"Mission: Impossible III" (USA 2006) Kritik – Tom Cruise gegen Philip Seymour Hoffman

„Wir haben dir eine Sprengkapsel ins Hirn geschossen. Kommt dir das bekannt vor?“

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Brian De Palma schuf 1996 mit ‚Mission: Impossible‘ einen High-Tech Agenten-Thriller, der heute schon als Klassiker gilt und Tom Cruise eine prägende Rolle als Ethan Hunt schenkte. Oft wurde er kopiert, aber die Qualität konnte niemand wirklich erreichen. Wie das aber immer so mit erfolgreichen Filmen ist, musste eine Fortsetzung folgen. Im Jahr 2000 stand ‚Mission: Impossible 2‘ vor der Tür, dieses Mal von Bullet Time und Taubenfetischist John Woo. Das Ergebnis war ein erschreckend dämlicher und lahmer Actionfilm, der in so gut wie jedem Punkt durchfiel. 6 Jahre sollten vergehen und die Schmach von Teil 2 war langsam wieder vergessen. 2006 kam der dritte Teil der erfolgreichen Mission: Impossible-Reihe in die Kinos, wieder mit einem neuen Regisseur an Bord. Jetzt war es der Serienregisseur J. J. Abrams, der Ethan Hunt wieder frischen Wind geben sollte und Woos einstige Pleite endgültig begraben. So viel sei vorweg gesagt: die Mission ist geglückt.

Der eiskalte Waffenhändler Owen Davian hat die beste Schülerin von Ethan Hunt getötet und nun liegt es an Ethan und seiner Crew, den hochgefährlichen Verbrecher zu stoppen. Davian hat jedoch schon längst Ethans Frau Julia entführt und droht mit ihrem Tod, wenn er ihm nicht die „Hasenpfote“ aus Shanghai besorgt. Doch was hat es mit der mysteriösen Hasenpfote auf sich und wird Ethan das Rennen gegen die Zeit gewinnen?

Wie schon in den zwei Vorgängern, übernimmt auch hier Tom Cruise die Hauptrolle des Superagenten Ethan Hunt. Hier muss Cruise in seinen Charakter auch etwas Emotionalität einbringen und macht seine Sache auch über weite Strecken gut. Gelegentlich übertreibt er etwas und kratzt leicht am Overacting, wirkt dabei aber nie überzogen oder aufgesetzt. Neben Cruise bekommt niemand so richtig Zeit sich voll zu entfalten, aber Philip Seymour Hoffman als Antagonist Owen Davian ist geradezu perfekt besetzt. Eine Schande ist es, dass dem fantastischen Charakterdarsteller nicht mehr Zeit gegeben wurde, denn in jeder Szene reißt Hoffman das Ruder an sich und sticht alle anderen Schauspieler ohne Probleme aus. Die weiteren Darsteller verkommen zur Nebensache und Leute wie Ving Rhames, Jonathan Rhys Meyers, Michelle Monaghan, Laurence Fishburne und Simon Pegg liefern ihre Sätze ab, helfen der Geschichte ab und an weiter, bleiben aber trotzdem durchgehend austauschbar.

Die Hochglanzaufnahmen und kräftigen Kameraeinstellungen von David Minded machen natürlich einiges her und schaffen es, dem Film endlich einen düsteren Kern zu geben. Das er manchmal auf die nervige Handkamera zurückgreift und dem Zuschauer dadurch gelegentlich den Durchblick nimmt, verschiebt das Vergnügen etwas. Der inzwischen berühmte und oft abgewandelte Score kommt wieder zum Einsatz und in Verbindung mit Giacchinos antreibenden Soundtrack, wird ‚Mission: Impossible III‘ vorzüglich untermalt.

Nachdem wir Ethan Hunt schon durch eine spannende und eine erschreckend unspektakuläre Mission begleiten durften, konnten wir uns mit seinem Charakter auseinandersetzen, anfreunden und uns auch auf ihn verlassen. In ‚Mission: Impossible III‘ kriegen wir neue Facetten von ihm zusehen. Ethan ist jetzt verheiratet, doch seine hübsche Frau Julia weiß nicht von Ethans zweiter lebensgefährlicher Identität. Das kann natürlich nicht gutgehen und die zwei eigentlich klar getrennten Welten müssen sich früher oder später überschneiden. Wir sehen ihn weinen, verzweifeln und vor Wut explodieren. Auf der Gegenseite steht der tolle Bösewicht Davian, der nicht nur locker der stärkste Gegenspieler der gesamten Reihe ist, sondern hätte auch bei mehr Raum und sorgfältiger Charakterzeichnung einer der interessantesten und besten Fieslinge überhaupt werden können. Seine Ausstrahlung, die einmalige Präsenz und das unterkühlt, gefühllose Auftreten hat es einfach in sich und zieht den Zuschauer ohne Halt in seinen durchtriebenen Bann. Das allein hätte schon ein Duell der Extraklasse geben können, doch Abrams konzentriert sich etwas zu oft auf andere Dinge.

‚Mission: Impossible III‘ beginnt mit einer knallharten und kaltblütigen Szene, die später im Storyverlauf wieder eingebaut wird und den Film in eine andere Richtung lenken wird. Hier macht uns Abrams gleich klar, dass er einen anderen, härteren Weg als Kollege Woo einschlagen will. Das kommt auch gut an und Teil 3 wird zu Hunts persönlichstem Kampf. Seine Frau droht zu sterben und Davian scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Das Abrams den Film so tiefgründiger erscheinen lassen will, als er eigentlich ist, erweist sich als unnötig. Denn wenn wir uns einen ‚Mission: Impossible‘-Film ansehen, wollen wir auch Action bekommen. Abrams macht Ethan Hunt zu einem kleinen James Bond. Er jagt ihn um die halbe Welt und stattet ihn dabei mit allerhand technischen Spielereien und Ausstattungen aus. Es wird geballert, Explosionen und Kämpfe. Das knallt zwar ordentlich, beeindruckt aber nicht wirklich und wiederholt sich zunehmend. Diese Sachen gehen dann leider auf die Kosten der Story selbst, die nicht strohdoof ist, aber niemanden wirklich fordern wird und nur eine kleine unerwartete Wendung mit sich bringt. Ab und an gibt es auch kurze Logikschlaglöcher, doch schlecht is ‚Mission: Impossible III‘ sicher nicht. Der Film wurde temporeich inszeniert und Durchhänger gibt es nicht. Beste Unterhaltung, wenn auch nicht intelligent und wenig emotional.

Fazit: ‚Mision: Impossible III‘ wurde simpel aufgezogen und die Action kommt etwas einseitig daher. Auch Philip Seymour Hoffman wurde leicht verschenkt, aber nichtsdestotrotz inszenierte J. J. Abrams unterhaltsames Action-Kino mit passenden Darstellern, vor allem eben der grandiose Hoffman, einem tollen Score und krachenden Schießereien. Nicht fordernd, aber für zwischendurch zum Abschalten genau passend.