"Project X" (USA 2012) Kritik – Fragwürdiger Unfug

Autoren: Philippe Paturel

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„Wow. I don’t know how to fix this. I don’t know how to fix any of this shit. I’m sorry Thomas. I just wanted to get some pussy.“

Thomas hat Geburtstag und da seine Eltern über das Wochenende in Urlaub fahren, entscheidet er sich dazu, mit Hilfe seiner Freunde Costa und J.B. eine fette Party zu schmeißen. Sie möchten in der Schule beliebt werden und bei den Mädels gut ankommen. Kurzerhand machen sie überall Werbung für den kommenden Abend, nichtsahnend, dass später hunderte von Jugendlichen auftauchen, welche die Feier in ein Chaos stürzen.

Ist es wirklich so cool, was uns der Film vermitteln möchte: Auf eine Party zu gehen und die Sau raus zu lassen, egal um welchen Preis? „Project X“ wird sicherlich seine Fans finden, generell sollte man von dem Machwerk aber auf jeden Fall abraten. Frauen werden als Lustobjekte dargestellt, Nachbarn von den kleinen Kiddies zusammengeschlagen, nur weil sie gerne ihre Ruhe hätten und zu allem Überfluss wird dieses Macho-Gehabe auch noch heroisiert. Klar, es soll ja der ultimative Partyfilm sein. Man kann aber auch den ultimativen Porno drehen, der, abgesehen vielleicht von dem gelungenen Found-Footage-Stil, nichts außergewöhnlich Spannendes zu bieten hat.

Was macht eine schlechte Komödie aus? Auch das lässt sich anhand von „Project X“ leicht beantworten. Es scheint wohl für manche immer noch lustig zu sein, mit Tieren seine Späßchen zu treiben. Es scheint immer noch cool zu sein, jemanden kurze Zeit als Tod darzustellen, um ihn im nächsten Moment zu feiern, wie meisterlich er einen Sprung vom Dach überlebt hat. Und bei Witzen über Gnomen hätte man sich wohl auch lieber „Brügge sehen… und sterben“ als Vorbild nehmen soll, denn einen Gnom in einen Ofen zu sperren ist schon lange nicht mehr amüsant, sondern einfach nur peinlich und einfallslos.

„Project X“ ist im Grunde genommen nichts anderes als ein 88-minütiges Youtube-Video eines Freaks, der sich viel zu wichtig nimmt, nur dass man bei demjenigen vielleicht noch lachen kann, wohingegen die lauthals versprochenen What-the-fuck-Momente in Nima Nourizadehs Regiedebüt ausbleiben. Die Dialoge sind ein Graus und die Musik könnte nicht schlechter gewählt sein, so dass sogar der nervige „American Pie“-Song seine Verwendung findet. Ansonsten hat der Film bis auf möchte-gern provokante oder unrealistische Szenen (Kinder als Security, come on?) rein gar nichts zu bieten. Hatten die überhaupt so etwas wie ein Drehbuch zur Hand?

Es gibt sicherlich Schlimmeres als „Project X“, denn zumindest Tempo besitzt der Film, das muss man ihm lassen. Auch sind die Protagonisten viel besser gecastet als in vielen anderen Highschool-Komödien. Viel mehr Positives kann man dem Film allerdings nicht abgewinnen. Neben der Heroisierung der Taten und seiner amoralischen Botschaft, dass man eine solche Party schmeißen muss, um vom Vater und der Freundin akzeptiert zu werden, bleibt auch nicht viel, über das man berichten könnte. Es ist eben ein Nerd-Video in Spielfilmlänge, welches sich zwar zu keinem Moment zu ernst nimmt, aber aufgrund der Zielgruppe, die der Film anspricht, als fragwürdig einzustufen ist. Jugendliche, die Autos in Pools fahren, bereits mit Drogenhändlern in Kontakt sind und trotz ihrer Dummheit als Helden gefeiert werden. Wie viele Kinder und Jugendliche diese sogenannten „Späße“ künftig nachahmen werden, interessiert mich auch nicht, denn es ist schon schlimm genug zu wissen, dass sie es tun werden.