Kritik: Muppets Most Wanted (USA 2013)

Autor: Conrad Mildner

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„It’s not easy being mean.“

Die Muppets sind wieder vereint. Das Leben ist ein fröhliches Lied und schon kommt der nächste Fiesling um die Ecke, um das Konzert zu beenden. Im Fall von „Muppets Most Wanted“ sind es sogar zwei. Zum einen der zwielichtige Dominic Badguy (Ricky Gervais) und Constantine, der gefährlichste Frosch der Welt, der bis auf einem Muttermal Kermit täuschend ähnlich sieht. Diesen Umstand weiß das kriminelle Genie zu nutzen, flieht aus seinem russischen Gefängnis und übernimmt Kermits Rolle, der daraufhin unschuldig eingesperrt wird und Bekanntschaft mit der strengen Gulag-Leiterin Nadya (Tina Fey) macht. Die Muppets gehen derweil unter Anleitung von Constantine und Dominic auf Welttournee, ohne zu wissen, dass sie nur Teil eines legendären Diebstahls sind. Doch die zwei Agenten Sam Eagle und Jean Pierre Napoleon (Ty Burrell) sind ihnen bereits auf den Fersen.

Der Titel der ersten Fortsetzung des zwei Jahre zurück liegenden Muppet-Reboots sagt bereits alles über die Image-Kur der kultigen Puppen: Sie sind Most Wanted. Nachdem „Muppets aus dem All“ 1999 an den Kinokassen scheiterte, dauerte es zwölf Jahre bis zu ihrer Rückkehr. Wirklich in Vergessenheit sind sie nie geraten, doch wurden sie zunehmend ins Reich der Nostalgie verbannt, was Jason Segel und Nicholas Stoller für ihren gelungenen Neubeginn nutzten. „Die Muppets“ war kein genremotiviertes Vehikel, keine Schatzinsel oder Weihnachtsgeschichte. Es war wie der erste Film von 1979 ein Film über die Muppets und ihre Verbindung zu den Menschen, nicht nur als kommerzielle Figuren und Entertainer, sondern auch als anthropomorphe Kreaturen mit denen sich das Publikum immer besser identifizieren konnte als mit normalen Schauspieler_innen. Insoweit war es auch beeindruckend, dass es Jason Segel und Amy Adams in den Hauptrollen gelang dieses Paradigma zumindest ein bisschen in Zweifel zu ziehen, was natürlich auch daran lag, weil beide Charaktere den Muppets sehr nah kamen, was im zurecht oscarprämierten Song „Man or Muppet“ gipfelte.

Die Spitze des alten Erfolgs will auch „Muppets Most Wanted“ erklimmen und hat dafür ein enormes Star-Aufgebot im Rücken. Kaum ein bekanntes Fernseh- oder Kinogesicht fehlt hier, was auch dazu führt, dass die meisten Cameos wie eine stark gekürzte Clipshow von „Saturday Night Live“ wirken und sich im schlimmsten Fall mit bloßem Namedropping begnügen. Wirklich fantastische Kurzauftritte haben hier nur Ray Liotta und Danny Trejo als Insassen eines russischen Gulags. Die größeren menschlichen Rollen machen im Gegensatz zu Jason Segel und Amy Adams im letzten Film mehr Platz für die Muppets; ein nötiger Schritt, der aber auch die großen Nachteile des Films offenbart. Denn auch wenn die Geschichten von Mr. Badguy, der Gulag-Leiterin Nadya und des Interpol-Agenten Napoleon eng an die Puppen geknüpft sind und gar nicht für sich stehen können, wirklich fesselnd ist keine von ihnen. Sowie die Coming-of-Age-Geschichte (Mensch oder Muppet?) als auch der capraeske Theaterrettungsplot im letzten Film waren spannender und emotionaler als Kermits Gulag-Ausbruch, seine Beziehungsprobleme mit Ms. Piggy oder der Coup rund um Constantine.

Zum Ausgleich nutzt der Film die typisch generische Geschichte als Aufhänger einer sehr witzigen Nummernrevue. Schon der Eröffnungssong ist urkomisch. In der selbstironischen Musicalsequenz lästert der Film über das eigene Schicksal ein Sequel zu sein und entschuldigt sich bereits für die kommenden Enttäuschungen. Dabei werden allerhand Möglichkeiten präsentiert wie dieses Sequel aussehen könnte, wobei in der Pressevorführung verständlicherweise am lautesten gelacht wurde als der schwedische Chefkoch in Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“ auftaucht.

So ein Titelsong der dramatischen Klasse à la „Man or Muppet“ fehlt „Muppets Most Wanted“ völlig und nach dem fantastischen Opening kann auch nur noch Tina Feys „The Big House“ begeistern. Die Musical-Regie hat ebenso sichtlich nachgelassen, obwohl James Bobin schon den letzten Film inszenierte. „Die Muppets“ hatte nicht nur sehr gute Massen-Choreografien („Life’s A Happy Song“), sondern auch grandios gestaltete Solonummern („Me Party“) sowie intime Balladen („Pictures in my Head“).

In erster Linie glänzt „Muppets Most Wanted“ mit seiner komischen Seite. Auch Constantine, Kermits bösartiger Doppelgänger mit Schönheitsfleck, ist eher witzig als bedrohlich. Der sonst unvergleichliche Ricky Gervais („The Office“, „Derek“) schwächelt sogar spürbar gegenüber seinem grünen Gangster-Kollegen. Von der menschlichen Besetzung brilliert hier wirklich nur Tina Fey. Die Entertainerin darf ohne Scheu als die witzigste Frau der USA bezeichnet werden. Ihre Performance als toughe Gulag-Leiterin Nadya, die insgeheim eine Obsession für Kermit hegt, macht dieses Sequel erst sehenswert.

Die im Eröffnungssong angekündigten Enttäuschungen bleiben sonst nicht aus. Der letzte Muppet-Film eröffnete neue Perspektiven, kann aber rückblickend auch nur als Schritt zurück zum Status Quo des Franchises angesehen werden. Die Muppet-Fans werden sich heimisch fühlen. Für alle anderen bleiben zumindest die Lacher übrig.