"One Hour Photo" (USA 2002) Kritik – Robin Williams zwischen Sucht und Einsamkeit

„Die wenigsten Leute machen Schnappschüsse von den kleinen Dingen, einem benutzten Heftpflaster, vom Tankwart an der Ecke, der Wespe auf dem Marmeladenbrot. Aber gerade diese Dinge sind es, die das wahre Bild unseres Lebens wiedergeben.“

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Es gibt immer wieder diese Schauspieler, von denen man gewisse Rollen nicht unbedingt erwartet hätte. Einer dieser Schauspieler ist Robin Williams. Den meisten wohl eher im Komödien-Genre ein Begriff. Doch immer wieder zeigte er sein Können im ernsten Bereich, zum Beispiel in ‚König der Fischer‘ oder auch ‚Good Will Hunting‘. Wobei er in beiden Filmen auch den einen oder anderen Lacher gewinnen kann. Anders als in ‚One Hour Photo‘ von 2002. Im Psycho-Thriller von Mark Romanek fährt Williams ganz groß auf, doch das allein macht leider keinen großen Film aus.

‚One Hour Photo‘ spielt deutlich mit den verschieden Farben, die sich genauso in die Gefühlswelt der Charaktere übertragen lässt. Der Supermarkt ist eintönig, alles ist Grau, genau wie Sy selbst. Die Welt der Yorkin’s hingegen ist Farbenfroh, alles ist bunt und voller Liebe. In klaren, fast sterilen Bildern von Jeff Cronenwerth eingefangen. Untermalt wird der Film von Heil und Klimek’s melancholischen wie ruhigen Soundtrack, der dem Film dann noch genau den Ton gibt den er benötigt.

Wie oben bereits erwähnt übernimmt Robin Williams die Rolle des Sy. Das Williams ein toller Schauspieler ist wohl jeden bewusst, dass Williams aber auch vor allem in letzter Zeit bei seiner Rollenwahl viel zu oft danebengegriffen hat, ist auch klar. Die Figur des zurückhaltenden und einsamen Sy’s ist eine Paraderolle für Williams. Einen ähnlichen Charakter hat Williams in Nolan’s ‚Insomnia‘ kurz davor schon mit Bravour verkörpert. Williams bringt seine tragische wie psychisch kranke Figur mit unglaublicher Authentizität und inneren Leere rüber und liefert hier eine seine besten Leistungen ab. Die anderen Schauspieler, fallen nicht mit guten Leistungen auf, aber auch nicht mit schlechten. Die Yorkins, besetzt mit Connie Nielsen als Nina Yorkin, Michael Vartan als Will Yorkin und Dylan Smith als Sohnemann Jake Yorkin.

In ‚One Hour Photo‘ dreht sich alles um die Welt der Bilder. Wie Sy richtig feststellt, machen die Menschen nie Bilder von den traurigen Sachen, Bilder von Dingen die sie vergessen wollen und Bilder die ihnen wehtun. Völlig Verständlich, denn wir wollen die schönen Momente festhalten. Wer ein altes Fotoalbum aus der letzten Ecke des Schrankes rauskramt will nicht an schlimme Dinge erinnert werden, sondern in schönen Erinnerungen schwelgen. Man wird nie hinter die Fassade der Menschen blicken können durch Fotos, egal wie viele Bilder man sich von ihnen anschaut. Das gleiche gilt auch für Sy. Sy ist ein unscheinbarer Mensch, ein Jedermann. Ein Mensch, den wir alle kennen, der immer Freundlich ist und nie auffällt. Doch wie heißt es so schön? „Die Ruhigen sind die schlimmsten“. Das stimmt natürlich nicht immer, doch Sy hat auch seine Geheimnisse. In der Szene in der die Kamera durch Sy’s Wohnung fährt und man die Wand sieht, an der er jedes Familienfoto feinsäuberlich aufgehängt hat, wird mehr als deutlich, mit was für einem abhängigen Menschen wir es zu tun haben. Er will Teil dieser Familie sein, er will überhaupt eine Familie haben denn er ist völlig allein. So wird Sy zu einer Person die trotz, oder gerade wegen ihrer Krankheit dem Zuschauer unglaublich Leid tut. Als Sy das Geheimnis des Vaters entdeckt, sieht er seine Chance ihn aus der Familie zu drängen und seinen Platz einzunehmen. Und ab diesem Punkt verliert die Geschichte das so gewisse etwas. Die fantastische erste Hälfte wird ausgebremst und Romanek sieht sich gezwungen das doch so tolle ruhige Erzähltempo drastisch anzutreiben. Das schadet Williams zwar kein Stück, denn er bleibt durchgehend großartig, aber dem Film ungemein. Das was den Film so interessant und spannend gemacht hat, war die ruhige und krankhafte Geschichte rundum Sy, die dann in einen typischen Thriller umschlägt. Dazu muss Romanek, Sy natürlich noch ein Motiv geben was den Film dann endgültig von einem kleinen Meisterwerk entfernt.

Fazit: ‚One Hour Photo‘ besitzt eine tolle erste Hälfte, der es an nichts fehlt. Doch die zweite Hälfte nimmt dem Film dann die Chance auf einen besonderen Film und wird zu einem herkömmlichen Thriller umgeformt. Unterhaltsam und Sehenswert ist der Film zwar durchgehend, extrem schade ist es trotzdem, denn die grandiose Leistung von Robin Williams und seine interessante Figur hätten ein besseres Ende verdient.

„Der Auslöser klickt, es blitzt, und sie haben die Zeit angehalten. Wenn auch nur für einen klitzekleinen Augenblick. Und wenn diese Bilder nachfolgenden Generationen irgendetwas mitzuteilen haben, dann das: Ich war hier. Mich hat es gegeben. Ich war jung. Ich war glücklich. Und irgendeinem Menschen auf dieser Welt war ich wichtig genug, dass er ein Foto von mir gemacht hat.“

Bewertung: 7/10 Sternen