, ohne ihnen die verdiente Tiefe zu verleihen. Macdonald greift auf unbekannte Archivaufnahmen zurück, lässt Verwandte, Freunde und Bandkollegen zu Wort kommen, genau wie Marley selbst immer wieder in Interviews zu sehen ist. Dennoch fehlt etwas, um wirklich richtig besonders zu sein. So werden zum Beispiel die negativen Eigenschaften von Marley nur vorsichtig angesprochen, aber nie auf den Zahn gefühlt. Marley war mit Sicherheit kein schlechter Mensch, er hat sich für die Menschen und deren Rechte eingesetzt. Unabhängigkeit, Liebe, Friede und Selbständigkeit. Er hat die Musik seines Herzens verpackt und damit unzählige Menschen erreicht, berührt und durch ihr eigenes Leben damit geschickt. Doch Marley hat genauso Herzen gebrochen, Menschen durch seinen verdeckten Egoismus verletzt und enttäuscht und Treue in einer Beziehung war ein Fremdwort für ihn, denn schließlich gab es nur Gott, dem er seine Treue geschworen hat.

„…Everything’s gonna be alright…“

Marley“ lässt sich am besten als Erkundungstour durch das Leben einer unsterblichen Persönlichkeit bezeichnen, die es verstanden hat, dass es nur wertvolle Vollkommenheit gibt, wenn die Menschen zusammenhalten und gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn die Vorurteilte, die Gewalt und die politische Gefühlskälte endgültig aus dem Weg geräumt sind. Bob Marley war ein Mensch, der nie davongelaufen ist, selbst wenn eine Konzerthalle vom Tränengas regiert wird, oder Kugeln seinen Körper gestriffen haben. Solche Dinge eröffneten ihm nur ein neues Bild und verdeutlichten die eigene Sterblichkeit, die dazu beigetragen hat, dass Marley von frischer Motivation zehren konnte, um sich nur noch stärker in die menschlichen und ebenso sozialkritischen Botschaften seiner Musik zu stürzen. Vom Sklaven zum Kämpfer, und vom dynamischen Rasta zur ewigen Legende. Ein interessanter Mensch, ein grandioser Künstler und ein aufregendes Leben, verpackt in einer sicher nicht perfekten, aber unterhaltsamen, informativen und schönen Dokumentation, die sich noch mehr Zeit hätte nehmen sollen, denn dann wäre wahrlich Großes möglich gewesen.

„…Get up, stand up, stand up for your right
Get up, stand up, don’t give up the fight…“

Bewertung: 7/10 Sternen