"Moneyball – Die Kunst zu gewinnen" (USA 2011) Kritik – Was wäre die Filmwelt ohne Brad Pitt

„There are rich teams and there are poor teams, then there’s fifty-feet of crap, and then there’s us.“

null

Vollgestopft mit Weisheiten, Familiengeschichten und Baseball, erweist sich „Moneyball“ entgegen aller Erwartungen und besonders entgegen aller positiven Kritikerstimmen aus dem englischensprachigen Raum vielmehr als typisches für die Oscars konzipiertes Werk und als ein weiterer Vertreter der meist nervigen Aufsteigergeschichten vom Underdog zum Gewinner-Team. Warum „Moneyball“ keine Bruchlandung, wie beispielsweise die nervigen „Rocky“-Filme, hinlegt, hat zweierlei Gründe. Erstens ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern überzeugend genug und zweitens hat der Film während der Laufzeit von über zwei Stunden zumindest einige Neuheiten bzw. interessante Ansätze zu bieten.

Nach seiner wenig zufriedenstellenden Karriere als Baseball-Spieler nimmt Billy Beane (Brad Pitt) schließlich den Manager-Posten der Oakland A’s an, einem Baseball-Team, welches nicht nur spielerisch am Tiefpunkt seiner Geschichte angelangt ist, sondern auch kommerziell pleite ist. Mit einer neuen Idee möchte Billy die Sportart revolutionieren, allerdings stehen ihm dabei die alten, weitaus erfahreneren Trainer und Vereinsmitglieder im Weg. In dem Yale-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill) sieht er die letzte Möglichkeit, seine Ideen in die Tat umzusetzen.

Baseball war schon immer ein Sport der Amerikaner und das zeigt sich erneut mit „Moneyball“. Trotz einer überragenden Inszenierung und einem tollen Darsteller-Ensemble wird Regisseur Bennett Miller mit seinem erst zweiten Spielfilm kaum die Herzen des Filmfans höher schlagen lassen. Die Handlung ist zu kalkuliert, auch wenn die Idee, nicht die Sportart selbst, sondern das Management-System dahinter in den Fokus zu rücken, anfangs durchaus spannend erscheint. Brad Pitt liefert mal wieder eine tolle Leistung ab, auch wenn es dabei niemanden bei der Academy interessieren dürfte, dass er eigentlich in „The Tree of Life“ weitaus stärker war, denn seine Rolle als Manager bleibt konstant zu oberflächlich. Hier ein Ausraster, dort nachdenkliche Blicke und immer wieder spannende Dialogwechsel lassen den Zuschauer nicht die fehlplatzierte Vater-Tochter-Geschichte vergessen und ebenso wenig die vielen Längen, welche aus der 0815-Story resultieren. Warum Jonah Hill für den Golden Globe nominiert ist, stellt dabei ein Rätsel für sich dar, denn sein Schauspiel unterscheidet sich zu keinem Augenblick von früheren Filmen, mit der Ausnahme vielleicht, dass er mit Pitt wunderbar harmoniert.

Letztendlich bekommt man ein sehenswertes Werk geboten. Es ist allerdings überhaupt nicht schlimm, wenn man einen großen Bogen darum macht. Für Amerikaner wird „Moneyball“ logischerweise die Offenbarung darstellen, alle anderen Zuschauer werden sich gelangweilt abwenden. Wenig originell, nur wenig inspirierend, und doch hätte der Film ein großes Potential gehabt, nämlich das Management-System hinter dem Sport in seine Kleinteile zu zerlegen. Stattdessen bekommt man eine süße Handlung, den Kampf zwischen Alteingesessenen und der neuen Sport-Generation geboten. Dann doch lieber nochmal Oliver Stones knüppelharten Sportfilm „An jedem verdammten Sonntag“ anschauen, in dem Al Pacino eine brillante Show am Rande des Spiel(Kriegs-)feldes abliefert.

Bewertung: 6/10 Sternen