"Mission: Impossible 2" (USA 2000) Kritik – John Woos Untergang

„Diese Ratte hat das Ende des Labyrinths erreicht.“

null

Fragt man nach den besten Actionfilmen der 90er Jahre, würde man sicher auch Sachen wie ‚Face/Off‘, ‚Ronin‘ und auch ‚Speed‘ zu hören bekommen. Welchen Film man allerdings in so gut wie jedem Fall gesagt bekommen würde, wäre ‚Mission: Impossible‘ aus dem Jahr 1996, mit dem Brian De Palma einen absolut erstklassigen und intelligenten Agentenfilm erschuf, der auch heute nichts von seiner Qualität einbüßen musste. Der Film schlug ein und wurde zu einem der erfolgreichsten Filme überhaupt. Nun vergingen vier Jahre, bis sich die Fortsetzung ‚Mission: Impossible 2‘ über die Kinos hermachte. Auf dem Regiestuhl saß nun Actionspezialist John Woo, der vorher Kracher wie Hard Boiled, The Killer und auch den genannten ‚Face/Off‘ inszenierte. Die Hoffnungen auf eine würdige Fortsetzung, waren bei diesem Regisseur also durchaus gerechtfertigt, denn sein Action-Handwerk verstand er. Das Ergebnis ist jedoch derart ernüchternd, dass man hier gut und gerne von einem der schlechtesten Actionfilme aller Zeiten sprechen kann, denn Woo zerstört all das, was man überhaupt zerstören kann.

Ethan Hunt ist wieder da! Als er sich gerade in seinem Urlaub befindet, bekommt er den Auftrag, den Verräter Sean Ambrose und den Virus, den er sich unter den Nagel gerissen hat, zu stoppen. Mit Nyah, eine ehemalige Freundin von Ambrose und dem Technikexperten Stickell, macht sich Hunt auf den Weg, um seinen ehemaligen Kollegen aufzuhalten. Doch es gab ein Missverständnis und die Mission wird gefährlicher, als zuvor angenommen.

Mit raffinierten oder beeindruckenden Kamerafahrten kann ‚Mission: Impossible 2‘ nicht protzen. Die einzig wirklich fantastische gefilmte Szene, feuert der Film gleich zu Anfang ab, wenn Tom Cruise sich an einem Felsen des Grand Canyon entlang hangelt und die Kamera über die tiefen Schluchten fährt und die weiten des Horizonts einfängt. Danach kommt allerdings nichts mehr dieser Art oder auch nur ansatzweise etwas vergleichbar Gutes. Die Kamera wackelt oft unhaltbar durch den Film und dazu die schnellen Schnitte, die noch viel mehr stören. Auch die ständigen Zeitlupeneinstellungen und Wiederholungen gehen gehörig auf die Nerven. Der Score von Hans Zimmer erinnert viel mehr an ‚Gladiator‘, als das er den Film passend unterstreichen würde. Einzig das gewohnte ‚Mission: Impossible‘-Theme passt natürlich nach wie vor, auch wenn es hier etwas aufgemotzt wurde. Von einer Atmosphäre brauchen wir aber gar nicht sprechen.

Wenn man sich den Cast durchliest, tauchen dort doch einige große Namen auf. Tom Cruise, Brendan Gleeson, Ving Rhames und Anthony Hopkins. Gut und schön. Doch ALLE bleiben so erschreckend blass und austauschbar, dass es fast schon wehtut. Brendan Gleeson und Anthony Hopkins sind sowieso nur gute 5 Minuten im Bild, zusammengerechnet versteht sich. Ving Rhames als Stickell gibt Hunt die nötige Hilfe und spuckt einige Sprüche raus. Das haben wir von ihm schon besser gesehen. Tom Cruise als Ethan Hunt ist jedoch so glatt, dass es schwer fällt, nicht über ihn zu lachen. Mit gelecktem Grinsen trottet er durch den Film und bleibt einfach nur charakterlos und schlecht. Thandie Newton als Nyah ist auch nicht der Rede wert, denn auch sie bleibt einfach nur ein Schatten, der seine Sätze ablässt und wieder in der Dunkelheit der Lustlosigkeit verschwindet. Dougray Scott als Antagonist Sean Ambrose ist natürlich auch nicht besser als die anderen. Er will einen schmierigen Draufgänger mit Sexsucht darstellen, bleibt aber einfach nur ein unauffälliger Niemand.

