"Piranha 3D" (USA 2010) Kritik – Nackte Haut, fiese Fische und jede Menge Spaß

„Beim ersten Biss fließ etwas Blut. Das Blut zieht die Meute an.“

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Der französische Regisseur Alexandre Aja zählt zu denen jungen Hoffnungsträgern der neuen Horrorgeneration. Sein Einstieg ‚High Tension‘ ist zwar streitbar, aber die Atmosphäre stimmte. 2006 zeigte Aja dann was wirklich in ihm steckte und inszenierte mit ‚The Hills Have Eyes‘ nicht nur eines der besten Remake überhaupt, sondern auch einen der stärksten Terror/Horrorfilme der letzten Jahre, wenn nicht sogar der letzten Jahrzehnte. Schnell wusste man, was man von Ajas Filmen erwarten durfte, denn mit Blut und Kompromisslosigkeit hat der Mann in seiner Karriere nie gegeizt. Die Klasse von ‚The Hills Have Eyes‘ konnte Aja mit ‚Mirrors‘ dann leider nicht mehr einhalten und trotzdem stimmten auch hier wieder das Feeling und die Atmosphäre, die sich schön um den Zuschauer klammern konnte. 2010 kam es dann aber zu einem weiteren Highlight im Schaffen von Aja. Er nahm sich wieder einem Remake an, dieses Mal aber freier denn je und drehte mit ‚Piranha 3D‘ seine ganz eigene Neuinterpretation von Joe Dantes ‚Piranhas‘ aus dem Jahr 1978.

Spring-Break steht mal wieder wie jedes Jahr am Lake Victoria an. Tausende Feierwütige kommen zum Tanzen, Trinken, Relaxen und Schwimmen. Doch die Menschen in Partylaune sind nicht die einzigen Gäste dieses Jahr, sondern auch eine Horde von prähistorischen Piranhas wurde durch ein Erdbeben befreit und macht sich auf den Weg zu ihrem Frischfleisch in Badeshorts und Bikinis. Das blutige Partychaos ist angerichtet.

Auf die Schauspieler kommt es hier zwar weniger, aber ganz vergessen darf man sie natürlich nicht. Einige bekannte Gesichter konnte Aja für seinen Film zusammentrommeln, die sichtlich Spaß am Dreh hatten und befreit nach Lust und Laune aufspielen durften. Elisabeth Shue spielt den weiblichen Sheriff Julie Forester, Steve R. McQueen ihren Sohn Jake Forester, der bullige Ving Rhames den Deputy Fallon, Jerry O’Connell den sexgeilen Filmemacher Derrick Jones, Christopher Lloyd ist der Wissenschaftler Henry Goodman, Eli Roth hat damit zu tun, die Shirts von Mädchen nasszumachen, Jessica Szohr spielt Kelly Driscoll und auch Richard Dreyfuss hat gleich zu Anfang einen schönen Auftritt, der es als erstes mit dem Auftauchen der Piranhas zu tun bekommt. Wie gesagt, die Leistungen der Schauspieler zu beurteilten wäre unsinnig, denn darauf kommt es einfach nicht an. Sie passen in ihre Rolle und tragen zur Unterhaltung des Films ihren Teil bei, mehr wurde hier von ihnen auch nicht verlangt.

Nachdem Aja sich als ernstzunehmender Regisseur in der Filmwelt etabliert hatte und sich durch seine klare Sprache einen Namen gemacht hat, kommt es in ‚Pirnaha 3D‘ alles anders. Spring-Break steht mal wieder vor der Tür und damit zieht es auch unzählige Jugendliche in die sommerliche Kleinstadt, die in diesen Tagen keine Grenzen kennen und ihren Alkoholdurst voll ausleben. Die Mädchen reißen sich die Kleider vom Körper, oder bekommen sie auch mal von den notgeilen Zeitgenossen nebenan auszogen, halten ihre Natur gerne mitten ins Bild und geben sich dann dem Alkohol hin, der sie eh schon etwas aus der Bahn geworfen hat. Hier gibt es kein Halten mehr und die Stadt keinen Stillstand. Der Film selbst wird allerdings aus der Sicht des 17-jährigen Jake erzählt, der nur zu gerne mit den nackten Mädels in einem Alkoholrausch verlieren würde, aber leider auf seine kleinen Geschwister aufpassen muss. Das geht natürlich nicht, Jake gibt sich der Versuchung hin und die kleinen Kinderlein geraten in Gefahr. Nicht durch die grölenden Gäste, sondern auch einige fiese Piranhas, die so manche nackte Haut wittern und das Festmahl ihres Lebens vor Augen haben. Es kommt wie es kommen muss, die Partystimmung schlägt um in ein blutrünstiges Massaker und das klare Wasser färbt sich langsam rot. Als Zuschauer beginnt hier jedoch erst so richtig der Spaß.

Wer hier einen ernsten Horrorfilm mit tieferem Sinn erwartet, der erlebt eine der größten Enttäuschungen seines Lebens. ‚Piranha 3D‘ will einfach nur auf niveaulose und bluttriefendste Art und Weise unterhalten und setzt dabei eigentlich nur auf zwei klare Schwerpunkten: literweise Blut und unzählige nackte Frauen. Klingt nach einem typischen Männerfilm? Ist es auch. Aja stellt seinen vorherigen Ruf auf den Kopf, schert sich einen feuchten Dreck um filmische Qualität und inszenierte ein modernes Trash-Blutbad der spaßigsten Sorte. Wer hier stirbt interessiert nicht die Bohne, die Charaktere sind sowieso nur oberflächliche Schablonen aus der Schublade. WIE sie hier in die ewigen Jagdgründe geschickt werden ist die Frage und da bringt Aja richtig Pepp in seinen Film und lässt das Kunstblut nur so spritzen. Wer ‚Piranha 3D‘ wirklich ernst nehmen sollte, der steht ganz alleine da, denn auch der Film selbst nimmt sich zu keiner Sekunde ernst und will dem Zuschauer einfach nur 90 lockere, unbeschwerte und auch sinnlose Minuten schenken, in denen er sich entspannt zurücklehnen kann, den Kopf ausschalten und das Treiben genießen. Aja hat viel Humor, das hat er hiermit bewiesen, und sich auch bei vielen sicherlich beliebt gemacht.

Fazit: Trashiger B-Horror kombiniert mit extrem viel Spaß und nackter Haut. Das ist ‚Piranha 3D‘. Ohne jegliche Scheu oder Kompromisse haut Aja mal so richtig auf den Putz und lässt das Blut und die Körperteile durch die Lüfte fliegen. Das ist niveaulos und unsinnig, für viele sicherlich auch verachtend und abstoßend. Wer jedoch den richtigen Humor für einen solchen Film hat, der erlebt hier ein wahres Fest und einige der unterhaltsamsten Minuten seines Lebens.

Bewertung: 7/10 Sternen