"Die neun Pforten" (FR 1999) Kritik – Eine teuflische Reise

„Dieses Buch ist eine Anleitung den Teufel herbei zu rufen.“

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Meisterregisseur Roman Polanski ist kein unerfahrener im Bereich des Okkulten. 1968 schrieb er mit dem Okkult-Horror ‚Rosemary’s Baby‘ Filmgeschichte. Gute 30 Jahre später betritt er mit ‚Die neun Pforten‘ wieder das Genre und überzeugt auf ganzer Linie.

Die langsamen und ruhigen Schnitte wirken angenehm zurückhaltend, genau wie die tolle Kameraführung von Darius Khondji, denn die sorgt für äußerst stimmige und tolle Einstellungen von Frankreich. Der schaurige Score von Wojciech Kilar ist ebenfalls ein absolute Highlight und untermalt die Szenen grandios und lässt eine hochspannende und bedrohliche Atmosphäre entstehen.

Polanski beweist wieder einmal ein tolles Gespür für Besetzungen. Mit Johnny Depp steht ihm einer der besten Schauspieler unserer Zeit zur Verfügung und das macht sich mehr als nur bezahlt. Depps Charakter Corso ist hochinteressant und er kann mit seinem Schauspiel wieder einmal voll überzeugen. Neben Johnny Depp überzeugt auch Frank Langella als Teufelsbuch-Sammler Boris Balkan, der auch über Leichen gehen würde um an sein Ziel zu kommen. Auch Lena Olin als besessene Liana Telfer und Emmanuelle Seigner, Ehefrau von Polanski, als mysteriöse Fremde, zeigen starke Leistungen.

Obwohl Polanskis damalige Ehefrau Sharon Tate von den Teufelsanbetern Charles Manson und seinen Anhängern umgebracht wurde, inszeniert er ‚Die neun Pforten‘ doch erstaunlich leichtfüßig und ruhig. ‚Die neun Pforten‘ überzeugt in allen Punkten und Bereichen. Der Film ist ein Mystery-Thriller und der Zuschauer verfolgt interessiert die spannende Büchersuche, die immer rätselhafter wird. Die Bilder des Buches finden sich auch in Corsos Leben wieder und es wird schnell klar, dass man es mit übersinnlichen Kräften zu tun hat. Doch der Film drängt nicht auf Antworten oder Auflösungen. Polanski überschlägt sich nie, sondern bleibt seinem ruhigen Erzähltempo treu. Wer einen Horror-Schocker erwartet, wird natürlich enttäuscht. Blut spritzt nicht durch die Gegend und auch Schockeffekte, die den Zuschauer aus dem Sessel werfen, gibt es nicht. Die hat der Film auch gar nicht nötig, denn genau der ruhige Ton macht den Film so genial und stimmig. Auch mit ironischen Untertönen geizt Polanski nicht und es gibt einiges zu schmunzeln.

Punkten tut Polanski auch damit, dass er versteht, mit Mystery umzugehen und einiges offen lässt um den Zuschauer selber rätseln zu lassen. Doch nicht nur Corso ist interessant, sondern auch Boris Balkan, der eine riesige Buchsammlung von Okkulten-Werken besitzt, weckt das Interesse des Zuschauers. Ihm sind zwei der stärksten Szenen des Films zu verdanken. Zum einen die Abrechnung mit der Satans-Sekte und seine eigene Teufelsbeschwörung. Aber auch Emmanuelle Seigner als geheimnisvolle Schönheit, die immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein scheint um Corso zu helfen, wird direkt interessant für den Zuschauer und man hat eine leise Vorahnung, was es mit der Frau auf sich haben könnte. Vor allem Corso und Balkan aber sind die faszinierendsten Personen. Beide vertrauen niemandem, sind skrupellos in ihrem Beruf und lassen sich nicht durchschauen. Genau das sind die Punkte auf die Polanski großen Wert legt: Charkterzeichnung und die ruhige, aber dennoch hochspannend erzählte Geschichte.

Fazit: ‚Die neun Pforten‘ ist extrem spannend und grandios gespielt, vor allem von Johnny Depp. Polanski beweist wieder einmal durch seine hervorragende Inszenierung, dass er einer der besten Regisseure überhaupt ist. Der Film überzeugt in allen Punkten, muss aber sicherlich mehrere Male gesehen werden, damit man alle Details entdecken und erfassen kann. Dennoch ist der Film nichts für Adrenalin-Junkies oder Menschen, die einen puren Horrorfilm erwarten.

Bewertung: 9/10 Sternen