"ParaNorman" (USA 2012) Kritik – George A. Romero würde Beifall klatschen

Autor: Sebastian Groß

„It would’ve been a quiet night too, if it hadn’t been for those meddling kids!“

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Animationsfilme sind wahres Kassengold, zumindest wenn sie den Erwartungen des Publikums entsprechen, und das heißt in den meisten Fällen, dass sie süße wie nette Figuren zeigen, lustig sind und für Jung und Alt geeignet sind. Ein Rezept, welches so auch auf Trickfilme angewandt werden kann, doch genau wie beim Trickfilm gibt es auch bei den Werken aus den Hochleistungsrechnern der Studios immer wieder Vertreter, die die an ihnen gestellte Erwartungen nicht erfüllen können oder es gar nicht wollen.

Freak steht auf seinem Spind, am liebsten schaut er Horrorfilme und von Gesellschaft hält Norman nicht viel, dabei ist der elfjährige selten wirklich alleine, denn Norman hat die Gabe die Toten zu sehen und mit ihnen zu reden. Klar, dass ihn da die meisten, seine Familie inklusive, als introvertiert und verrückt abstempeln. Doch als ein alter Fluch über Normans Heimatstadt herzieht, kann nur er ihn aufhalten.

„ParaNorman“ ist so ein Fall, dabei ist er gar kein klassischer Animationsfilm, sondern wurde ähnlich wie „Nightmare before Christmas“ größtenteils via Stop-Motion-Technik hergestellt. Das Ergebnis ist ein eigenwilliger Look, der sich wunderbar abhebt von der maßlosen Perfektion von Pixar- oder Dreamworks-Produktionen. Hier sind die Häuser schief, die Autokarosserien wurden auch nicht mit dem Lineal gemacht und die Körper der Protagonisten erinnern an alte Cartoons oder Knetfiguren. Kurz: hier wirkt alles immer etwas unförmig, aber dies ist kein Makel, sondern ein stilistischer Kniff. Hinter der Formlosigkeit steckt etwas perfektes, nämlich eine hervorragend herausgearbeitete, optische Skurrilität, voller Liebenswürdigkeit und Detailversessenheit. „ParaNorman“ erstrahlt in einem krummen, brüchigen Glanz und erreicht damit eine weitaus höhere Faszination als andere Animationsfilme der letzten Zeit. Vielleicht auch deshalb, weil hier jeder Frame, trotz unterstützender High-Tech-Hilfsmittel, den Flair des Handgemachten inne hat.

Hinter „ParaNorman“ stecken u.a. die Macher von „Coraline“ und wer den gesehen hat weiß, dass er nicht unbedingt für Kinder geeignet ist, zumindest nicht uneingeschränkt. Bei Normans Abenteuer ist es nicht anders. Der morbide Stil wird zwar kindgerecht aufbereitet, doch spätestens wenn die Untoten aus ihren Gräbern steigen wird klar, dass der Film von Sam Fell von Chris Butler nicht zu Unrecht erst ab 12 Jahren freigegeben wurde.“ParaNorman“ bleibt aber selbst bei seinen gruseligen Momenten ein charmantes Ereignis, zum einen weil diese oft eine Hommage an bekannte oder wenige bekannte Klassiker des Horror-Genres sind, zum anderen weil die – zugegeben – wenig kreative Geschichte im Kern eine herrliche, emotionale Botschaft besitzt. Es ist zwar schade, dass die Macher diese gegen Ende ungestüm mit der groben Keule vermitteln, aber ihre Botschaft beinhaltet trotz allem etwas Wahres, etwas Schönes und dass der eigentliche Schrecken nicht von irren Typen, Geistern und Zombies ausgeht, sondern von ganz normalen Erwachsenen, ist so ehrlich wie amüsant. Regie-Legende George A. Romero, der einer der ersten war, der Untote menscheln ließ, wird „ParaNorman“ gewiss mögen.

„ParaNorman“ ist wunderbar verschroben, liebenswert und atmosphärisch aus einem charmant-morbiden Guss. Leider teilt er sich so aber auch das Schicksal von „Coraline“ oder „Corpse Bride“: ein Dasein zwischen Kinder- und Erwachsenenunterhaltung. Für die einen vielleicht doch zu gruselig und komplex, für die andere Seite nicht mehr als DVD-Futter, um die Kleinen einen Nachmittag lang zu unterhalten. In Wahrheit besitzt der Film aber die Qualität beide Lager begeistern zu können. Vielleicht ist „ParaNorman“ sogar der ideale Familienfilm. Die Knirpse brauchen die Großen um sich trotz allem Grusel sicher zu fühlen, die Großen brauchen die Kleinen um die nicht sonderlich originelle Handlung als das zu nehmen was sie ist: Eine Liebeserklärung an die Andersartigkeit und ein Kampfansage gegen die Angst. „ParaNorman“ ist letztlich also doch genau das, was wir Zuschauer von großen Animationsfilmen erwarten, er transportiert es nur anders.