"Rambo II" (USA 1985) Kritik – Zurück in die Hölle

„Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden.“

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Drei Jahre sind vergangen, nachdem Ted Kotcheff die Kunstfigur John J. Rambo über die großen Kinoleinwände schickte. Kotcheff lieferte uns 1982 mit ‚Rambo‘ nicht nur einen der besten Actionfilme, sondern auch einen der kritischsten. Die perfekte Kampfmaschine, mit der zerrissenen Seele, die von ihrer alten Heimat nicht mehr angenommen wird. Die Vorfreude auf einen neuen ‚Rambo‘-Teil war 1985 natürlich groß und mit George P. Cosmatos hatte man einen Regisseur, der sich erst noch in der Filmwelt beweisen musste und sich auch ins Zeug legen sollte. Das Ergebnis von ‚Rambo II‘ ist jedoch ein zwiespältiges. Kritik ist wieder vorhanden, doch vor allem im letzten Drittel des Films, schlägt Cosmatos einen falschen Weg ein

Rambo muss, nachdem er von Polizeiwache gesfasst wurde, seit Jahren in einem Steinbruch arbeiten. Doch eines Tages steht sein alter Col. Trautman wieder vor den Zäunen und braucht die Hilfe von seinem ehemaligen besten Elite-Soldaten. Er erhält den Auftrag, zurück in die Hölle der Dschungel von Vietnam zukehren, um dort die letzten Kriegsgefangenen aus den Händen der Vietnamesen zu befreien. Als Rambo im tiefsten Dschungel wirklich auf Gefangene trifft, muss er feststellen, dass der Leiter des Auftrags, Marshall Murdock, nie geplant hat die Amerikaner zu befreien, sondern lediglich Fotos von ihnen wollte und sich daraufhin dazu entschied, Rambo im Dschungel zu opfern. Doch er hat die Rechnung mit dem falschen Mann gemacht. Rambo kämpft nun auf eigene Faust und versucht sich zusammen mit den Kriegsgefangenen und Verbindungsagentin Co Bao irgendwie aus der alten Hölle zu befreien. Allerdings stellten sich ihm nicht nur die vietnamesischen Soldaten in den Weg, sondern auch die Russen.

Wie ‚Rambo‘ schon mit eisigen und grauen Landschaftsaufnahmen der amerikanischen Bergwälder glänzen konnte, besticht auch ‚Rambo II‘ mit einigen starken Einstellungen des undurchdringlichen Dschungels. Kameramann Jack Cardiff versteht es in diesem Fall, auch bei Actionszenen nie den Überblick zu verlieren und sie mit der schönen, aber gefährlichen Natur zu verbinden. Als Komponist ist wieder Jerry Goldsmith vertreten, der auch den ersten Teil stark begleitete. Das ist hier auch kaum anders, nur gegen Ende des Films, wirkt Goldsmith Soundtrack etwas zu patriotisch und heroisch und geht in die Richtung, die Kotcheff mit seinem Können einst umging.

Natürlich spielt auch hier wieder Sylvester Stallone den ehemaligen Green Beret John J. Rambo. Das Rambo zu Stallones besten Rollen zählt, ist unumstritten. Für den zweiten Teil packte Stallone noch ein paar Gewichte mehr auf die Hantelbank und sieht dementsprechend aus. Seine stählernen Muskeln glänzen und werden in die Kamera gehalten, wann immer es passt. Von Schauspiel kann hier nun nicht mehr wirklich die Rede sein, denn die meiste Zeit des Films, rennt Stallone eben durch den Dschungel und ballert, was das Zeug hält. Als Col. Trautman ist auch wieder Richard Crenna zu sehen, der wieder einen guten Job macht und die richtige Seriosität und Ausstrahlung für seine hochdekorierte Figur mitbringt. Charles Napier als verräterischer Marshall Murdock macht seine Sache ebenfalls akzeptabel, wenn auch nicht besonders, denn großes Schauspiel, wurde hier niemandem abverlangt.

