"Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt" (USA 2007) Kritik – Hier darf jeder mal Captain sein

„Ich würde sagen, wir gehen dort an Land, füllen unserer Vorräte auf und hinterher können wir uns wieder alle gegenseitig erschießen.“

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2003 gelang dem tschechisch stämmigen Regisseur Gore Verbinski etwas, an dem sich viele Regisseure die Zähne ausgebissen haben/ hätten und zum Scheitern verdammt gewesen wären. Er belebte das Piraten-Genre in seiner ganzen Pracht wieder und ließ den Mythos in vollen Zügen endlich wieder aufatmen. „Fluch der Karibik“ avancierte zum Kinohit und konnte das Geld unhaltbar in die Kassen spülen, verdient, muss man an dieser Stelle sagen. Was durfte also bei einem derartigen Kassenknüller nicht fehlen? Eine Fortsetzung, richtig. Die kam dann auch ganze drei Jahre später in die Kinos, ebenfalls ein riesiger Erfolg, doch die Qualität des Erstlings konnte nicht mehr gehalten werden, das alte Lied der Fortsetzungen darf wieder erklingen. Doch ein Qualitätsfall hält die Studios natürlich nicht davon ab, eine Reihe weiter auszuschlachten, denn wenn das Geld stimmt, ist alles andere vollkommen egal. Also durfte dieses Mal nur ein Jahr vergehen und der dritte Teil der Piraten-Saga trudelte in den Kinos ein. Der Verlauf bestätigte sich allerdings weiter, denn „Pirates of the Carribean – Am Ende der Welt“ ist der schlechteste Teil der bis dahin erschienenen Reihe.

Jack ist augenscheinlich gestorben, doch ein Ende ist natürlich noch nicht in Sicht, denn es besteht eine Chance, den exzentrischen Captain aus dem Reich der Toten zu befreien, doch dafür müssen Will Turner, Elizabeth Swann und Hector Barbossa sich an das Ende der Welt begeben, um Jack aus der Unterwelt zu befreien. Doch einfach wird dieses Vorhaben nicht, denn sie brauchen eine Karte, die ihnen den Weg in das Reich weist und die Reise führt sie nach Singapur, wo sie auf den Piraten Sao Feng treffen, von dem sie auch ein Schiff und Crew verlangen, um die Reise auch wirklich antreten und fortsetzen zu können. Nach langem hin und her geht es auch los. Jedoch ist die Rettung des toten Jack nicht das einzige Problem. Da wäre auch noch Davy Jones, dessen Herz im Besitz von Cutler Beckett und der East India Trading Company ist und die Flying Dutchman eben unter der Kontrolle dieser ist. Es muss zu einem Piratenrat kommen, bei dem auch Jack anwesend sein muss, denn Beckett und seine Männer müssen gestoppt werden. Eine entscheidende Schlacht bahnt sich an…

Wo in „Fluch der Karibik“ noch auf erkennbare Handarbeit gesetzt wurde und nicht auf überschwängliche Effekte gepocht, machte „Fluch der Karibik 2“ schon den Schritt ins klare Bombastkino, welches mit seinen Effekten deutlich protzen wollte. In 2Pirates of the Carribean – Am Ende der Welt2 wird da noch eine Schippe draufgesetzt und die visuellen Effekte von Industrial Light & Magic kennen mit zunehmender Laufzeit keine Grenzen mehr, was natürlich die Authentizität aus dem Geschehen zieht und sich viel zu oft auf seinen Effektedonner stützt, wobei man auch sagen muss, das diese natürlich wunderbar aussehen, doch bei einem Budget von geschätzten 350 Millionen Dollar, darf man das erwarten. Für die Kameraführung war auch mal wieder Dariusz Wolski verantwortlich und Wolski, das weiß man inzwischen, versteht seine Arbeit und belegt die Aufnahmen mit einer Düsternis, die man aus den vorherigen Filmen nicht gewohnt war. In Sachen Optik und visuelle Brillanz gibt es hier natürlich keine zwei Meinungen. Dann wäre da Hans Zimmer als Komponist, der dem tollen Score von Klaus Bandelt hinterherrennt und das wunderbare Theme in den Hintergrund drängt.

