"Non-Stop" (USA, FR 2014) Kritik – Tödliches Versteckspiel mit Liam Neeson über den Wolken

Autor: Stefan Geisler

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„I’m not hijacking this plane. I’m trying to save it!“

Als harter Hund vom Dienst schießt und prügelt sich der irische Schauspieler Liam Neeson in den letzten Jahren vermehrt durch das amerikanische Popcorn-Kino. Egal, ob es um das Wohlbefinden eines Familienmitglieds („96 Hours“), der Aufdeckung eines Verschwörung („Unknown Identity“) oder schlicht um das nackte Überleben („The Grey“) geht, das zahlende Publikum liebt es einfach, den bärbeißigen Iren als standhaften Einzelkämpfer auf der Leinwand zu sehen. Da ist es natürlich kein Wunder, dass Neeson auch im Kinojahr 2014 wieder in die Rolle des einsamen Helden schlüpfen darf. Diesmal muss der Mime in „Non-Stop“ als Air Marshall Terroristen in schwindelerregender Höhe das Handwerk legen. Leider erlebt der eigentlich solide inszenierte Thriller vom „Orphan – das Waisenkind“-Regisseur Jaume Collet-Serra im letzten Drittel eine abrupte Bruchlandung, denn die Auflösung des Katz-und-Maus-Spiels ist nicht nur enttäuschend, sondern im höchsten Maße ärgerlich, da sie neuerlichen Terror-Fantasien paranoider Amerikaner reichlich Nährboden bietet.

Air Marshal Bill Marks (Liam Neeson) ist definitiv kein Vorzeigemitglied seiner Zunft: Er hat seinen Job satt, trinkt während seiner Schicht und raucht auf dem Flugzeugklo. Persönliche Probleme ziehen Bill Marks immer weiter runter. Doch als der desillusionierte Air Marshall während eines Flugs von New York nach London plötzlich seltsame Text-Nachrichten auf einem eigentlich geschützten Kanal empfängt, erwachen dessen Lebensgeister erneut. Der unbekannte Autor droht, alle 20 Minuten jemanden an Bord des Flugzeugs zu töten, sollten nicht in dieser Zeit 150 Millionen Dollar auf ein Konto seiner Wahl überwiesen werden. Marks fackelt nicht lange und versucht dem Flugzeug-Terroristen das Handwerk zu legen. Doch die Uhr tickt unbarmherzig weiter.

Regisseur Jaume Collet-Serras Thriller „Non-Stop“ ist ein Kammerspiel-Thriller à la „Mord im Orient-Express“ oder „Geheimnis im blauen Schloß“. Auf engstem Raum befindet sich eine Schicksalsgemeinschaft in den Händen eines Terroristen, der sich unerkannt unter ihnen versteckt hält. Das Brisante an dem Szenario: Nur wenige Eingeweihte wissen über die prekäre Situation. Gekonnt legen die Drehbuchautoren immer wieder falsche Fährten und spielen mit den Klischees der Zuschauerschaft. Wer der Passagiere ist denn nun der Terrorist? Der grimme Glatzkopf, die frisch vermählte Touristin auf Hochzeitsreise, der schüchterne Lehrer oder doch der bärtige Araber mit dem verdächtigen Koffer? Regisseur Jaume Collet-Serras schafft es somit den Terrorismus des neuen Jahrtausends perfekt zu charakterisieren. Man kann den Terror nicht typisieren, denn es handelt sich im wahrsten Sinne um eine unsichtbare Bedrohung. Hier ist einfach jeder verdächtig und so baut sich nach und nach eine unangenehme Atmosphäre des Misstrauens auf, die sich auch merklich auf das eigene Urteilsvermögen auswirkt. Hier entsteht die Bedrohung im Kopf und dementsprechend lange verzichtet Jaume Collet-Serras auch auf Action-Einlagen. Erst im überladenen Schlussakt darf Liam Neeson dann ordentlich austeilen und einstecken. Auch besser so, denn im Gegensatz zum spannend in Szene gesetzten Versteck-Spiel im Passagierraum, gestalten sich die Kampfszenen inszenatorisch lediglich als hektische Durchsnittskost.

Wenn „Non-Stop“ doch nur so gut enden könnte, wie er angefangen hat. Nach dem gelungenen Start und einem unangenehm beklemmenden Mittelteil, beginnt der Film leider merklich abzubauen. Während künstliche Spannungsverstärker und Logiklöcher noch problemlos zu ertragen gewesen wären – so erfahren die Passagiere beispielsweise per Fernseh-Liveübertragung (?!) von der schweren Vergangenheit ihres scheinbar psychisch instabilen Air Marshalls – ist die Auflösung des Katz-und-Maus-Spiels hanebüchener Unsinn, der den Flugzeug-Thriller letztendlich zum Absturz bringt. Denn was die Drehbuchautoren John W. Richardson, Christopher Roach und Ryan Engle hier letztendlich verzapfen, dürfte höchstens für Terror-Paranoiker und engstirnige Sicherheitsfreaks eine willkommene Schlusspointe sein. Wenn hier ernsthaft die Frage aufgeworfen wird, ob die aktuellen Sicherheitsbestimmungen in den Flughäfen bzw. in den Flugzeugen selber denn nun WIRKLICH schon genug seien, um die Menschen zu schützen oder wir nicht doch noch mehr Überwachung bräuchten, dann kann man als Zuschauer mit nur noch verwundert den Kopf schütteln.

Fazit: Es ist kaum zu übersehen, dass sich Jaume Collet-Serras Thriller „Non-Stop“ am amerikanischen Markt orientiert. An sich keine schlimme Sache, hier werden jedoch unreflektiert amerikanische Schreckensvisionen bedient. Und so legt der eigentlich spannende Thriller „Non-Stop“ im letzten Drittel doch noch eine desaströse Bruchlandung hin.