"Prakti.com" (USA 2013) Kritik – Generation Werbepublikum

Autor: Jan Görner

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„Was Sie brauchen ist Googliness.“

Im Abspann zu Shawn Levys Komödie „Prakti.com“ versichern die Produzenten, keinerlei finanzielle Zuwendungen von der Tabakindustrie erhalten zu haben. Und tatsächlich: Als Raucher wird wohl niemand den Kinosaal verlassen. Dafür ist das ca. 60-Millionen-Dollar-Projekt in weiten Teilen nichts weiter als ein abendfüllender Werbefilm für die Internetsuchmaschine Google. Noch unglaublicher ist die Tatsache, dass dafür offenbar kein einziger Cent geflossen sein soll. Synergie, die populäre Wirtschafstheorie von der Potenzierung der Marktmacht, lautet das Zauberwort, denn was für Google gut ist, kann für ein Filmstudio nicht schlecht sein. „Prakti.com“ ist ein Sinnbild für alles, was derzeit in Hollywood falsch läuft.

Als Außendienstler sind Billy McMahon (Vince Vaughn) und Nick Campbell (Owen Wilson) einsame Spitze. Doch alles Vertretergenie nutzt ihnen nichts als ihr Arbeitgeber bankrottgeht und die beiden auf einmal auf der Straße stehen. Ohne Qualitäten, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt wären sehen die Mittvierziger einer düsteren Zukunft entgegen, bis Billy per Zufall auf das Praktikumsprogramm bei Google stößt. Obwohl es den beiden an grundlegenden Computerkenntnissen mangelt, entschließt sich Manager Chetty (Aasif Mandvi) den analogen Dinosauriern eine Chance zu geben. Gemeinsam mit einer Handvoll weiterer Sonderlinge (u.a. Josh Brener, Tiya Sircar, Dylan O’Brien) bilden Billy und Nick ein Team, das sich den Sommer über mit anderen Praktikanten messen muss. Nur wer am Ende die meisten Challenges besteht und die richtige Portion „Googliness“ beweist, kann am Ende einen Job bei (Zitat!) „Amerikas bestem Arbeitgeber“ ergattern.

Produktplatzierungen sind in Hollywood schon lange Alltag geworden, man erinnere sich an die amerikanische Restaurantkette IHOP, welcher in Zack Snyders „Man of Steel“ sogar eine plotrelevante Rolle zukommt. Zwar ließ Google dem Vernehmen nach in der Tat kein Geld springen, um in „Prakti.com“ in ein gutes Licht gerückt zu werden, aber dennoch unterstützte der in San Francisco ansässige Internetgigant das Projekt nach Kräften. Zum Beispiel als man den gesamten Google-Komplex in Atlanta als multimediales Wunderland nachbauen ließ. Stellvertretend für die Einflussnahme des Unternehmens steht dabei eine Szene, in der die Protagonisten, gerade frisch auf dem Google-Campus angekommen, ein futuristisches Fahrzeug bestaunen, das ohne Fahrer unterwegs ist. Ursprünglich sollte das Gefährt einen Unfall bauen, ein kleiner Seitenhieb auf die nicht immer marktreifen Innovationen des Branchenführers. Da Google aber gerade versucht in der Automobilbranche Fuß zu fassen, bat die Konzernführung darum, die Szene umzuschreiben. Ein Wunsch, dem die Drehbuchautoren Vince Vaughn und Jared Stern offenbar eilfertig nachkamen und so bleibt statt einer Pointe nur andächtige Liebesdienerei ob der unantastbaren Innovationskraft des Online-Riesen. Die Zuschauer werden zum Werbepublikum.

Zumindest in den beiden Hauptdarstellern Owen Wilson und Vince Vaughn ist das Budget gut angelegt. Zu dumm nur, dass die beiden die Hauptattraktion einer vorwiegend faden 08/15-College-Komödie für Erwachsene sind, die alle Stationen eines Standardscrips für dieses Genre abfährt. Dass dabei doch ein paar sehr brauchbare Lacher herausspringen, kann der Chemie des erstmals seit „Die Hochzeits-Crasher“ wiedervereinten Comedy-Duos angerechnet werden. Wilsons Südstaaten-Charme und Vaughns ansteckende Dynamik ergänzen sich effektiv. Der Rest des Casts bleibt hingegen ein bisschen auf der Strecke. Die bezaubernde Rose Byrne („The Place Beyond the Pines“) beispielsweise ist in ihrer Rolle als von Männern enttäuschte Karrierefrau leider verschenkt, ihre Romanze mit Wilsons Charakter entsprechend uninspiriert. Auch Nachwuchsstar Max Minghella („The Social Network“) erfüllt in seiner Rolle als blasierter britischer Widerling lediglich das Klischee eines typischen 80er-Jahre-Comedy-Bösewichts.

So vorhersehbar wie die Charakterzeichnung ist auch der Plot insgesamt. Angeordnet um die größeren Sequenzen der Wettbewerbe zwischen den Praktikantenteams, bietet das Drehbuch immer wieder Raum zur Improvisation, was den Talenten Vaughns und Wilsons durchaus entgegenkommt. Ansonsten hangelt sich „Prakti.com“ von einem Script-Klischee zum nächsten ohne seine Zuschauer mit Originalität zu behelligen.

Fazit: „Prakti.com“ ist Hollywood-Dutzendware. Einerseits handelt es sich um eine mitunter charmante Komödie mit Wohlfühlcharakter, dies ist besonders den liebenswerten Hauptcharakteren zu verdanken. Andererseits ist der Streifen wohl der bislang aussagekräftigste Beweis für Hollywoods zynisches Geschäftsgebaren. Wer das ausblenden kann, mag seinen Spaß haben. Ich konnte es nicht.