"Mystic River" (USA 2003) Kritik – Eastwood’s Studie über Freundschaft und Gewalt

„Hast du je darüber nachgedacht, wie eine kleine Entscheidung ein ganzes Leben verändern kann?“

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Wenn Filmlegende und Hollywood-Gigant Clint Eastwood einen Film dreht, kann man zum Großteil davon ausgehen, dass man mindestens einen guten Film zu sehen bekommt. Mit seinem Krimi-Drama ‚Mystic River‘ von 2003 gelingt Eastwood nicht nur ein normaler guter Film. Für mich ist ‚Mystic River‘ eines der absolut vollkommenen Meisterwerke der Filmgeschichte.

Visuell ist ‚Mystic River‘ absolut herausragend. Die düsteren Bilder der Bostoner Unterschicht wurden mit einem ständig dunkelblauen Ton unterstrichen. Die grandiose Kameraarbeit von Tom Stern ist exzellent und zeigt einige der stimmigsten Einstellungen und Schwenks überhaupt. Dazu die zutiefst berührende und immer steigernde Musik von Clint Eastwood persönlich, die sich zu den besten der Filmgeschichte zählen darf.

Sein tolles Gespür für Besetzungen beweist Eastwood in ‚Mystic River‘ wieder eindrucksvoll. Die Hauptrolle des Jimmy wird verkörpert von Sean Penn und hätte mit ihm nicht besser besetzt werden können. Seinen geschundenen Charakter spielt er mit überwältigender Kraft und erschreckendem Ausdruck. Dass er immer wieder groß auffährt dürfte inzwischen bekannt sein, doch was er hier abliefert ist eine absolute Meisterleistung. Zu Recht wurde er mit dem Oscar für die beste Hauptrolle ausgezeichnet. Der durch die Vergangenheit traumatisierte Dave wird von Tim Robbins gespielt. Robbins, der immer mehr in mittelmäßigen Produktionen verloren geht, beweist in ‚Mystic River‘ endlich wieder was in ihm steckt. Seinen zerbrochenen Charakter spielt er mit unglaublich fesselnder Authentizität und Tragik, die den Zuschauer immer wieder berührt. Auch er wurde dann für seine grandiose Leistung mit dem Oscar prämiert. Der letzte im Bunde ist Sean, gespielt von Kevin Bacon. Sean hat sich bei der Polizei hochgearbeitet und trifft wieder auf seine Jugendfreunde. Auch Bacon, der gerne zu Unrecht unterschätzt wird, bringt eine durchgehend starke Leistung, kann aber nicht mit Penn und Robbins mithalten, was aber auch auf seine Screentime zurückzuführen ist. Den glänzenden Cast runden Laurence Fishburne, Marcia Gay Harden und Laura Linney stark ab.

Clint Eastwood inszeniert mit ‚Mystic River‘ eine durch und durch pessimistische und abgründige Geschichte um drei ehemalige Freunde und deren wiedersehen. Dave wurde vor den Augen seiner beiden Freunde Jimmy und Sean in ein Auto gezwungen und mehrere Tage brutal missbraucht, bis er endlich die Chance hatte zu fliehen. Seitdem ist Dave nur noch ein Schatten. Er steht neben sich, traumatisiert, verwirrt und verängstigt schleicht er durch die Welt und versucht irgendwie für seine Familie da zu sein. Als Dave eines Abends blutverschmiert nach Hause kommt, nimmt alles seinen schrecklichen Lauf. Jimmy ist ein Ex-Häftling in zweiter Ehe. Doch Jimmy hat mit seinem kriminellen Leben abgeschlossen und ist ein verantwortungsbewusster Familienvater geworden. Als seine 19 Jährige Tochter tot aufgefunden wird, schalten sich alle Sicherungen aus und Jimmy fällt in alte Muster. Er nimmt das Gesetz selbst in die Hand und würde alles dafür tun um seine Tochter zu Rächen. Dann ist da noch Sean. Er hat es als einziger zu etwas gebracht und ist Polizist. Aufgrund des Todes von Jimmy’s Tochter kehrt er zu Ermittlungen wieder zurück in seine Heimatstadt. Doch das sind nicht Sean’s einzige Probleme, gleichermaßen versucht er seine schwere Ehe zu retten. Das sind also die Grundpfeiler auf dem ‚Mystic River‘ aufgebaut ist. Klingt erst mal nach einem „normalen“ Thriller und typischer Killersuche. Das ‚Mystic River‘ aber alles andere als herkömmlich ist wird spätestens jedem klar, wenn man die unglaublich intensive Szene zu sehen bekommt in der Jimmy mit dem Tod seiner Tochter konfrontiert wird. Gänsehaut pur. ‚Mystic River‘ lebt von diesen Momenten. Fast jede Szene ist durch und durch perfekt Inszeniert und bietet einen fantastischen Augenblick nach dem anderen. Szenen die im Kopf bleiben und immer wieder aufs Neue berührend und verletzen. Doch ‚Mystic River‘ baut, wie gesagt, nicht nur auf eine normale Killersuche. Zwar ist das natürlich der große Punkt der Geschichte und die Spannung wird immer mehr aufgebaut, bis zum erschreckenden Finale, aber ‚Mystic River‘ ist auch genauso ein eindringliches und aufrüttelndes Charakterdrama mit unglaublich viel Tiefgang. Der Film überschlägt sich nie, das Tempo ist zwar immer ruhig aber trotzdem durchgehend hochspannend. Es geht um zerbrochene Freundschaften, die Veränderungen die wir alle durchmachen müssen. Jeder verändert sich, ob zum Guten oder Schlechten zeigt sich immer. Es geht um Familie und die Familiäre Bindung zu jedem Mitglied. Vor allem aber geht es um Schuld und Sühne. Wer ist der wahre Täter und wie würde man als Vater handeln, wenn man vor dem Mörder seiner Tochter steht und innerlich bereits völlig zerfressen und erfroren ist? In wie fern kann man diesen Menschen in seinen Aussagen und Handeln verstehen? Gerechtfertigt oder unverständlich? Dass die moralischen Fragen auch eine große Rolle spielen und immer wieder in einem Gewissenskonflikt enden versteht sich von selber. All das verpackt Clint Eastwood zu einem absolut hochkarätigen Film der absoluten Extraklasse der auf allen Ebenen immer wieder packt, aufwühlt und berührt.

Fazit: ‚Mystic River‘ ist für mich einer der Filme meines Lebens. Alles scheint perfekt zu sein: die mehr als herausragenden Schauspieler, das grandiose Drehbuch, Eastwood’s feinfühlige Inszenierung, die optische Klasse und der umwerfende Soundtrack machen ‚Mystic River‘ zu einem absolut fesselnden Film voller menschlicher Abgründe und verlorener Seelen. Ein kraftvolles, authentisches und erschreckendes Meisterwerk der aller ersten Klasse.

Bewertung: 10/10 Sternen