"Die Qual der Wahl" (USA 2012) Kritik – Wahlkampf mit harten Bandagen

„Because Filipino Tilt-a-Whirl operators are this nation’s backbone!“

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Es wird wieder gewählt in den USA und wie immer veranstalten die Kandidaten ein Spektakel sondergleichen, um die Stimmen der Wähler für sich zu gewinnen. Wohl in keinem anderen Land der Welt wird aus einer politischen Wahl so ein überdimensioniertes Spektakel gemacht, wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auf Mitgliederversammlungen werden prominente Unterstützer aus der Musik- und Filmszene als Redner geladen, angesagte Bands rocken die Wahlveranstaltungen und tonnenweise Feuerwerkskörper werden in die Luft gejagt. Ebenso spektakulär wie der Wahlkampf sind auch die Versprechen, die die Politiker im Falle ihrer Wahl erfüllen wollen. Den Vogel in diesem Wahljahr hat wohl der republikanische Kandidat Newt Gingrich abgeschossen, der erklärte, dass er im Falle eines Wahlsieges plane, bis 2020 eine Basis auf dem Mond errichten zu lassen. Allein solche Aussagen sind doch schon reine Realsatire und bieten genügend Stoff für eine gelungene Komödie. Umso bedauerlicher ist es da, dass die neue Polit-Komödie „Die Qual der Wahl“ von Jay Roach („Austin Powers“) solche Steilvorlagen größtenteils unbeachtet lässt und stattdessen eher auf Zoten und Klamauk zurückgreift, um das Publikum bei Laune zu halten. So wird aus einem Gipfeltreffen der Comedy-Schwergewichte Will Ferrell („Die etwas anderen Cops“) und Zach Galifianakis („Hangover“) statt einer bissigen Polit-Satire leider nicht mehr als eine laue Sketch-Parade.

Der Abgeordnete Cam Brady (Will Ferrell) ist North Carolinas bester Mann. Trotz unzähliger Patzer und peinlicher Pannen gewinnt Brady die Wahlen immer haushoch, denn Cam Brady ist der einzige Kandidat in seinem Wahlkreis. Doch das wollen die beiden Motch-Brüder (Dan Aykroyd & John Lithgow) jetzt ändern. Diese schwerreichen Industrie-Giganten planen, einen Teil North Carolinas an China zu verkaufen und so kräftig bei den Produktions- und den Importkosten zu sparen. Zu diesem Zweck finanzieren sie den Wahlkampf des bisher unbekannten Politikers Marty Huggins (Zach Galifianakis), der sich unwissend der Ziele seiner Geldgeber von nun an ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem politischen Widersacher leistet…

„Die Qual der Wahl“ funktioniert immer dann am besten, wenn im Film das aktuelle Polit-Geschehen in den USA karikiert wird. So erinnert Kandidat Marty Huggins flotter Slogan „It’s a mess“ nicht von ungefähr an den eingängigen Baumeister-Bob Spruch „Yes, we can“, mit dem Obama im Wahlkampfjahr 2008 die Massen für sich einnahm. Herrlich abgedreht sind natürlich auch die Wahlkampf-Videos, die eindeutig zu den Highlights des Filmes gehören und dabei den Werbespots der realen Vorbilder in nichts nachstehen. Denn populistische Reden, Verleumdungen und übertriebenes Pathos gehören ja nicht nur in „Die Qual der Wahl“ zum guten Ton im Wahlkampf. Schließlich beginnt der Film ja nicht umsonst mit dem legendären Ross Perot-Zitat: „Im Krieg gibt es Regeln, im Schlammcatchen gibt es Regeln – in der Politik gibt es keine Regeln.“ Wenn Jay Roach seine Kandidaten dann auch noch zu von Industriemoguln gelenkten Marionetten degradiert, möchte man am liebsten gar nicht wissen, wie nahe er der Wahrheit damit kommt.

Leider bilden solche bitterbösen Seitenhiebe gegen das amerikanische Polit-System eher die Ausnahme, denn zumeist beschränkt sich „Die Qual der Wahl“ auf harmlosen Klamauk und niveaulose Zoten. Doch inmitten der halbgaren Gags haben sich auch einige echte Brüller versteckt, so zum Beispiel Will Ferrells wuchtige Baby-Punch-Einlage inklusive beeindruckender Super-Zeitlupe. Leider nimmt die Gagdichte mit zunehmender Spielzeit immer mehr ab und so plätschert der Film im letzten Drittel dem alles entscheidendem Wahltag entgegen. Wenn wenigstens das große Finale noch einmal kräftig an Fahrt aufnehmen würde, könnte man über vorangegangene Schwächen vielleicht hinwegsehen, doch stattdessen bekommt man ein Weichspüler-Ende geboten, das so gar nicht zu der Grundstimmung des restlichen Films passen will. Denn wenn der richtige Politiker siegt und die profitgierigen Großkapitalisten ihre gerechte Strafe bekommen, hat das mit der Realität rein gar nichts mehr zu tun.

Fazit: Schade, das war nichts! Da können sich Will Ferrell und Zach Galifianakis noch so ins Zeug legen, doch ein ideenloses Drehbuch können selbst diese beiden Comedy-Größen nicht aufwiegen. Mit etwas mehr politischem Biss und weniger Klamauk hatte aus „Die Qual der Wahl“ ein richtig guter Film werden können. So allerdings geht diese Komödie im diesjährigen Comedy-Einerlei gnadenlos unter.

Bewertung: 5/10 Sternen