"Mission: Impossible" (USA 1996) Kritik – Meisterhaftes Thriller-Kino

„Diese Leute sind darauf trainiert Geister zu sein. Wir haben ihnen das beigebracht, verdammt nochmal.“

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Im Jahr 1996 erfand Brian de Palma mit ‚Mission Impossible‘ das Agenten-Genre neu. De Palma, der lange kein Kassenmagnet mehr war, konnte im Jahr 1983 mit ‚Scarface‘ seinen letzten großen Erfolg feiern. Äußerst tragisch, denn auch nach ‚Scarface‘ drehte er mit Filmen wie ‚The Untouchables‘, ‚Die Verdammten des Krieges‘ und ‚Carlito’s Way‘ drei der besten Genre-Beiträge überhaupt, die an den Kinokassen wirklich jeden Dollar verdient hätten. Nun stand wie gesagt das Jahr 1996 vor der Tür und der nicht sehr beliebte de Palma brachte eine Kinoversion von der 70er Jahre Serie Kobra, übernehmen Sie! heraus, die in Deutschland einen eher übersichtlichen Erfolg hatte. De Palma bewies mal wieder seine riesige Qualität und inszenierte ein Paradebeispiel dafür, wie man einen intelligenten und gleichermaßen unterhaltsamen Film macht.

Ethan Hunt befindet sich nach einer gescheiterten Mission auf der Flucht. Auf dieser Flucht muss er nicht nur sein eigenes Leben schützen, sondern auch einen Maulwurf aus den eigenen Reihen aufspüren. Mit einer neuen Crew plant er einen heiklen Coup und will in das Hauptquartier der CIA einbrechen und dringt immer tiefer in Wahrheiten, der er sich so nie erträumt hätte…

Die geniale Kameraarbeit von Stephen H. Burum ist wohl kaum noch zu toppen. Ob es die Aquarium-Szene, der Einbruch in die Stahlkammer oder das Finale auf dem Hochgeschwindigkeitszug ist, alles wurde punktgenau festgehalten, ohne wirr zu wirken und ist in seiner Brillanz nicht zu schlagen. Lalo Schifrins Theme zur Serie, wurde auch im Film beibehalten, nur in anderer Form und etwas aufgepeppt, welche inzwischen schon legendär ist und zu den bekanntesten überhaupt gehört. Dazu auch der Soundtrack von Danny Elfman, der eigentlich immer gute Arbeit abliefert und auch hier wieder einen absolut starke Score komponierte, der den Film in seinem altmodischen Feeling schön unterstreicht.

Die Hauptrolle wurde Tom Cruise geschenkt, der zuvor in Filmen wie ‚Top Gun‘ und ‚Geboren am 4. Juli‘ zwei verschiedene Publikumsgruppen überzeugen konnte. Mit ‚Mission: Impossible‘ gelang ihm dann schließlich der große Durchbruch und Cruise war schnell in aller Munde. Er spielt den Agenten Ethan Hunt, der nicht auf einem Charakter der Serie basiert, sondern aus der Feder der Drehbuchautoren extra für den Film entsprungen ist. Zwar wirkt Cruise auf den ersten Blick etwas unschuldig und unverbraucht-jugendlich, doch er passt sich seiner Rolle stark an und liefert eine gute Leistung ab, die er mit seiner Art voll und ganz auszufüllen weiß. Die Nebenrollen sind mit Jon Voight, Kristin Scott Thomas, Jean Reno, Emilio Estevez und Ving Rahmes natürlich stark besetzt. Doch ihre Einsätze sind klar beschränkt und die große Bühne wird eindeutig Cruise geschenkt, neben dem es schwer wird, wirklich etwas Herausragendes zu zeigen. Sie geben aber ihr Möglichstes und gehen nie unter. Anders als Emmanuelle Béart, die ihrer wichtigen Figur nicht gewachsen scheint und deutlich überfordert wirkt.

