"Piranha 3DD" (USA 2012) Kritik – Die Fische wollen nicht mehr beißen

„Can it happen again? And if so, where?“

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Der Fluch der Fortsetzungen hat die Filmwelt mal wieder eingeholt. Als hätten wir uns nicht schon oft genug mit diesem Grauen beschäftigen müssen, kehrt es alljährlich immer wieder zurück und verdirbt uns so manche Freude an eigentlich ersehnten Nachfolgern. Alexandra Aja konnte mit seinem Überraschungserfolg ‚Pirnaha 3D‘ 2010 die Massen in die Kinos bringen und in tobende Feierlaune versetzten, die am Filmende keine Grenzen mehr kannten und sich ausgelassen der guten Laune hingeben konnten. Natürlich musste eine Fortsetzung des lockeren Remakes gedreht werden, dass das Dreifache seines Budgets in die Kassen spülte, nur um mit der einstigen Erfolgswelle noch einmal mit zu schwimmen und das dicke Geld zu machen. Immer klappt das nicht und das hat zum Glück auch manchmal einen guten Grund. John Gulager, der zuvor die ‚Feast‘-Trilogie drehte und eigentlich nur Genre-Junkies ein Begriff sein dürfte, wurde zum glücklich Auserwählten um den zweiten Teil zu Ajas Knaller zu machen. Gulager tat jedenfalls sein Bestes und fuhr ‚Pirnaha 3DD‘ mit voller Wucht gegen die Wand.

Nach den schrecklichen Vorfällen am Lake Victoria gleicht dieser, genau wie die dazugehörige Kleinstadt einer Geisterstadt. Die Piranhas kennen jedoch noch keine Ruhe und der Schwarm zieht weiter auf der Suche nach leckerem Menschenfleisch. In einem neueröffneten Wasserpark, genannt „The Big Wet“ werden die zähnefletschenden Fische fündig und machen sich über ihre Beute her. Maddy und ihre Freunde, so wie Promi-Bademeister David Hasselhoff stellen sich den Biestern in den Weg und es beginnt erneut ein Kampf auf Leben und Tod.

Im zweiten Teil sind nicht mehr so viele bekannte Gesichter wie im ersten zu sehen, ein paar von ihnen wurden jedoch gerettet. Zum einen Ving Rhames, ohne Beine, der immer wieder von der Vergangenheit eingeholt wird und furchtbare Angst vor dem Wasser hat, aber im Notfall zur Tat schreitet und sich in bester ‚Planet Terror‘-Manier ein Gewehr als Gehhilfe besorgt. Christopher Lloyd als schrulliger Piranha-Experte Mr. Goodman ist auch wieder mit von der Partie. Beide bekommen jedoch nur kurze Einsätze, die eigentlich kaum der Rede wert sind und viel zu verschenkt wirken. Die Hauptrolle Maddy wird von Danielle Panabaker gespielt und bleibt durchgehend absolut uninteressant und oberflächlich, genau wie die anderen neuen Darsteller. Ob es Matt Bush als Barry ist, Chris Zylka als Kyle oder Katrina Bowden als Shelby. David Koechner als Stiefvater Chet ist ebenfalls nur nebensächlich, macht dafür aber einen netten Abgang. Das wahre Highlight und einzig wirklich nennenswerte Pluspunkt des Films ist jedoch David Hasselhoff, der sich hier auf unglaublich selbstironische Art („Fuck, I’m gettin‘ old!“) selber aufs Korn nimmt und die großen und einzigen Lacher für sich buchen kann.

