"Matrix" (USA 1999) Kritik – Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit

„Hattest du schon mal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien? Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst… Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?“

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Es tat gut, richtig gut, zwischen all den neuen möchte-gern-tiefgründigen Filmen nach vielen Jahren mal wieder „Matrix“ zu sehen. Er ist geradlinig anstatt unnötig verschachtelt und bietet einen Haufen tiefsinniger Dialoge. Was diesen Film jedoch vor allen Dingen auszeichnet, ist die Inszenierung. Matrix ist ein Wunderwerk der Technik, welches den Effekten von heute, über 10 Jahre später, immer noch weit voraus ist. Ob das die um Trinity kreisende Zeitlupenkamera oder die Bulletcam ist, die visuellen Effekte waren und sind noch immer wegweisend. Aber nicht nur die Effekte an sich, sondern ebenso das brillante Zusammenspiel der grünen (der Verstand), blauen (die Realität), roten (Gefahr, Sünde und Gewalt) und goldenen (Bewusstsein) Töne ist bis ins kleinste Detail perfekt durchdacht. Am spannendsten ist wohl die Szene, in der Neo versilbert wird. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr einen Farbwechsel von Silber zu Gold (Unbewusstsein zu Bewusstsein). Und so zieht sich das über den ganzen Film. Achtet darauf und Matrix wird euch in ungeahnte Sphären entführen.

Der Unterschied zwischen „Matrix“ und seinen Nachfolgern und vielen Nachahmern ist also kurz gesagt: „Matrix“ bietet Komplexität, wohingegen die anderen dabei kläglich scheitern.

Ich möchte hier gerne eine Sache zitieren, die ich nicht besser formulieren könnte:
„Welche Pille würdest du nehmen? Jeder von uns steht vor der Entscheidung. Lüge oder Wahrheit. Leben oder Tod. Gott oder nicht Gott. Rote oder blaue Pille. Es gibt keine dritte Option. Wie leicht ist es doch, die Entscheidung vor sich herzuschieben! Und wie naiv. Aber Fragen werden nicht aus der Welt geschafft, indem man nicht mehr an sie denkt. Um es kurz zu machen: Ob du an Gott glaubst oder nicht – in jedem Fall solltest du genau wissen, warum. Es gibt nichts Schlimmeres, als antworten zu müssen: Ich weiß es nicht.“

Was ist die Matrix? Welche Bedeutung haben Technik und Fortschritt? Welche Stellung besitzen Glaube und Schicksal? Was ist der Sinn unserer Existenz? Welcher Mensch hätte nicht gerne Antworten auf diese Fragen. „Matrix“ bietet darauf einige höchst philosophische Lösungsansätze, wirft einige der zentralsten lebenstechnischen Fragen auf und ist dabei ungemein gesellschaftskritisch und intensiv in seiner Message. „Matrix“ ist nicht irgendein Film. Er ist revolutionierend, intelligent und cool. Aber das Beste an „Matrix“ ist die geniale Handlung, der sich alles andere unterordnet, und genau das unterscheidet einen guten von einem schlechten Film. Und wie bereits anfangs erwähnt, das Besondere an alledem ist, dass die Wachowsky Brothers einen roten Faden haben, eine geradlinige Erzählweise, denn Spannung entsteht nun mal nicht, indem alles verkompliziert wird, sondern indem man eine richtige Handlung zu bieten hat.

Trotz all der Genialität muss ich aber sagen, dass das Werk gen Ende zu sehr in simple Unterhaltung abdriftet und dadurch ein wenig an Oberflächlichkeit gewinnt. Das hinterlässt einen faden Beigeschmack. Das schlimmste an dem Film ist jedoch, dass er nur der Anfang einer großartigen Idee ist und die Fortsetzungen leider beide, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, nicht mehr gelungen sind. Andy und Larry Wachowski haben ein Gedankenkonstrukt geschaffen, über das ich als Zuschauer noch gerne mehr erfahren hätte. Dieses Versprechen können die beiden leider nicht einhalten.

„Warum tun meine Augen weh?“ – „Weil du sie noch nie benutzt hast.“

Bewertung: 8/10 Sternen