"Mr. Brooks" (USA 2007) Kritik – Der Mörder in Dir

„Der Hunger ist ins Gehirn von Mr. Brooks zurückgekehrt. Er war niemals wirklich daraus verschwunden.“

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Serienkiller haben in der Realität und im Film ihren ganz eigenen Platz. Während man sich im echten Leben über die Biografie und Mordgeschichte bestimmter Serienmörder informiert, Dokumentationen über diese schweren Verbrecher geradezu verschlingt und sich auch gerne in Diskussionen ziehen lässt, in denen darüber debattiert wird, welche Intentionen ein solcher Mensch für solche Taten gehabt haben muss und wo sich so mancher Mörder heute noch aufhält, denn genügend ungelöste Fälle lassen sich in den Polizeiakten auf der ganzen Welt finden. Im Film ist diese „Faszination am Bösen“ ähnlich, denn nicht nur das ein solches Thema ungemein spannend inszeniert sein kann, es kann vor allem auch eine psychologische Denkweise entfalten, die man nicht nur wunderbar analysieren kann, sondern man kann sich auch in diese getriebenen Personen hineinversetzen und sich mit ihren Taten vertraut machen, auch wenn man diese natürlich befürworten kann. In einem solchen Fall sind nicht unbedingt grandiose Filme wie „Scream“ oder „Halloween“ gemeint, sondern eher Sachen wie „Das Schweigen der Lämmer“ oder auch „Sieben“. Mit „Mr. Brooks“ aus dem Jahre 2007 versuchte sich Regisseur Bruce A. Evans in die gleiche Reihe der Meisterwerke über Serienkiller zu stellen, scheitert damit jedoch kläglich.

Den erfolgreichen Geschäftsmann Earl Brooks würde auf den ersten Blick wohl niemand als brutalen Serienkiller abstempeln, denn in Earls Leben läuft all das rund, was nur rund laufen kann: Im Job ist er einer der gefragtesten Männer und seine Ehe besteht aus hingebungsvoller Liebe. Doch die Fassade trügt, denn Brooks ist hat eine Sucht. Die Sucht nach dem Töten. Wenn er sich auf die Jagd macht, erscheint sein Alter Ego Marshall und gibt ihm den letzten Anstoß, um die furchtbaren Taten umzusetzen. Ausgerechnet ein Fotograf wird Zeuge von einem der Morde und ist durchaus angetan von der durchdachten Professionalität, mit der Earl vorgeht. Die Ermittlerin Tracy Atwood hat jedoch längst die Spur aufgenommen und dennoch scheint die eigene Familie nichts von Earls dunkler Seite zu ahnen….

Den größten Gefallen tut sich Bruce A. Evans mit seinen zwei wichtigsten Darstellern: Kevin Costner und William Hurt, die zwar eigentlich die gleiche Person spielen, aber mit vollkommen unterschiedlichen Performances aufwarten. Kevin Costner verkörpert den titelgebenden Mr. Brooks mit einer nüchterneren Präsenz, die seinem ruhigen Charisma immer wieder einen neuen ud ebenso interessanten Glanz verleihen. Er ist der Vollstrecker, während sich William Hurt als Motor des zweites Ichs offenbart und sichtlich Freude an seiner temperamentvollen Rolle hatte. Wenngleich Hurt weder die Screentime, noch die Qualität von Costner vollständig erreicht, sind es die gemeinsamen Szenen, die den wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Da hören die schauspielerischen Pluspunkte allerdings schon auf. Demi Moore als harte Polizistin Tracy Atwood ist die Unglaubwürdigkeit in Person und unterliegt dem Facettenreichtum eines Costners gnadenlos. Auch Dane Cook, den man eher aus öden und pubertären Komödien kennt, erweist sich als klare Fehlbesetzung, die gegen die wirkliche Charakterdarsteller nie ansatzweise etwas zu melden hat.

Visuell gibt es dennoch kaum etwas zu meckern, auch wenn eine Zeitlupen-Sequenz furchtbar deplatziert daherkommt. Die wahren Schwächen von „Mr. Brooks“ liegen ganz klar im inszenatorischen Bereich, dabei ist die Thematik vom psychologischen Standpunkt äußerst ansprechend für den interessierten Zuschauer. Earl Brooks kann eigentlich sein vollkommenes Dasein genießen. Er wurde zum Geschäftsmann des Jahres gewählt, genießt ein hohes Ansehen, nicht nur in seiner Branche und auch im privaten atmet der luxuriösen Komfort, den er sich mit seiner geliebten Frau teilen kann. Doch Earl hat ein Geheimnis, denn in ihrem Leben zwei Seelen, allerdings nicht im eigentlichen schizophrenen Sinne, sondern in einer Art beidseitigen Annahme. Marshall ist nicht echt, es gibt ihn nur in Earls Welt, dennoch unterhält er sich vollkommen normal, jedoch weiß Earl, dass Marshall nur ein Produkt seiner Gedanken ist, seine personifizierte Sucht. So anspruchsvoll und komplex das jetzt auch klingen mag, die Umsetzung lässt in jedem Punkt zu wünschen übrig.

„Mr. Brooks“ ist vor allem bei der Darstellung seiner Charaktere eine herbe Enttäuschung. Die Nebenrollen erweisen sich als belanglos, uninteressant und profillos. Es geht zwar immer wieder um eine Beziehungskrise samt Scheidung, die familiäre Beziehung zwischen Earl und seiner Tochter und auch um einen viel zu neugierigen Fotografen. Alles erweist sich aber nur als aussagelose Nebensächlichkeit, die immer wieder eingestreut werden, aber dem Zuschauer durchgehend fremd bleiben, genau wie das eigentliche Interessengebiet zwischen Earl und Marshall, der durchdachten Rationalität und dem brodelnden Pulverfass. Bruce A. Evans versteht es nicht, seine Charaktere zu verknüpfen und eine wirklich spannende Story zu formen, sondern scheitert an der oberflächlichen Abarbeitung, die jeden psychologischen Tiefsinn vermissen lässt. Plump eine zweite Person an die Seite des triebhaften Serienkillers zu stellen, der diese andere Person ebenfalls selbst ist, genügt einfach nicht, um die bewussten Einheiten der doppelten Persönlichkeit sorgfältig und intelligent auszuarbeiten. Die Präzisionslosigkeit Evans lässt sich schon daran ausmachen, dass er den Opfern von Brooks keinerlei Zeit schenkt und alle gleich unter einen unsympathischen Schleier begräbt, nur um das Töten der Hauptfigur noch irgendwie unbedacht abzufedern.

Fazit: „Mr. Brooks“ ist nicht das angekündigte Thriller-Highlight mit psychologischer Ausarbeitung, sondern ein durchgehend anspruchsloser, schlecht inszenierter und gerne auch langweiliger Streifzug durch die Nacht, immer auf der Suche nach dem nächsten profillosen Opfer. Kevin Costner und William Hurt zeigen gewohnt gute Leistungen und retten den Film noch gerade so vor der totalen Katastrophe, doch das unpräzise Drehbuch, die belanglosen und schlechten Nebendarsteller und Evans viel zu simple Inszenierung machen „Mr. Brooks“ schlussendlich zu einer riesigen Enttäuschung, die in fast allen Bereichen keinen Treffer landen kann.

Bewertung: 3/10 Punkte