"Melancholia" (2011) Kritik – Eine Parabel über Fehlentscheidungen

„Das schmeckt nach Asche!“

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Gerade habe ich noch einige Kritiken gelesen, in der Hoffnung, die allgemeine Euphorie nachvollziehen zu können. Meine Meinung bleibt bestehen: „Melancholia“ ist ein unfassbar depressives, aber auch unfassbar schlechtes Filmerlebnis. Angefangen mit einem Prolog, der so uninnovativ ist wie nur möglich. Dabei dürfen Filmfehler natürlich nicht außen vor gelassen werden. In einer Szene regnet es hinter Kirsten Dunst Vögel, in der nächsten Einstellung komischerweise nicht mehr.

Interessanter als Filmfehler sind jedoch die inhaltlichen Aspekte oder vielmehr die inhaltlichen Ärgernisse. Extrem bedeutunglos, abgesehen davon als wie schlecht die Gesellschaft von von Trier portraitiert wird. Oberflächlich wird hier der Finger auf die Neureichen gerichtet, dort die Wissenschaft als dumm beschrieben und die Kritik an Großkonzernen darf natürlich auch nicht fehlen. So wenig wie diese Punkte in den Kontext der Geschichte passen, so heulerisch ist Kirsten Dunst. Spätestens nach 30 Minuten will man dem Mädel nur noch eine Links und eine Rechts verpassen. Zum Glück gibt es noch Charlotte Gainsbourg, die hier immer wieder zu Dunst meint: „Manchmal hasse ich dich so sehr“. Das „manchmal“ kann man dabei getrost streichen.

Die Bilder sind natürlich allesamt hervorragend fotographiert, die Darsteller und das Ambiente gut in Szene gesetzt. Nur wenn von Trier schon in seinem Prolog andeutet wie der Film ausgeht, dann kann noch so viel Hokuspokus, Geheule und Angst die Leinwand dominieren, das ist mir vollkommen egal. Für Figuren scheint von Trier sowieso kein Händchen zu haben. Die einen kommen von einer Szene auf die nächste gar nicht mehr im Film vor. Die Protagonistin wird zu einem Hassobjekt.

Auch bei der Symbolik schießt der Herr „Regisseur“ gewaltig über die Linie hinaus. Die symbolhafte Brücke, welche man bereits aus „Antichrist“ kennt, darf da natürlich nicht fehlen. Ich könnte hier noch vieles kritisieren. Das Resultat wird dasselbe bleiben: Storylos, konturlos, gleichgültig, so depressiv und hoffnungslos, Mr. von Trier tut einem schon leid, naja, nach seinem geschmacklosen Witz in Cannes eher weniger. Für mich zumindest ist es unbegreiflich, wie „Melancholia“ gefeiert werden kann, denn der Film hat, abgesehen von der nackten Kirsten Dunst im Mondlicht, nichts Neues zu bieten. Die Auswahl klassischer Musikstücke wirkt zu jedem Augenblick aufgesetzt. Die Atmosphäre funktioniert nicht und am allerschlimmsten, ich kann mich mit der puren Negativität und der oberflächlichen Gesellschaftskritik dieses Produktes zu keinem Zeitpunkt identifizieren.

Noch aufwühlender als „Antichrist“ hatte ich letztens gelesen. Nein, weitaus mieses und absolut unwichtig. Aber einer Sache bin ich mir jetzt bewusst. Kirsten Dunst ist eine Hellseherin. Danke für diese Aufklärung Mr. von Trier oder um auf das Anfangszitat zurückzukommen, der Film schmeckt nach Asche, bäh!

Bewertung: 2/10 Sternen