Kritik: Was passiert, wenn’s passiert ist (USA 2012)

„Schwanger zu sein ist scheiße.“

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Das Wunder der Geburt ist eine ziemlich gewöhnliche Sache hinter der sich Erwartungen, Klischees, ein ganzer Industriezweig und eine Millionen Jahrelange Tradition verbergen. Also so ganz wunderlich ist das nun wirklich nicht. Der britische Komödienspezialist Kirk Jones („Lang Lebe Ned Devine!“) hat nun einen Episodenfilm über dieses „Wunder“ gedreht, eine große romantische Komödie mit Starbesetzung.

„Was passiert, wenn’s passiert ist“, das ist die Verfilmung eines erfolgreichen, gleichnamigen Sachbuchs, das praktisch als die Bibel der Schwangerschaft gilt. Die Autorin des Bestsellers, Heidi Murkoff, hat auch am Drehbuch gearbeitet und die Vielfalt der Fortpflanzung in verschiedene Geschichten gegossen, die vom verhängnisvollen One-Night-Stand und der späten Schwangerschaft bis zur Adoption reichen. Alles was man am Rande, aber selten explizit, in den vielen anderen Filmen in den Paare Kinder kriegen schon gesehen hat, kommt hier nun zusammen, die typischen Vaterängste, die Überforderung, die Last der Verantwortung und Existenzprobleme. Das klingt jetzt ziemlich dramatisch, ist es aber nicht. Der Film ist eine Komödie.

Kirk Jones passt sich wie ein Chamäleon dem despektierlichen Genre des „Frauenfilms“ an. Ich mag dieses Wort auch nicht, aber irgendwie passt es zu „Was passiert, wenn’s passiert ist“. Die Zielgruppe wird hier deutlich markiert und Jones schafft es trotzdem daraus einen Film zu machen, der auf vielen Ebenen für Lacher sorgt und auch die männliche Seite nicht außen vor lässt. Vorallem merkt man das an der Daddy-Gang, die aus verschiedenen Vätern besteht, die zusammen abhängen und sich um ihre Babies kümmern. Sie reden über ihre Beziehungen und die Vorfälle, wenn das Kind mal vom Wickeltisch gefallen ist oder eine Zigarette gegessen hat. Das Heiligtum Kind, das höchste Gut, das man stets beschützen sollte, erfährt hier eine realistische Relativierung. Es ist schwer ein guter Vater zu sein. Fehler passieren.

Bei den Frauen spielen sich dennoch die größten Dramen ab. Die interessanteste Geschichte ist die mit Elizabeth Banks, einer Art Alter Ego der Buchautorin. Sie gilt als Schwangerschaftsguru, besitzt einen Laden für Baby-Artikel und hat es nun endlich geschafft, nach zwei Jahren, mit ihrem Mann selbst ein Kind zu zeugen. Sie erlebt aber alles andere als eine Bilderbuch-Schwangerschaft und quält sich mit Hormonschwankungen, Schmerzen und Körperausscheidungen. Ihre eigenen Erlebnisse wirken wie das dunkle Spiegelbild all der sterilen Schwangerschaftsfantasien, wie man sie aus Filmen und Werbespots kennt.

Das beste an Kirk Jones Film ist wirklich, dass er mit vielen Klischees aufräumt, dass er versucht dem ganzen Drama, dass zum einen etwas besonderes, aber auch etwas sehr gewöhnliches ist, einen Reality-Check zu verpassen. Er versucht ehrlich zu sein. Umso schwieriger tut sich der Film mit der Jennifer-Lopez-Episode. Sie ist die einzige, die nicht das Gesicht verliert. Weil sie keine Kinder bekommen kann, will sie ein Kind adoptieren und zwar aus Äthopien. Sofort muss man an die berühmten Adoptionsfälle Madonnas oder Jolies denken. Der Film nutzt diese Geschichte aber nicht um auf diese Diskussion zu verweisen, sondern nur um dem Kitsch und dem Exotismus zu frönen. Äthopien ist hier ein wundervolles Land in dem die ewig lächelnde Bevölkerung nur darauf wartet ihre Kinder an weiße Menschen aus dem Westen abzugeben. Plötzlich kommt wieder ganz deutlich die Zielgruppe in den Sinn, die Industrie und das Hollywood-Ethos.

„Was passiert, wenn’s passiert ist“ ist eben doch nur eine typische Hollywood-Megaseller-Komödie, wo alles bereits in trockenen Tüchern ist. Es gibt sie zwar, die Überraschungen, die guten Gags und Lacher, aber das wurde auch alles mit einer reaktionären Soße mariniert. Es wäre doch zum Beispiel interessant gewesen ein gleichgeschlechtliches Paar dabei zu sehen, wie es ein Kind adoptiert, aber das bleibt wohl Wunschdenken. Was wäre wohl passiert, wenn das passiert wäre? Kann dazu mal jemand ein Buch schreiben?

Bewertung: 5/10 Sternen