Die alten Gesichter der Vorgänger sind auch wieder dabei. Johnny Depp gibt wieder Captain Jack Sparrow, zwar nicht mehr mit der frischen Genialität des ersten Teils, aber immer noch als klares Highlight. Orlando Bloom bekommt deutlich weniger Zeit und wird als Will Turner immer wieder an den Rand gedrängt. Keira Knightley darf mit ihrer Darstellung so manches Mal auf die Nerven gehen und gerade als Piratenkönigin immer wieder über das Ziel hinausschießen. Die anderen Darsteller sind in ihren Nebenrollen dafür allesamt stark, ob Tom Hollander als Lord Cutler Beckett, Geoffrey Rush als Captain Barbossa, Bill Nighy als Davy Jones, Stellan Skarsgard als Stiefelriemen Bill, oder auch Rolling Stone Keith Richards als Teague Sparrow. Die Interpretationen der Figuren kennen wir inzwischen, etwas Neues gibt es kaum und die Lockerheit ist nicht mehr in dem Ausmaß wie 2003, oder auch im Nachfolger, vorhanden. Über den Auftritt von Chow Yun Fat braucht man allerdings keine weiteren Worte verlieren, denn der wurde in seiner eindimensionalen Rolle verschenkt.

Das große Problem vom dritten Teil des Piraten-Spektakels ist seine erdrückende Bepacktheit. Verbinski wirft immer wieder neue Handlungsstränge in den Film, folgt nebensächlichen Fäden, schmeißt weitere Charaktere ins Geschehen und findet einfach keine Zeit, das überlastete Allerlei gekonnt zu komplettieren und verbinden. Will hat nur seinen Vater im Kopf, will aber eigentlich auch Jack retten und dazu noch Elizabeth heiraten, während er sich zwischendurch auch mal Captain nennen darf. Jack ist erst tot, dann lebt er wieder, dann ist jeder ein Verräter und selbst Elizabeth wird zum Captain erkoren. Es geht andauernd hin und her, ohne ein Ziel vor Augen zu haben und die Geschichte selbst, die nicht frei von Logikpatzern ist, zieht sich in ihrer löchrigen Langatmigkeit ungemein. Es gibt immer reichlich Durchhänger, Dialoge werden unnötige ausgereizt und eine richtige Bedeutung scheint das lückenhafte Ganze nicht zu haben. Was man jedoch lobend erwähnen muss ist, dass Verbinski sich getraut hat, surreale Elemente in seine Inszenierung zu mischen, die grandios in die düstere Grundstimmung passen und so manches Mal wirklich eine schöne Stimmung aufkommen lassen können, genau wie die Morricone/Western-Hommage, wenn auch viel zu selten. Bereichert wird das Geschehen dann noch mit einem Effektedonnerwetter, dem der Charme verloren gegangen ist und die innovationslose Zähheit wie Dreck an den Schuhen klebt.

Fazit: Das was einst den wunderbaren ersten Teil der Piraten-Abenteuer ausgemacht hat, geht im dritten Teil fast gänzlich verloren. Die Charaktere sind nicht mehr so interessant und bewegen sich ab und an auch schon im nervenden Bereich, die Story ist viel zu lang und verliert sich immer wieder aus den Augen und Verbinskis Inszenierung ist viel zu sehr auf episch getrimmt, erreicht diesen Grat allerdings nur in den besten Momenten im Ansatz. Dafür gibt es protzende Effekte, eine tolle Optik, schöne surreale Einschübe, wie auch eine feine Hommage, einen, wie immer, wunderbaren Johnny Depp und ein konfuses Drehbuch, welches den Charme und die Magie streckenweise vollkommen zerstört.

Bewertung: 4/10 Sternen