"Die nackte Kanone" (USA 1988) Kritik – Der speziellste Polizist der Spezialeinheit

„Wenn ich das nächste Mal auf jemanden schießen will, darf ich das nur noch in meinen eigenen vier Wänden machen. Ich hoffe, es wird dann ein Einbrecher sein und kein Bekannter wie bei meinem Polterabend.“

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Polizisten, Cops, Bullen, Polypen, Gesetzes- und Ordnungshüter und für viele auch Spielverderber. Man kann sie nennen, wie man will, doch ohne sie wäre die Filmwelt nicht die, die sie heute ist. Polizisten sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Filmgeschichte und ihr Auftreten lässt sich immer wieder aufnehmen und in die verschiedensten Charaktergruppen einordnen. Die großen Helden des Genres sind wohl Bruce Willis als John McClane in ‚Stirb langsam‘, Al Pacino als Frank Serpico in ‚Serpico‘, Clint Eastwood als Harry Callahan in ‚Dirty Harry‘, Steve McQueen als Frank Bullitt in ‚Bullitt‘ und natürlich Mel Gibson und Danny Glover in den vier ‚Leathal Weapon‘-Teilen. Mal sind sie zynisch, mal kompromisslos, mal desillusioniert, mal korrupt und auch mal abgründig, so dass sich ihre Methoden kaum von denen der Verbrecher unterscheiden. Wenn man jedoch Lust hat, mal wieder so richtig über die Polizei und ihr Verhalten zu lachen, dann kann man nicht nur zu ‚Police Academy‘ greifen, sondern findet im Jahre 1988 einen wahren Klassiker, den wirklich jeder kennt und auch genauso liebt: gemeint ist damit natürlich ‚Die nackte Kanone‘ von David Zucker.

Nachdem Lieutenant Frank Drebin ein geheimes Treffen von gefährlichen Staatmächten in Beirut auseinandergenommen hat, geht er zurück in seine Heimat nach Los Angeles, wo sein Polizeikollege Nordberg im Krankenhaus liegt. Nordberg wollte einem Drogendeal stoppen und wurde dabei schwerverletzt. Hinter diesem Drogendeal, steht der wohlhabende Vincent Ludwig, der auch ein Attentag auf die britische König Eliabeth II plant, die bei einem Baseballspiel auf der Tribüne gegenwärtig sein wird. Drebin nimmt die Ermittlungen auf, geht dabei aber nicht immer intelligent vor und seine Vorgesetzten sehen ihn schon bald ebenfalls als Gefahr für den hohen Besuch der Königin. Doch Drebin stört das alles herzlich wenig, denn als er auch noch das Herz von Ludwigs Sekretärin Jane gewinnt, kann ihn nichts mehr halten und der große Showdown beim Baseballspiel lässt nicht mehr lange auf sich warten.

‚Die nackte Kanone‘ lebt nicht vom Drehbuch oder beeindruckenden Kameraeinstellungen und Bildern, sondern voll und ganz von seinem fantastischen Hauptdarsteller: Leslie Nielsen. Mit der Rolle des trotteligen aber extrem sympathischen Lieutenant Frank Drebin hatte Nielsen seinen späten Durchbruch, der ihn dafür aber eine legendäre Rolle schenkte, mit der er bis in alle Ewigkeiten in Verbindung gebracht wird. Dafür muss Drebin nicht einmal zu großen Gesten greifen oder irgendwelche Grimassen schneiden, sondern kann den meisten Witz aus seiner hervorragenden Mimik ziehen, die sich immer wieder durch einen selten dämlichen Blick auszeichnet, der so herrlich ist, das man Drebin einfach lieben muss. Sicher sind auch die Nebenrollen mit George Kennedy als Captain Ed Hocken, O.J. Simpson als Detective Nordberg und Priscilla Presley als Jane Spencer wunderbar besetzt und können ebenso Lacher für sich buchen, doch Nielsen kann niemand das Wasser reichen, dafür ist er einfach zu brillant und passend. Wenn dann noch der berühmte Score von Ira Newborn ertönt, dann kennt der Spaß kein Halten mehr und das perfekte Feeling erreicht seinen Höhepunkt.

„Ich glaube wir können den Arm ihres Mannes retten, Mrs. Nordberg. Wo wollen Sie ihn hingeschickt haben?“

Wer bei ‚Die nackte Kanone‘ Tiefgründigkeit oder auch nur eine vielschichtige Handlung erwartet, der hat sich in der Adresse aber ganz gewaltig geirrt. Die Story ist nebensächlich, viel mehr zählt hier, wie auf dieser Nebensächlichkeit die besten Gags der Filmgeschichte gebaut werden. Regisseur Zucker besitzt ein Timing, welches nicht nur auf höchster Ebene unterhaltsam ist, sondern in seiner Treffsicherheit so beeindruckend, das der Film auch nach dem unzähligsten Mal noch perfekt funktioniert und die gleichen Brüller immer und immer wieder heraufbeschwört, obwohl man sie schon so oft gesehen hat. ‚Die nackte Kanone‘ verbindet Slapstick, Klamauk, Wortwitz, Situationskomik und liebenswerte Sinnlosigkeit mit dem chaotisch-trotteligen, aber unendlich sympathischen Cop, der in seinen Dummheiten unvergleichlich komisch ist und durch seinen verwirrten Blick schnell zu den größten Lachern verhilft. Wo Frank Drebin auftaucht, da bleibt das Chaos, genauso wie der Spaß ohne Grenzen, Pausen oder Durchhänger bleibt. ‚Die nackte Kanone‘ ist in seiner oberflächlichen Niveaulosigkeit immer niveauvoll, das muss im erst mal ein Film nachmachen, und dabei so politisch neben der Spur, das die Klischees der Polizei ohne Gnade durch den Kakao gezogen werden und das Zwerchfell zum Erschüttern gebracht wird. Unmöglich ist es, jeden Gag beim ersten Sehen aufzunehmen, denn Zucker hat in den Hintergrund so viele Sachen versteckt eingebaut, die einem erst nach und nach auffallen und den unhaltbar spaßigen Unsinn nur noch weiter aufziehen können.

Fazit: Mit ‚Die nackte Kanone‘ kann man die wohl beste Parodie der Filmgeschichte erleben, die auf allen komödiantischen Ebene funktioniert und eine Gagdichte vorweisen kann, die unerreicht ist, denn pro Minuten gibt es gleich mehrere riesige Lacher. Mit Leslie Nielsen in seiner unsterblichen Rolle perfekt besetzt und mit verborgenen Details gespickt, die man immer wieder beim Schlapplachen neuentdecken kann. Ein Kultfilm, ein Klassiker, unantastbar, unnachahmlich und ‚Die nackte Kanone‘ als Highlight bezeichnen, wäre dem Film nicht im Ansatz würdig.

Bewertung: 9/10 Sternen