"Million Dollar Baby" (USA 2004) Kritik – Eine Million Dollar Klischees

„Bearbeite sie mit Jabs! Immer auf die Titten, bis sie blau werden und abfallen!“

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Wo Eastwood draufsteht muss nicht immer Qualität drin stecken. Das zeigte sich nicht nur bei seinen neuesten Filmen wie „Hereafter“ oder „Invictus“, sondern auch schon bei seinem allgemein als Meisterwerk anerkannten „Million Dollar Baby“. Prätentios, melodramatisch und unglaublich religiös ist dieses Werk und ein weiteres von vielen Boxdramen der Marke „Rocky“, einzig mit der Ausnahme, dass diesmal eine Frau die Strecke von der Tellerwäscherin zur Boxprofin antritt.

Das ist alles ohne Zweifel vollkommen stilsicher inszeniert, untermalt mit wunderschönen Melodien und getragen von herausragenden Schauspielern. Die immer wieder aufkommende Langeweile können die starken Seiten des Films jedoch nicht überdecken. Die Langeweile resultiert nicht nur aus der berechenbaren, zum 100. Mal neu aufgewärmten Story, sondern ebenso aus der zwar überraschenden, aber dennoch haarsträubenden Wendung der Geschichte, denn das Aus des amerikanischen Traums wird hier zu einer religiösen Leerveranstaltung dekradiert. Das ist leider sehr enttäuschend und überhaupt nicht das, was man bis Dato von einem Regisseur namens Eastwood erwartet hätte. Hilary Swank spielt ihren Part mit Bravour, Morgan Freeman als verkümmerter Ex-Profi ist super und Clint Eastwood in der männlichen Hauptrolle ist natürlich so präsent wie eh und je. Die Inszenierung, allen voran die Boxkämpfe, ist nahezu perfekt. Die Dialoge bieten einige Lacher. Das ist alles in allem sehr schade, denn die Idee, eine Frau in den Ring zu stellen, hätte sicherlich viel mehr Potential gehabt.

„Million Dollar Baby“ ist ein Boxerdrama, eine Art Vater-Tochter-Geschichte und eine Auseinandersetzung mit dem Thema Sterbehilfe. Viel zu viel Inhalt wird in den Film gepackt, keines der Themen wirklich vielschichtig behandelt. Eastwoods Intention besteht darin, zum Diskutieren anzuregen. Das kann man ihm positiv anrechnen, nur ist das kein Ausgleich für die klischeehafte und oberflächliche Storyline. Emotionen sind präsent, die Darsteller geben ihr Möglichstes, dennoch schaue ich mir lieber noch 1.000 Male „Wie ein wilder Stier“ an, als mich ein weiteres Mal durch dieses Filmchen kämpfen zu müssen.

Bewertung: 6/10 Sternen