"Now Is Good" (GB 2012) Kritik – Verliebte Todkranke im Sonnenuntergang

Autorin: Maria Engler

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„Moments. This is one. This right here, right now, is definitely a moment.“

Tessa (Dakota Fanning) ist 17 Jahre alt und will endlich ihr erstes Mal haben. Mit ihrer besten Freundin Zoey, die schon mehr Erfahrungen mit Männern hat, startet sie die Vorbereitungen in der Wohnung der zwei Auserwählten. Nachdem sich die beiden Freundinnen abgesprochen haben, wer welchen Typen bekommt, startet das Projekt Entjungferung. Während Zoey schon wild mit ihrer Auswahl herumknutscht, nimmt die Verklemmtheit bei Tessa und ihrem Typen bald unangenehme Ausmaße an. Als sie sich dann endlich doch küssen, greift er leidenschaftlich nach ihren Haaren und … hat plötzlich ihre Perücke in der Hand. In diesem Moment beschließt Tessa, die mit unheilbarer Leukämie gestraft ist, ihre Behandlung abzubrechen und den Rest ihres kurzen Lebens ausschließlich mit Dingen zu füllen, die sie wirklich tun möchte. Mit ihrer besten Freundin Zoey (Kaya Scodelario) erstellt sie eine Liste, die sie zusammen abarbeiten wollen. Ihr Vater (Paddy Considine) würde seine todkranke Tochter aber am liebsten die ganze Zeit um sich haben und vor der großen bösen Welt und vor allem ihrer Krankheit beschützen wollen. Schließlich verliebt sich die Todgeweihte in den Nachbarsjungen Adam (Jeremy Irvine)…

Es ist eine traurige Geschichte, die hier erzählt wird. Der Zuschauer sieht keinen einzigen Lichtblick, denn abgesehen von den gelegentlichen, schrecklich traurigen Schwächeanfällen Tessas, quälen auch die grausamen Wortgefechte mit ihrem Vater. Während der sich nämlich alle Mühe gibt, seiner Tochter ein normales Leben zu bieten, lässt sie keine Gelegenheit aus, ihm zu zeigen, wie wenig sie seine Hilfe nötig hat. Der Mann, der kaum mit seinen eigenen Gefühlen klar kommt, kriegt bei jeder sich bietenden Gelegenheit sein Fett weg. Glücklicherweise wird sie ein wenig erträglicher und für den Zuschauer sympathischer, als Adam in ihr Leben tritt und sie fortan auf Wolke Sieben wandeln lässt. Ab diesem Punkt zeigt sich auch ganz deutlich, für welche Zielgruppe „Now is good“ gemacht ist. Voller Geduld und von Anfang an voll männlicher Stärke und trotzdem so verliebt, lässt sich Adam auf das krebskranke Mädchen ein. Ihre Beziehung ist geprägt von leider etwas realitätsferner Romantik und einigen Szenen, die die Grenze zur Schmalzigkeit doch des Öfteren deutlich überschreiten.

Interessant ist die Entwicklung des Kinderstars Dakota Fanning, die mit dieser Rolle beweist, dass sie auch erwachsenes Schauspiel beherrscht. Gekonnt gibt sie das zunächst abweisende, später hilfesuchende Mädchen und scheut sich nicht vor den ganz großen Gefühlen. Auch die anderen Darsteller beweisen ihr Können, vor allem Paddy Considine, der die Rolle des Vaters spielt, ragt mit einer außergewöhnlichen Emotionalität aus dem Cast heraus. Negativ fällt eigentlich nur Jeremy Irvine auf, der seine Rolle leider nicht sehr glaubwürdig verkörpert und in dessen Gesicht sich im Grunde nicht sehr viel abspielt. Einerseits ist das etwas schade, andererseits ist es vielleicht ganz gut, dass dieser Charakter nicht auch noch überemotional ist. Die Atmosphäre ist insgesamt stimmig und passend, hier und da kann man sogar einige schöne Bilder bewundern, die uns Regisseur und Drehbuchautor Ol Parker um die Ohren haut. Vor allem der hübsche, an Juno erinnernde Vorspann ist nett gemacht, aber auch der Tessas Drogentrip im Auto ist eine visuell sehr angenehme Szene. Parker beweist beim Aufbau und der Komposition seiner Bilder Geschmack und Können und setzt auch vermeintlich Unwichtiges gut in Szene. Auch der Soundtrack passt, obwohl man auch musikalisch an einigen Stellen weniger dick hätte auftragen können.

Insgesamt ist „Now is good“ ein stimmiger Film, der besonders Teenager mit einem Hang zur Romantik anspricht. Die diesem Alter Entwachsenen sollten lieber die Finger davon lassen oder das Teenager-Mädchen in sich entdecken, um den Film genießen zu können. Die meisten Figuren sind interessant und facettenreich und vor allem Dakota Fanning gelingt der Sprung vom Kinderstar zu einer wesentlich erwachseneren Rolle. Leider trägt der Film zu dick auf und drückt doch zu plump auf die Tränendrüse. Auch die Bilder sind oft zu schmalzig, eine einzelne Bank auf den Klippen vorm Ozean zum Beispiel, achso, natürlich im Sonnenuntergang, auf der sich die Protagonisten zum Kuscheln und Verträumt-ins-Meer-gucken niedergelassen haben, könnte für den einen oder anderen Zuschauer zu viel sein.