Wenn es um Agentenfilme geht, führt wohl kein Weg an James Bond vorbei, der nun wirklich in jedem Jahrzehnt seit seinem ersten Film das Zepter in der Hand hielt und immer wieder große Erfolge feierte. Doch es sollte eine Zeit kommen, in der ein neuer Mann frischen Wind in das Genre brachte. Die Rede ist von Ethan Hunt. Ein junges und sympathisches Gesicht, welches sein Können immer genau einsetzen kann und so einige Tricks draufhat. So sehen wir Hut bei seinem Einsatz, in dem er den Verräter der CIA finden soll, der im Besitz von einer Hälfte der NOC-Liste ist, in der die Decknamen von osteuropäischen Agenten eingetragen sind. Die andere Hälfte befindet sich in der amerikanischen Botschaft im Prag, in der die echten Namen der Agenten stehen. Jedoch ging es in dem Auftrag darum, den Maulwurf innerhalb der eigenen Einheit aufzudecken und weil Hunt der einzig überlebende ist, fällt der Verdacht natürlich auf ihn. Nun muss sich Hunt nicht nur gegen seinen Chef wehren, sondern auch den wahren Maulwurf der Einheit finden. Er macht der Waffenhändlerin Max das Angebot, ihr die echte NOC-Liste auszuhändigen, wenn sie ihm im Gegenzug den Namen des Maulwurfs und einen Batzen Geld zukommen lässt. Hunt muss sich ein neues Team zusammenstellen, doch auch in diesem kleinen Kreis scheinen nicht alle an einem Strang zu ziehen. Klingt verstrickt? Ist es auch. Doch der aufmerksame Zuschauer wird am Ende des Films mehr als nur belohnt.

In ‚Mission Impossibe‘ ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Ein Kaugummi ist hier nicht nur ein Kaugummi, sondern ein kleiner Sprengsatz. Eine Brille dient hier nicht nur zur Verbesserung der Sicht, sondern in ihr befindet sich schon eine kleine Kamera, die eine bestimmte Zielperson genau beobachtet und jedes Bild feinsäuberlich abspeichert. Allerdings sind hier auch die Zielpersonen nie die, für die sie sich ausgeben. Brian de Palma inszenierte einen Film, in der eine Wendung die Nächste jagt und spinnt ein Netz aus Lügen, Verrat und Intrigen, in dem man keinem Menschen vertrauen kann. In diesem Netz müssen sich allerdings nicht nur die Protagonisten zurecht finden, sondern auch wir als Zuschauer, denn wenn wir den Film nur einmal wirklich aus den Augen verlieren, läuft er uns ohne Probleme davon. ‚Mission Impossible‘ ist einfach punktgenau durchdacht, will aber nie pseudo-komplex wirken und uns eine Geschichte erzählen, die gerne klüger wäre als sie in Wirklichkeit ist. Brian de Palma verstand es, das nahezu perfekt ausgearbeitete Drehbuch genauestens umzusetzen und uns einen intelligenten und doppelbödigen Thriller der Extraklasse zu servieren. Sicher ist die Zeit nicht an dem Film vorbeigegangen und Disketten oder Röhrenmonitore dürften schon für viele Fremdwörter sein, doch das gibt dem Film wieder einen ganz eigenen Charme, der auch noch heute blendend funktioniert. So verstrickt ‚Mission Impossible‘ auch ist, so unterhaltsam und fesselnd ist er auch. Die Einbruchsszene in der Stahlkammer der CIA zählt nach wie vor zu den spannendsten der Filmgeschichte und das fulminante Finale, in dem Hunt irgendwie Halt auf einem Hochgeschwindigkeitszug finden muss, während ihn von hinten ein Helikopter mit den Rotorblättern immer näher kommt. Natürlich sollte man nicht unbedingt auf Realismus pochen, doch wer einen hochspannenden und verschachtelten Thriller erleben will, der einen nicht mit plumper Action befriedigen will, sondern auch eine ausgefeilte Story zu bieten hat, der ist hier absolut an der richtigen Adresse.

Fazit: Genau so und nicht anders muss man spannendes, unterhaltsames und kluges Thriller-Kino machen. Die passenden Darsteller, der tolle Score, die starke Kameraarbeit sowie de Palmas Inszenierung und das geniale Drehbuch machen ‚Mission: Impossible‘ zu einem Film, wie man ihn heute nur noch viel zu selten geboten bekommt. Ganz großes Kino, das zu Recht längst als Klassiker gilt.

Bewertung: 9/10 Sternen