"Predators" (USA 2010) Kritik – Nun jagen sie im Rudel

„Ganz plötzlich war da ein Licht und dann…bin ich gefallen.“

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Neben H.R. Gigers Oscar prämierten Alien, welches in Ridley Scotts legendärem Klassiker „Alien“ 1979 seinen ersten Auftritt hatte, regiert noch ein ganz anderes Weltraummonster die Filmwelt. Lange nachdenken muss man natürlich nicht, bis man die klare Antwort auf die Nummer 2 hat: es kann sich nur um den Predator handeln. Der perfekte Jäger, ausgestattet mit allerhand übermächtiger Waffen und dem Können, sich unsichtbar zu machen. Im Jahre 1987 hatte der Predator im gleichnamigen Film seinen ersten Auftritt und Arnold Schwarzenegger konnte die schweren Geschütze auffahren. 3 Jahre später kehrte der eiskalte Jäger zurück auf die Leinwände, dieses Mal jedoch raus aus dem Dschungel und direkt in die Großstadt, allerdings ohne Arnold Schwarzenegger, denn der hatte keine Lust mehr, sondern mit Danny Glover, der sich dem Monster stellte. Danach hatten wir ganze 14 Jahre Ruhe, bis sich Regieschreck Paul W.S. Anderson mit „Alien vs. Predator“ zurückmeldete und die eigentlich tolle Idee mit ordentlichem Schwung vor die Wand des Grauens schmettern ließ, ganz zu schweigen von der unsäglichen Fortsetzung 2007, die sich ebenfalls als unterirdische Katastrophe entpuppte. Der Predator wurde ausgeschlachtet und zum Affen gemacht und das Interesse verschwand in Windeseile. 2010 meldeten sich Robert Rodriquez und der Ungar Nimród Antal jedoch zu Wort und im Gepäck hatten sie „Predators“.

Ohne jegliche Anhaltspunkte findet sich der US-Army Soldat Royce im freien Fall wieder, unter ihm ein dichter Dschungel und wie durch Geisterhand öffnet sich sein Fallschirm rechtzeitig, der ihm vor dem tödlichen Aufprall bewahrt. Auf dem Boden angekommen und nach den Versuchen, die erste Orientierung zu gewinnen, stellt er langsam fest, dass er nicht allein in dem Dschungel ist, denn neben ihm sind noch ganz andere Elite-Soldaten vertreten. Da wäre die israelische IDF-Scharfschützin Isabelle, der RUF-Rebell Mombasa, ein verurteilter Schwerverbrecher, ein Yakuza-Mitglied, ein mexikanischer Auftragskiller namens Cuchillo und der Mediziner Edwin. Zusammen versuchen sie irgendwie den Grund zu finden, wieso sie sich in diesem Dschungel befinden, der sich als Planet rausstellen wird, in dem sie Freiwild für eine ganz bestimmte Jägerrasse sind: von den Predators. Die Truppe mit den verschiedensten Fähigkeiten muss um ihr Leben kämpfen und den Sinn des Ganzen finden, doch je tiefer sie in den Dschungel vordringen, desto verstrickter wird die Lage und es werden noch ganz andere schwerwiegende Geheimnisse aufgedeckt…

