"MR73" (FR 2008) Kritik – Düstere Langeweile

„Gott ist ein Drecksack. Irgendwann bring ich ihn um.“

null

Vier Jahre nach seinem kommerziellen, aber enttäuschenden Erfolg ’36 – Tödliche Rivalen‘, meldete sich Olivier Marchal wieder zurück. Mit dem Rückenwind seines letzten Films, der reichlich, wenn auch oft unverständliches, Lob nach sich ziehen konnte, inszenierte Marchal seinen nächsten Polizistenfilm. Er blieb seinem Genre also treu und besetzte die Hauptrollen ebenfalls wieder mit Daniel Auteuil. Mit dem düsteren Thriller ‚MR73′ machte er allerdings nicht wirklich etwas besser und verliert im Gesamteindruck sogar noch gegen ’36 – Tödliche Rivalen‘.

Schneider war einmal einer der besten Elite-Cops der Pariser Mordkommission. Durch einige Schicksalsschläge und der Härte seines Berufs hat er den direkten Boden unter sich verloren. Wenn er dann aber mal nüchtern ist, zählt er nach wie vor zu den besten seines Fachs. Eine geheimnisvolle Mordserie setzt währenddessen die Polizei in Unruhe. Doch das ist noch nicht alles. Justine hat in der Vergangenheit als einzige den brutalen Mörder und Vergewaltiger Charles Subra überlebt und dieser ist wieder frisch auf freiem Fuß. Justine sieht sich als nächstes Opfer und Schneider ermittelt hier auf eigene Faust.

Wie es inzwischen normal geworden ist, haben die Polizisten in der Neuzeit immer ein schwerwiegendes Alkoholproblem und durchleben eine selbstzerstörerische Reise durch den eigenen Abgrund. Das ist mit dem Charakter Schneider nicht anders. Seine Frau liegt im Sterben und sein Kind hat er bereits verloren. Sein Job holt ihn immer wieder ein und die einzige Zuflucht gewähnt ihm der Flaschenhals. Schneidet ist ein verlorener Antiheld. Er weiß was sich gehört, ist in seiner Sucht allerdings längst verloren gegangen. Dazu kriegen wir wieder einige Nebenhandlungen serviert. Die brutalen Morde und der entlassende Mörder Subra, der durch die Religion angeblich den Weg zur Besserung gefunden hat, bilden einen Haufen Probleme und die Lage scheint nur mit drastischer Kompromisslosigkeit gelöst zu werden.

Spannend klingt das schon. In Wirklichkeit ist es das aber nur sehr selten. Marchal versteht es eine eiskalte, unglaublich düstere und hoffnungslose Atmosphäre zu erzeugen. Doch der Film samt Hauptdarsteller will mit dieser Atmosphäre keinen Einklang finden. Und mit Daniel Auteuil haben wir auch gleich das nächste und größte Problem. Auteuil ist ein guter Schauspieler, ohne Frage, doch die Rolle des versoffen und trostlosen Polizisten passt ihm einfach zu keiner Sekunde. Er wirkt so erschreckend aufgesetzt und spielt durchgehend gegen eine unsichtbare Wand an. Als Zuschauer kauft man ihm so diese Rolle zu keiner Sekunde ab. Allein der Anfang ist schon so überzogen, bei dem Schneider einen Bus entführt und von einer ganzen Großeinheit Polizisten umstellt wird. Folgen hat das für ihn aber nie, denn er war vor Jahren halt mal ein guter Mann. Der Film kommt nie richtig ins Rollen. Einzelszenen sind besser als der ganze Film und ‚MR73‘ möchte unbedingt extrem tragisch und pessimistisch sein. Auf den ersten Blick ist er das auch, doch je mehr wir vorstoßen, desto gewollter wird der Film eben auch. Das Ende ist zwar kompromisslos, aber absehbar. Schade, denn die Atmosphäre ist wirklich tiefdunkel und voller Kälte und hätte den tollen Grundstein für einen harten und dreckigen Thriller geben können.

Fazit: ‚MR73‘ bietet einige gute Szenen, eine tolle Atmosphäre und einen starken Philippe Nohan. Das war es dann leider schon. Auteuil ist eine schreckliche Fehlbesetzung, der Film kommt nie auf Touren und plätschert einfach so vor sich hin und ist mit seinen knapp 130 Minuten viel zu lang geraten. Es gibt sicher noch schlechteres in dem Genre, aber von einem guten Film ist ‚MR73‘ ganz weit entfernt.

Bewertung: 4/10 Sternen