"Pans Labyrinth" (MX/ES 2006) Kritik – Die träumerische Realität

„Wieso sollte ich Euch belügen? Ich bin doch nur ein armer Pan.“

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Märchenfilme haben einen großen Wert in der Filmwelt. Damit sind nicht nur die Disneyfilme wie ‚Schneewittchen und die sieben Zwerge‘ gemeint, oder auch der tschechisch-slowakische Vertreter ‚Drei Haselnüsse wie Aschenbrödel‘. Es sind auch Filme wie Wolfgang Petersens ‚Die unendliche Geschichte‘, oder Tim Burtons Meisterwerke ‚Edward mit den Scherenhänden‘ und ‚Sleepy Hollow‘. Wobei letzterer sicher nur für Erwachsene geeignet ist. Eines ist aber sicher: Märchen sprechen nach wie vor Jung und Alt an. Guillermo del Toro, der zuvor mit Filmen wie ‚Blade II‘ und ‚Hellboy‘ seinen Ideenreichtum unter Beweis stellen konnte, bei den Stories allerdings nicht überzeugte, nahm sich 2007 mit ‚Pans Labyrinth‘ einem dieser beliebten Fantasy-Märchen für Erwachsene an und inszeniert damit seinen bis dato besten Film, der in sich aber leider etwas zu unstimmig ist.

Ofelia muss mit ihrer hochschwangeren Mutter zu ihrem strengen Stiefvater, einem spanischen Offizier, nach Nordspanien ziehen. Ofelia versucht irgendwie vor diesen schrecklichen Umständen und auch vor ihrem furchtbaren Stiefvater zu fliehen und zieht sich in ihre eigene Fantasiewelt zurück, in der sie auch den Pan kennenlernt. In dieser Welt muss sie schwierige Aufgaben bewältigen und damit ihren Schrecken vor der Realität irgendwie verdrängen…

Schauspielerisch greift del Toro natürlich überwiegend auf spanische Darsteller zurück. Ofelia wird von Ivana Baquero gespielt, die zwar eine annehmbare Leistung bringt, an einigen Stellen allerdings noch etwas zu hölzern agiert. Ariadna Gil verkörpert Ofelias Mutter Carmen und füllt ihre Rollen auch gut aus, aber eine besondere Leistung zeigt auch sie hier nicht. Das klare Highlight ist Sergi Lopez, der den kaltblütigen Hauptmann Vidal absolut hassenswert, widerlich und extrem überzeugend gibt. Mariabel Verdino als Hausmädchen Mercedes ist die Einzige, die Ofelia irgendwie versteht und bringt in ihrer Rolle ebenfalls eine gute Leistung. Doug Jones als Pan und unheimlicher Kinderfresser ist natürlich unter seiner fantastischen Maske versteckt, doch seine Körpersprache ist durchgehend herausragend.

Sechs Oscar Nominierungen gab es 2007, wovon der Film auch drei gewinnen konnte. Die Kamera, das Szenenbild und das Make-Up durften sich über die Auszeichnungen freuen. Die Kameraarbeit von Guillermo Navarro ist großartig und seine opulenten wie wuchtigen Bilder eine wahre Augenfreunde. Genau wie die Kulissen, die nicht nur in der Fantasiewelt toll gestaltet wurden, sondern auch in der gezeigten Realität absolut stimmig sind. Der Oscar nominierte Soundtrack von Javier Navarro zählt zu den schönsten und emotionalsten der jüngeren Filmgeschichte und begleitet den Film grandios.

Guillermo del Toro entführt uns in zwei Welten, die so unterschiedlich und doch so gleich sind. Wir haben die grausame Realität, in der Ofelia unter die mehr als bestimmende Hand des Hauptmanns Vidal gerät. Der versucht nach dem Bürgerkrieg die Rebellen aus den umliegenden Wäldern zu vertreiben und schreckt auch nicht vor den brutalsten Foltermethoden und Morden zurück. Ofelia fühlt sich vom ersten Moment ungewollt. Auf der anderen Seite die Fantasiewelt, in die sich Ofelia immer wieder zurückzieht, um nicht in der Welt der Menschen zu enden. Ofelias eigenerstellte Welt ist dabei sicher kein Wunderland voller Freude und warmer Farben. Ganz im Gegenteil. Ihre Welt ist, wie die Realität, durchzogen von Angst und Schrecken und bewohnt von unheimlichen wie düsteren Wesen. Ob es nun der geheimnisvolle Pan selbst ist, oder der erwähnte Kinderfresser. Dementsprechend sind auch die blutigen Einlagen vertreten, die manchmal wirklich nichts für zarte Gemüter sind und schonungslos festgehalten wurden.

‚Pans Labyrinth‘ überzeugt durch del Toros Kreativität und Facettenreichtum. Er erzählt uns eine Geschichte voller zarter Unschuld, kindlicher Naivität und doch bitterer Wahrheit. Er appelliert dabei an die endlose Kraft der Träume und Fantasie und eröffnet uns allen die Flucht in eine eigene Welt. Sein Film liefert uns dabei auch durchgehend immer genügend neue Interpretationsansätze, die sich vielleicht auch erst beim zweiten Sehen wirklich eröffnen können. Doch auch diese Welt der Fantasie rettet nicht vor der harten Realität und dunklen Wirklichkeit. Allerdings liegt hier auch gleich das Problem von ‚Pans Labyrinth‘. Die einzelnen zwei Teile überzeugen, doch als Ganzes will es einfach nicht munden. Die beiden Stücke wollen sich immer mehr verbinden, doch sie passen nicht richtig. Die Realität nimmt überhand und die eigentlich interessante Fantasiewelt kommt zu kurz. Das Zusammenknüpfen gelingt dem Film so nicht vollends und das Endprodukt ist sicher ein guter Film, doch in sich einfach nicht rund genug.

Fazit: ‚Pans Labyrinth‘ kann mit tollen Kulissen, starker Optik, grandiosem Soundtrack und starken wie kraftvollen Bildern auffahren. Die Handlung zwischen Fantasie und Realität passt nicht richtig zusammen und der Film gerät so ins Wanken. Wer sich einen Fantasyfilm verspricht, der wird enttäuscht, denn die wird ab einem bestimmten Punkt viel zu sehr bei Seite geschoben. Nichtsdestotrotz ist ‚Pans Labyrinth‘ sehr sehenswertes Kino, voller Ängste und Erlösung und nicht im Ansatz für Kinderaugen gedacht.

Bewertung: 7/10 Sternen