"R.I.P.D. – Rest in Peace Departement" (USA 2013) Kritik – Men in Black Reloaded

Autor: Pascal Reis

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„Welcome to the afterlife.“

Der Comic-Fan hat es noch nie wirklich einfach gehabt, wenn er sich in das Kino bewegt hat und seine großen Helden über die Leinwand fegen sah. Irgendetwas gibt es immer zu bemängeln, irgendeinen Kritikpunkt kann man an dem filmischen Endprodukt nahezu ausnahmslos äußern und die Enttäuschung ist, ähnlich als hätten wir es mit einer Literaturverfilmung zu tun, vorprogrammiert. Allerdings muss man dabei immer wieder die künstlerische wie intentionale Ausrichtung mit der nötigen Fairness abwägen, die sich zwischen einer Graphic Novel und ihrer Adaption aufrichten. Wir haben es dabei mit divergenten Unterhaltungsmedien zu tun, und für eine große Produktionsfirma ist es oft ein Ding der Unmöglichkeit, die Radikalität und stilistische Überspanntheit der fixierten Comicgrundlage in vorlagengetreuem Fasson in die Lichtspielhäuser zu bringen. Die Geschichten über die omnipotenten und in Selbstzweifel gefangenen Superhelden gehören hauptsächlich der Gattung Blockbuster an und wollen ein breitgefächertes Publikum ansprechen wie locken, um das gigantische Budget eben auch wieder einzuspielen zu können.

Nachdem sich der junge Bostoner Polizist Nick Walter gerade ein weiteres Fleißsternchen verdienen wollte, indem er einen gesuchten Verbrecher zur Strecke bringt, findet er sich auch schon wenige Sekunde später in einer Zwischenwelt wieder. Nick wurde nämlich bei diesem Einsatz getötet und das auch noch ausgerechnet vonn seinem jahrelangen Partner Bobby Hayes. In dieser Zwischenwelt trifft sitzt ihm Procter gegenüber, die ihm seinen Zustand mitteilt und ihm die kundtut, dass das strenggeheime Rest in Peace Department Interesse an seinen Kompetenzen hat. Nick stimmt natürlich ein und ist nun ein Officer des R.I.P.D., die sich es zur Berufung gemacht haben, die auf der Erde versteckt wandelnden Toten zu schnappen. Zusammen mit dem alten Hasen Roy Pulsipher geht Nick seinem neuen Job nach und muss feststellen, dass sein alter Kollege Bobby noch ganz andere Geheimnisse über all die Jahre verbergen konnte…

Nur relativiert sich das löbliche Taxieren und Distinguieren genau dann, wenn sich die Adaptierung eines Comics auch in Form eines abendfüllenden Spielfilmes als kinematographisches Debakel herausstellt und den massenkompatiblen Ansprüchen zu keinem Augenblick wirklich gerecht wird – Ob man die involvierte Vorlage nun kennt oder nicht. Ein Problem, welches sich auch in diesem Jahr bereits in Zack Snyders Totalausfall „Man of Steel“ und dem weniger desaströsen, aber immer noch enttäuschenden „Kick-Ass 2“ abzeichnete: Ein mit Vorfreude erwartetes Projekt scheitert an den eigenen Ambitionen und der inkompetenten Ägide aller Verantwortlichen. Ein im Vorfeld weniger angepriesenes, aber auf dem Papier durchaus Spaß verlautendes Werk ist auch Robert Schwentkes „R.I.P.D. – Rest in Peace Departement“, basierend auf dem Dark Horse-Comic aus dem Jahre 1999. Obwohl Schwentke hier einen waschechten No Brainer verarbeiten sollte, ohne jeden Subtext oder tiefgängige Mehrwertigkeit, scheitert der Film auf ganzer Strecke und verdeutlicht einmal mehr, dass Hollywood die wohl größte Geldverbrennungsanlage der Welt ist.