Erinnern wir uns noch ein letztes Mal zurück an ‚Mission: Impossible‘. Was hat De Palmas Film so ausgezeichnet? Ganz klar die Story. Sein Film war einfach so komplex und in jedem Punkt genau durchdacht, dass es schon schwer gefallen ist, hier nicht den Faden zu verlieren, einfach weil er andauernd einen neuen Faden durch den Film gezogen hat, der den anderen Faden wieder unterstützen konnte und ihn in eine ganz andere Richtung gelenkt hat. Das war so spannend und gleichermaßen unterhaltsam auf höchstem Niveau. Auch die Action hat natürlich gestimmt, die zwar nie überhandgenommen hat, aber genauestens eingesetzt wurde. Jetzt lag es also an John Woo, der in Vergangenheit zwar nicht gerade verschachtelte Geschichten erzählt hat, aber seine stylische Action hatte immer viel zu bieten. Doch alle Hoffnungen und Wünsche waren vergebens. Woo macht mit dem zweiten Teil der ‚Mission: Impossible‘-Reihe einen derartigen Bauchklatscher, wie er schmerzhafter kaum sein könnte.

Fangen wir einfach mal mit der Handlung selbst an. Schön wäre es an dieser Stelle gewesen, wenn der Film eine Handlung gehabt hätte. Die Gerüchte die umhergingen, dass der Film ohne Drehbuch entstanden wäre, kann man voll und ganz nachvollziehen. Ethan Hunt muss einen ehemaligen Agenten stoppen, der nun die Seiten gewechselt hat und sich mit einem tödlichen Virus aus dem Staub machen will, das für jeden Menschen eine Gefahr darstellt. Aber der Herr Verräter hat das Virus in Wirklichkeit gar nicht und will es sich eigentlich erst besorgen. Und dann Nyah, die Freundin von Ethan, die mal eine Freundin vom Verräter war und ihn nun ausspionieren soll. Zum mitdenken gibt’s hier gar nichts, denn auch die angeblichen Drehbuchautoren hatten beim Schreiben den Kopf eindeutig auf Durchzug. Kreativität und Einfallsreichtum sind Fremdwörter. Hier herrschen Dämlichkeit und Langeweile. Natürlich wird das alles so dermaßen unglaubwürdig und uninteressant verpackt, dass man nicht mal im Ansatz seinen Spaß haben könnte, denn Action gibt es auch nicht. Erst mal müssen wir knapp 70 Minuten überstehen, in denen nur dummes Zeug gebrabbelt wird und die Gespräche kommen doch nie auf einen Punkt. Eine Liebesgeschichte wird mit aller Kraft in den Film gepresst, die nicht nur in der dramaturgischen Ebene ein Totalausfall ist, sondern auch einfach nur flach bleibt. Emotionen sind hier nie zu finden.

John Woo schafft es einfach zu keinem Zeitpunkt, dem Film Tempo zugeben und ‚Mission: Impossible 2‘ stolpert in seiner Dummheit von einem Schlagloch ins Nächste. Hat Woo uns wirklich für so simpel gehalten? Wahrscheinlich. Anders kann man sich diese durchgehend Leblosigkeit und unfreiwillige Komik kaum erklären. Selten hat eine Fortsetzung so enttäuscht und das, obwohl doch alle Mittel zur Verfügung standen. Das Woo sogar immer wieder auf den tollen Maskentrick von Teil 1 zurückgreift und ihn hier zur vorhersehbaren Lachnummer verkommen lässt, ist schon ziemlich dreist. Richtige Action gibt es wie gesagt nicht, ab und an wird mal etwas geballert, mehr kommt nicht. Der Showdown setzt dem Film jedoch die Krone auf. Wie die Ritter der Tafelrunde rasen Hunt und der Bösewicht mit ihren Motorrädern aufeinander zu und prügeln sich dann wie die Rotweiler ohne Sinn und Verstand im Sand. Erschreckend öde und lahmarschig. Mehr kann man in einem Film kaum falsch machen.

Fazit: ‚Mission: Impossible 2‘ ist einer der tiefsten Griffe in die Keramikschüssel, der seinen genialen Vorgänger so gut es geht entweiht. Hassen kann man den Film doch nicht, denn so einem kräftigen Gefühl ist er natürlich nicht gewachsen. Am besten man sollte ihn einfach ignorieren und direkt zu J. J. Abrams und ‚Mission: Impossible 3‘ übergehen, denn sonst verschwendet man bei diesem Machwerk nicht nur Lebenszeit, sondern auch unnötige Energie beim Aufregen. Ganz furchtbar.

Bewertung: 1/10 Sternen