Man könnte es natürlich als Plagiat auslegen, dass „Predators“ genau wie der erste Teil 1987 wieder im Dschungel spielt, doch welche Umgebung könnte passender sein, als die grüne Undurchdringlichkeit, die schon eine Gefahr für sich darstellt und dazu noch belagert von Weltraummonstern ist. Gefährlicher geht es einfach nicht und dieser Schritt war dementsprechend mit Sicherheit kein falscher. Für die tollen Aufnahme der mächtigen Bäume und der wunderbar exotistischen Pflanzen war Gyula Pados verantwortlich, der immer nah am Geschehen ist und sich nicht von modernen Spielereien ablenken lässt. John Debneys Score ließe sich auch wieder als Genretypisch bezeichnen, feuert das Szenario aber immer wieder an, ohne mit unnötigem Getöse auf die Nerven zu gehen. Interessant hingegen lässt sich die Besetzung des Films bezeichnen. Ausgerechnet Charaktermime Adrien Brody spielt den schlanken Anführer Royce der harten Truppe und als Zuschauer ist man nun hin und hergerissen. Brody ist zwar kein schlechter Schauspieler, hier auch nicht, doch als Actionstar will er einfach nicht recht munden, gerade wenn man einen Schrank wie Schwarzenegger im Hinterkopf hat. Dann hätten wir da noch Topher Grace als Edwin, Alice Braga als Isabelle, Walton Goggins als Stans, Oleg Taktarov als Stans, Laurence Fishburne als Noland und der fantastische Danny Trejo als Cuchillo. Ein bunter wie kerniger Cast, bei dem jeder seine Szenen bekommt, aber natürlich nicht mit großen Schauspiel glänzen kann, dafür sind ihre Rollen zu begrenzt. Am schlimmsten von ihnen hat es jedoch Fishburne getroffen, denn der verkörpert einen völlig unnötigen wie lachhaften Charakter.

Endlich bekommt es der Predator nicht mehr mit dem Alien zutun und darf sich in seinem Lieblingsterrier, dem Dschungel, erneut austoben. Die grüne Hölle wird in „Predators“ wieder der mehr als passende Drehort und weiß das richtige Feeling aus Spannung und großen Schauwert zu erzeugen. Wenn man sich nun die Frage stellt, wie „Predators“ in das Franchise passt, dann könnte man den Film als Wiederbelebung des ersten Teils mit Erneuerungen bezeichnen, die sich zum Beispiel an den Hunden der Predators zeigen, auch wenn diese tragischerweise nur in einer Szene zum Einsatz kommen. Die meiste Zeit geht es im Film um die unklare Lage, die sich durch die Reibereien in der Gruppe immer wieder auflädt und dann im Kampf gegen die eiskalten Jäger explodiert. Spannung ist durchaus vorhanden, doch das große Problem von „Predators“ ist die Tatsache, dass Antal seinem Film zu viel Räume lässt und so Lücken entstehen, die immer wieder unnötigen Längen entstehen lassen, dazu sind auch die Predators viel zu selten eingesetzt worden. Die Charaktere sind eben schwerbewaffnete Spezialisten aus verschiedensten Ecken, die vor allem damit zu tun haben, ihre dicken Ballermänner möglich cool in die Kamera zu halten, was den Nachteil mit sich bringt, dass alles nicht die lockere Coolness eines Schwarzeneggers besitzt, sondern immer wieder aufgesetzt wirkt, auch wenn die Action den schönen Old School-Stempel trägt und ohne übereifrige CGI-Effekte auskommt. Die Gruppe verkleinert sich Genretypisch immer weiter, bis es zum großen Finale kommt, welches fast als 1 zu 1-Kopie mit McTiernans Klassiker verstanden werden kann und dazu noch von einem furchtbar dummen Twist unterstrichen wird, der den eh schon schwankenden Eindruck endgültig unter das Mittelmaß drückt.

Fazit: „Predators“ ist zwar nicht das große Highlight wie der 80er Jahre-Actioner, dafür aber Lichtjahre besser als die grausigen „Alien vs. Predator“-Filme. Das soll an dieser Stelle aber nicht bedeuten, dass „Predators“ ein guter Film ist, denn davon ist auch er weit entfernt. Die Action lässt sich gut ansehen, doch die Durchhänger wiegen zu schwer, genau wie der unnötige Charakter von Fishburne und der dämliche Twist am Ende des Films. Man darf gerne behaupten, wenn Rodriquez selber die Regie übernommen hätte, dann würde Predators auch positiver aussehen und ebenfalls mehr Zündstoff gehabt haben. So bleibt ein mäßiger Streifen, der zwar mal wieder die Predators in fieser Form zeigt, aber mit großen Schwächen kämpfen muss, die Regisseur Antal nicht besiegen kann.

Bewertung: 4/10 Sternen