Alexandre Aja legte 2010 mit ‚Piranha 3D‘ richtig los und sprang aus allen Ketten, um sich endlich mal so richtig befreit auszutoben. Spring-Break war der perfekte Dreh- und Angelpunkt um die feierwütige Meute in ihre Einzelteile legen zulassen und ein wahres Splatterfest der Sonderklasse zu bieten und das Zwerchfell immer wieder zum Beben zu bringen. Nach dem offenen Ende war man nicht abgeneigt von einer Fortsetzung, viel benötigte es dazu ja nun mal nicht, denn eine Story brauchte, wie der erste Teil, auch die Fortsetzung sicher nicht. Als dann vermeldet wurde, dass Aja nicht selbst auf dem Regiestuhl platznehmen wird, durfte die Vorfreude schon mal etwas runtergeschraubt werden, denn mit John Gulager nahm sich sozusagen ein Nobody dem Film an. Begrüßt werden wir von ‚Pirnaha 3DD‘, wer den ersten Teil gesehen hat, weiß woran das doppelt D gerichtet ist, von den Bildern der Spring-Break-Katastrophe, die eine ganze Stadt zerstört und zum Stillstand gebracht hat. Nun geht es in ein anderes Kaff in Arizona und zu einem Wasserpark, der kurz vor seiner Eröffnung steht. Als Wasserpark lässt sich The Big Wet jedoch eigentlich nicht bezeichnen, denn hier sind zwei Becken zu sehen und eine Rutsche, aber naja. Die Piranhas tauchen langsam wieder im See der Kleinstadt auf und Maddy macht sich ihre Gedanken wegen der Einweihung des Parks. Zu Recht wie sich rausstellen sollte. Nachdem die bösen Fischlein schon hier und dort ein paar Menschen angeknabbert hatten, schwimmen sie durch die Wasserleitungen und Rohre in die Becken und folgen ihren hungrigen Instinkten. Das klingt ja jetzt schon wie eine aufgewärmte Wiederholung des ersten Teils. Ist es auch, allerdings in jedem Punkt viel, viel, viel schlechter.

Wo ‚Piranha 3D‘ noch das Tempo und richtig viel Spaß zu bieten hatte, trottet ‚Piranha 3DD‘ nur auf der gleichen öden Stelle herum. Nach einem düster-nebeligem Anfang werden wir mit den ersten nackten Brüsten begrüßt, danach schwimmt hier mal ein Piranha, da mal ein Piranha und dann steht eigentlich schon fast das Finale vor der Tür, denn mit gut 70 Minuten ist der Film nicht nur viel zu knapp ausgefallen, sondern wirkt auch völlig unausgearbeitet und lieblos zusammengefuscht. Das „große“ Finale ist jedoch ein Witz, denn eigentlich passiert hier gar nichts. Die Fische knabbern ein wenig, das Blut fließt ein wenig und dann war es das auch schon. Einzig David Hasselhoff legt einen genialen Auftritt hin und nimmt sein Baywatch-Image so herrlich auf die Schippe, dass man ihm beinahe schon applaudieren will. In ‚Piranha 3DD‘ geht es einfach nicht zur Sache, es gibt keine blutigen Höhepunkte wie im ersten Teil, die nackte Haut wird auch nur dann eingeschoben, wenn Regisseur Gulagar die leise Befürchtung hatte, dass der Zuschauer schon schlummernd im Traumland angekommen ist. Manchmal nimmt der Film sich sogar so ernst, dass man sich kopfschüttelnd fragen muss, ob Gulagar überhaupt den nicht vorhandenen Sinn des Vorgängers verstanden hatte und setzt dann auf der anderen Seite auf pubertierenden Humor der peinlichen Sorte, der nur den verklemmten 12-jährigen ein Schmunzeln entlocken dürfte. Nein, das hier war schlecht und zwar richtig schlecht. Vorhersehbar, ohne jegliche Spannung und vollkommen dämlich wird uns hier kostbare Lebenszeit geraubt. Es hätte spaßig werden können, es wurde zum zusammengeklauten Schund.

Fazit: ‚Pirnaha 3DD‘ ist wieder eine dieser vollkommen unnötigen und grottenschlechten Fortsetzungen, die dem Erfolg des Vorgängers einfach nur hinterhereifern wollen, aber kläglich in allen Punkten scheitern. Das einzige wirkliche Highlight ist der geniale Auftritt von David Hasselhoff als arroganter Bademeister, der seine alten Tage nochmal so richtig aufleben lässt und die großen Lacher einstecken darf. Mehr bleibt am Ende nicht. Miese Effekte, furchtbare Schauspieler, billiger und spärlicher Splatter und dummer Humor. Muss man nicht sehen und wenn, dann nur wegen Hasselhoff.

Bewertung: 2/10 Sternen