Die Story von „R.I.P.D. – Rest in Peace Departement“ ist seicht; so seicht, dass bereits nach den ersten 5 Minuten der gesamte Verlauf prophezeit werden kann und jeder kommende Schritt in der ausnahmslosen Vorhersehbarkeit oszilliert. Nur ist das kein Manko, was den eklatanten Schwächen des Films in die Karten spielt, denn egal ob das Schema nun absehbar und transparent daherkommt, in einem Film wie von „R.I.P.D. – Rest in Peace Departement“ zählt der Unterhaltungswert, der Spaß am phantastischen Durcheinander. Und an dieser Stelle bleibt Robert Schwentkes bis auf wenige Ausnahmen vollkommen auf der Strecke. Dass das Drehbuch eben keinerlei Zwischentöne zulässt war von vornherein zu erwarten, dass es dem Regisseur aber auch keine Möglichkeit gibt, ein wirklich passendes Spektakelszenario aus den 130 Millionen Dollar Budget zu zaubern, ist schon ein derber Reinfall. Denn während sich unsere beiden Hauptdarsteller zusammen gefunden haben, die Formalitäten geklärt worden sind und der Zuschauer weiß, warum es für gute Polizisten und Hüter des Rechts ein Leben nach dem Tod gibt, passiert wirklich rein gar nichts Fesselndes.

Die Abkupferungen von Barry Sonnenfelds Megaerfolg „Men in Black“ sind überdeutlich und unverkennbar, doch im Gegensatz zum Sci-Fi-Kracher aus den 1990ern, der noch eine temporeiche Innovationkraft besaß und dessen Gags sogar noch zünden konnten, klaut „R.I.P.D. – Rest in Peace Departement“ die storytechnischen Attribute dessen nicht nur einfach, sondern plagiiert und imitiert in sie in einem verheerendem Ausmaß, dass das beinahe 600 Millionen Dollar einspielende Vorbild beim Anblick der Katastrophe vor ungezügelter Fremdscham abwinken würde. Wo auch zwischen Will Smith und Tommy Lee Jones noch eine herrliche Chemie evoziert wurden konnte, sind der eigentlich tolle Jeff Bridges und Nichtskönner Ryan Reynolds eine denkbar schlechte Nachkommenschaft. Tragisch ist es nicht wegen Ryan Reynolds, der hat sich zuvor schon mit „Blade: Trinity“, „X-Men Origins: Wolverine“ und „Green Lantern“ an drei weiteren verhunzten Comic-Adaption beteiligt, sondern für Jeff Bridges, der zu den stärksten Charakterdarstellern seiner Zunft gehört, als kauziger Roy Pulsipher aber nur einen lauwarme Abklatsch seiner Rooster Cogburn-Performance abgeben darf.

Nun verwehrt „R.I.P.D. – Rest In Peace Departement“ seinem Publikum also genau das, was den Film eigentlich ausmachen sollte: Lockerer Spaß, flotte Action und ein launisches Duo. Im Endeffekt ist es ein Machwerk ohne einen einzigen Höhepunkt geworden, das gerade einen guten Gag mit wirklich amüsantem Überraschungseffekt vorzuweisen hat, diesen aber immer und immer wieder aufrollen muss, bis auch dieser im lethargischen Nebel der gähnenden Leere verdunstet. Besonders peinlich wird „R.I.P.D. – Rest in Peace Departement“ aber immer dann, wenn er dem rekrutierten Officer Nick eine gewisse Emotionalität zugestehen will, in dem er seine Frau aus dem Reich der Toten kontaktieren möchte, um ihr zu zeigen, dass er nie wirklich fort war und immer an ihrer Seite sein wird. Für derartige Gefühle fehlt dem Drehbuch einfach die Sorgfalt und das Interesse an seinen Figuren, die lediglich als profillose Schablonen auftreten und die Toten in Menschengestalt ermitteln und überführen. Mehr Charakter ist hier nicht möglich, alles andere wirkt in diesem Hauruck-Konzept vollkommen deplatziert. „R.I.P.D. – Rest in Peace Departement“ ist eben überteuertes Kino ohne jede Vitalität und ohne jeden Charme.