"Ein MordsTeam" (FR 2012) Kritik – Omar Sy wird zum französischen Axel Foley

Autor: Pascal Reis

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„Der soziale Frieden hat seinen Preis.“

„Ziemlich beste Freunde“ war nicht nur stellvertretend für das Jahr 2012 ein echter Kassenschlager, Olivier Nakache und Eric Toledano inszenierte gleichwohl eine Komödie, die zu den kommerziell erfolgreichsten überhaupt zählt und selbst bei den Oscars ein Wörtchen mitsprechen durfte. Warum sich also auch David Charhons Buddy-Komödie „Ein MordsTeam“ auf die großen Leinwände dieser Welt wagen durfte, liegt auf Hand: Die Popularität und die Massensympathien für Omar Sy. Einen ähnlichen Marketingschachzug konnte man zuletzt auch bei Jennifer Lawarence erkennen, die für ihre Performance in David O. Russells „Silver Linings“ noch den Goldjungen entgegennehmen durfte, um kurze Zeit später schon wieder im grauenhaft schlechten „The House at the End of the Street“ in den Lichtspielhäusern zum großen Gähnen einlud. Ohne Lawrence hätte Mark Tonderais filmische Schlaftablette diesen Sprung nie geschafft, und das gilt auch für David Charhons „Ein MordsTeam“, auch wenn diese beiden Werke tatsächlich nochmal Lichtjahre trennen.

Dem 7-köpfingen (!) Autorenteam, darunter auch Darsteller Laurent Lafitte und Regisseur David Charhon, steht die Eindimensionalität geradezu ins Gesicht geschrieben und auch wenn sich der altbekannte Spruch „Viele Köche verderben den Brei“ hier gar wunderbar anbieten würde, muss einfach gesagt gesagt, dass im Falle von „Ein MordsTeam“ nicht einmal die Herdplatte angestellt wurde. Man muss sich mit „Ein MordsTeam“ einen Film vorstellen, der sich an so abgedroschenen Themen entlanghangelt, mit derart abgewetzten Phrasen jongliert und einfach über keinen Funken Autarkie verfügt. Alles ist bekannt, alles hat man schon mal irgendwo gesehen, aber böse kann man am Ende weder dem Drehbuch, noch David Charhon sein, einfach weil sich „Ein Mordsteam“ größtenteils doch als sympathische Kurzweil verkauft, dabei natürlich immer im Fahrwasser sämtlicher Vorbilder treibt, aber diese weder beleidigt, noch dem Zuschauer einen aufgeblasenen Tiefsinn verkaufen möchte, der die zentrale Belanglosigkeit letztendlich noch zur gravierenden Heuchelei konvertiert.

Dass „Ein MordsTeam“ eben noch über diese nette Kurzweil verfügt, liegt ausnahmslos an dem herrlich harmonierenden Hauptgespann. Und auch da greift „Ein MordsTeam“ einen Genre-Standard auf, wie man ihn aus sämtlichen Werken dieses Fasson kennt: Das obligatorische ungleiche Duo. Durch „Lethal Weapon“ wurde die dynamische Gegensätzlichkeit legendär und auch selten humorvoller aufbereitet als zwischen dem Draufgänger Mel Gibson und dem Familienvater Danny Glover, der langsam „zu alt für diesen Scheiß“ wird. In einer solchen Dimension spielt das Zusammenspiel von Omar Sy und Laurent Lafitte keineswegs, doch wenn Sy seine Labertasche Ousmane mit Lafittes arrogantem Schnösel Francois kollidieren lässt, kann man sich das Schmunzeln tatsächlich nicht verkneifen. Diese unverkennbare Spielfreudigkeit und die über weite Strecken treffsicheren verbalen Duelle lockern die Lage immer wieder auf, was dazu führt, dass sich der Zuschauer nicht zu sehr auf die lasche Geschichte konzentriert und in vollem Ausmaß feststellen muss, dass diese eigentlich nur ein zusammengeklautes Nichts darstellt.

„Ein MordsTeam“ stellt seine – und das muss man ihm ebenfalls positiv anrechnen – Vorbilder oder falsche Verlegenheit öffentlich aus. Wenn das Handy des Ousmane wiederholt mit der Titelmelodie vom 80er-Jahre-Klassiker „Beverly Hills Cop“ ertönt oder Francois Jean-Paul Belmondos Joss in „Der Profi“ zum Polizeihelden erklärt, dann ist das immer wieder als eine recht amüsante Referenz zu verstehen, nur hilft es der Story natürlich auch nicht dabei, sich irgendwie von der Stelle zu bewegen – Nett gemeinte Tribute ohne Kohärenz. Dass es hier hintergründig um Korruption und die Machtausschöpfung französischer Großkonzerne geht, genau wie die sozialen Problematiken in den französischen Vorstädten, ist nur eine oberflächliche Anekdote ohne jede Substanz. Den beiden Hauptcharakteren wird auf ihren gemeinsamen Ermittlungen zwar auch eine Art Entwicklung zugesprochen, die auch als Vorurteilsvernichtung durchgeht und damit einen moralischen Fingerzeig bedeutet, aber „Ein MordsTeam“ ist zu lasch, zu zusammengemischt und generell zu unbedeutend, als dass man sich nur auf die Darsteller fokussieren und den schwachen Rest ausblenden könnte.