"New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde" (USA 2009) Kritik – Die Qualen werden schlimmer

„Geht es dir um meine Seele? Du kannst sie haben! Ohne dich will ich sie nicht.“

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Ein zartes Jahr durfte vergehen, in dem wir keine Schlangen von kreischenden Teenagern vor den Kinotüren begutachten durften. Mit Edward T-Shirts und verschiedensten Anhängern wurde ihre Sehnsucht 2009 aber wieder gestillt. New Moon stand vor der Tür, der zweite Teil der „Twilight“-Reihe von Stephenie Meyers. Die erste Verfilmung war in so gut wie allen Belangen ein krasser Totalausfall, doch der Film wurde natürlich ein riesiger Erfolg. Ein kluger Schritt sollte es also sein, den Regisseur zu tauschen und den gescheiterten ersten Teil mit einem guten Nachfolger vielleicht etwas vergessen zu machen. Die Wahl fiel auf Chris Weitz, der Filme wie ‚American Pie‘ und ‚About a Boy‘ inszenierte. Nach seiner Katastrophe Der goldene Kompass musste auch Weitz wieder Qualität vorweisen. Mit Erfolg? Von den Einnahmen her natürlich, doch als Film selbst ist ‚New Moon‘ schlichtweg unakzeptabel und Weitz schaffte es sogar, den miesen ‚Twilight‘ zu unterbieten.

Bella und ihr Vampirfreund Edward sind ein Paar. Die schwierigen Bedingungen scheinen überwunden, doch ausgerechnet an ihrem Geburtstag kommt es zu einem Zwischenfall und Edward sieht sich gezwungen, aus dem Leben von Bella zu gehen. Für Bella stürzt durch diese Entscheidung eine Welt zusammen und einige Zeit vergeht, bis Bella sich wieder etwas gefangen hat und erneut Freude an ihrem Leben finden kann. Das liegt aber auch an ihrem indianischen Freund Jacob, der ihr helfen will und sie ein wenig von ihrem Kummer ablenkt. Allerdings weiß Bella noch nicht, dass Jacob ein Werwolf ist. Auch die beiden kommen sich näher und Edward sieht sich zu einem schwerwiegenden Schritt aus der Ferne gezwungen…

Unsere drei Hauptdarsteller aus dem ersten Teil sind natürlich auch hier wieder mit von der Partie. Robert Pattinson bleibt sich treu und bleibt einfach nur uninteressant, bekommt hier aber auch die kleinste Rolle von dem miesen Trio zugesprochen. Die Schwerpunkte liegen auf Bella und Jacob. Kristen Stewart macht aber ebenfalls genau da weiter, wo sie in Twilight aufgehört hat und setzt ihren gemischten Blick aus schwerer Langeweile und quälender Emotionslosigkeit auf. Das sorgt nicht selten für unfreiwillige Lacher und man muss es in dieser Deutlichkeit sagen, denn Stewart schaut manchmal so dämlich drein, dass dies der einzige Ausweg ist. Und zu guter Letzt Taylor Lautner, wieder in der Rolle des Jacobs. Lautner ist einfach kein Schauspieler, das wird wohl auch Weitz bemerkt haben, deswegen darf er sich immer bei Lust und Laune das Shirt vom Körper reißen und seinen Körper präsentierten, der sicher zum feuchten Traum unzähliger Jugendlicher geworden ist. Wie gesagt, mit Schauspiel hat das hier alles herzlich wenig zu tun, aber die Darsteller wollen sich auch gar nicht bemühen, so macht es den Anschein, das Geld wird am Ende so oder so stimmen und der nächste Teil folgt, das war so sicher wie das Amen in der Kirche und wer will schon das anspruchslose Publikum verärgern, in dem man eine Schablone mit einer anderen austauscht?

Nachdem uns die Charaktere in ‚Twilight‘ weder schmackhaft gemacht noch wirklich vorgestellt wurden, hätte es ‚New Moon‘ gut getan, das vielleicht ein wenig zu ändern. Aber Pustekuchen. Die Figuren und Gestalten bleiben charakterlos ohne besitzen keine Eigenschaften, die man ihnen nicht schon nach 5 Minuten entnehmen kann. Edward und Bella haben zueinander gefunden, doch in Edwards Augen hat diese Liebe keine Zukunft. Er muss verschwinden, weit weg, das ist der einzige Weg seine Bella zu schützen. Und so macht er sich eben ohne viel Abschiedsgeplänkel aus dem Staub. Natürlich kann er Bella trotzdem nicht loslassen, wer könnte das auch? Bella sieht sich gezwungen, gefährliche Aktionen zu unternehmen, nur um ihren Edward wieder zu sehen, der sie im Schein warnt. Da kommt dann der liebe Jacob stärker ins Spiel. Er sieht seine Chance und buhlt um das Herz von Bella. Hilft ihr, lenkt sie ab und lernt sie kennen. Aber Bella denkt nur an ihren Edward, obwohl Jacob irgendetwas in ihr auslöst. Als sie Jacobs Geheimnis bei einer Rettungsaktion erfährt, ist sie vollkommen durcheinander und ihr lieber Edward will seinen Schmerzen dazu auch noch ein Ende setzen. Hach, dramatisch, oder? Nee, eigentlich kein Stück. Weitz ist es unmöglich eine Bindung zwischen seinen Charakteren und dem Zuschauer zu schaffen, denn seine Inszenierung ist so statisch, träge und lieblos, dass man sich auf dem Film zu keiner Sekunde einlassen kann.

Man nehme die Schwachpunkte von ‚Twilight‘, verbessert sie kein Stück und fügt noch weitere Minuspunkte ein. Fertig ist ‚New Moon‘. Wer sich freut, dass Edward die meiste Zeit nicht vertreten ist, der sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass Jacob nun fast immer Anwesend ist, und der ist keinen Deut besser. Das Drehbuch ist dermaßen abgeharkt und schludrig zusammengefuscht, das es einem vor dem nächsten Dialog schon beinahe graust. Wir werden in ein seelenloses Geplänkel geworfen, in der glänzende Waschbrettbäuche, blasse Naivität, schlimme Albernheiten und trockene Langeweile regieren. ‚New Moon‘ ist der Höhepunkt der Leere und zieht sich so unglaublich in die zähe Länge, dass die eigene Geduld wirklich auf eine harte Probe gestellt wird. Aber wozu? Beglückwünschen kann man sich am Ende auch nicht wenn man es durchgehalten hat, viel mehr muss man sich mit den verstörenden Nachwirkungen herumschlagen. Vampire und Werwölfe an allen Ecken, doch Biss hat der Film keinen. Dazu kommen noch furchtbare Effekte und das billige Machwerk ist in seiner ganzen Ödheit komplett.

Fazit: Wenn du denkst es geht nicht schlechter, wirst du eines besseren belehrt. Das trifft genau auf ‚New Moon‘ zu. Wo ‚Twilight‘ schon den Bach runterging, nimmt New Moon nochmal extra Anlauf um mit einem breiten Grinsen ins Messer zu laufen. Hier stimmt rein gar nichts. Fragwürdige Schauspieler, die ihren Beruf verfehlt haben, keinerlei Atmosphäre, Möchtegern-Ästhetik, ein Soundtrack, der sich einfach nur der jüngeren Generation anpasst und natürlich das furchtbare Drehbuch. Grauenhaft, lachhaft und dämlich, für die Fanboys & girls wird es aber ein Fest sein.

Bewertung: 1/10 Sternen