Im ersten Teil war John Rambo ein heimatloser Veteran, der in seinem neuen Leben wieder Halt finden muss. Er hatte keine Liebe, keine Freude und keine Wärme in seinem Leben. Es gab nur den Schmerz der Vergangenheit und die Narben, die immer an die grauenvolle Zeit im Krieg zurückerinnern werden. Rambo musste es Versuchen, sich einzugliedern, doch diese Möglichkeit wurde ihm aufgrund seines Auftretens und Aussehens nicht erlaubt. Er wollte dem Schrecken den Rücken kehren, wurde aber wieder zur Gewalt genötigt, die sich in seinen Gedanken für immer abspielen wird und in ihm ohne Nachlass beben. Nun sind wieder Jahre vergangen, Rambo ist wieder ein Gefangener in einem Steinbruch, doch hier weiß er, wo er ist. Er hat seinen geregelten Ablauf, doch die alten Narben dürfen nicht ruhen. Trautman schickt ihn wieder nach Vietnam, wo er gefangene Soldaten retten soll und gesund zurückbringen. Doch alles war nur eine Lüge und es ging nie um eine Rettungsaktion, sondern einzig darum, Fotos zu machen. Als Rambo mit einem Amerikaner dann gerettet werden will, wird ihm der Rücken gekehrt und Murdock, Leiter der Mission, will Rambo zurücklassen um eine politische Auseinandersetzung zu vermeiden. Aber Rambo wäre nicht Rambo, wenn er sich kleinkriegen lassen würde.

Sind wir ehrlich, die Story ist ziemlich flach, unspektakulär und ohne jegliche Überraschungen. Allerdings wird sie uns doch ansprechend serviert. Allein der spannende Aspekt, dass Rambo, der in Vietnam gefoltert und seelische gebrochen wurde, wieder zurück in seine eigene Hölle muss, macht den Film interessant. Rambo muss sich nicht nur seiner Vergangenheit stellen, er muss sie besiegen. Er muss erneut in einen unnötigen Kampf ziehen, der keine Erlösung oder Befreiung bieten wird. Wo ‚Rambo‘ jedoch nur einen Toten vorzuweisen hatte, der auch nur gestorben ist, weil Rambo sich selber schützen musste, schlägt ‚Rambo II‘ nun den Ton an, für den die Reihe ihren manchmal doch ziemlich groben Grundstein an Meinungen bekam, die die ‚Rambo‘-Filme nur als gewaltverherrlichende Orgien bezeichnen. Zum Teil ist das auch inzwischen richtig. Wenn Rambo sich nun oberkörperfrei und dem berühmten Stirnband durch den Dschungel ballert, dann schlägt das genau den Weg ein, den der Ton von Kotcheff, nicht im Ansatz anstimmte. Rambo setzt seine Fähigkeiten ein und wird zu einem Meister der Tarnung. Jeder der sich ihm in den Weg stellt, wird umgebracht, egal ob mit dem Gewehr, einem Messer, oder dem lautlosen Bogen. Gnade gibt es keine. Plump ist das schon, wenn man in dieser Deutlichkeit erkennt, dass die Rache an dem verlorenen Vietnamkrieg so roh dargestellt wird und das Menschenbild dann doch etwas beleidigend wird. Eine unnötige Liebesgeschichte wird dazu noch in den Film gepresst, die zwar nur selten wirklich auffällt, in ihren aufblühenden Augenblicken allerdings unglaubwürdig und viel zu kitschig aufgezogen wurde.

In ‚Rambo‘ ging es noch um einen Mann, der der Brutalität aus dem Weg gegangen wäre und sie nur zur Abschreckung einsetzte, um sich selber zu schützen. Cosmatos will es allerdings endlich krachen lassen. Es gibt handfeste Explosionen, Blut und viel Geballer. Das stört ja erst mal nicht, denn ‚Rambo II‘ bewahrt über weite Strecken den kritischen Kern. Er prangert die heuchlerische und käufliche Bürokratie hinter den Einsätzen an, die ihre Männer ohne Probleme verkommen lassen würden, nur um den eigenen Ruf zu schützen. Die unumgängliche Gewalt, auf die man immer wieder zurückgreifen muss, um wirklich etwas zu bewirken, auch wenn man sich selber durch sie zerstört. Doch ab einem bestimmten Punkt, geht ‚Rambo II‘ in eine falsche Richtung und lässt seinen Helden ohne Gnade durch den Dschungel jagen, der in seinem Treiben keine Grenzen kennt. Dabei kommt es nicht nur zu Ungereimtheiten der Geschichte, sondern auch gelegentlich zur unfreiwilligen Komik, die Rambo wie ein unzerstörbaren Gott darstellt, den Kugeln nie treffen würden, selbst wenn ein Gegner ein paar Meter vor ihm steht und sein Magazin durchknallt. Allerdings ist dieser Teil, so falsch und auch verachtend er dargestellt ist, belebt von feinster Old-School-Action, die den Unterhaltungsfaktor immer oben hält. Langweilig ist ‚Rambo II‘ sicher in keinem Moment, aber Fragwürdig, denn auch hier hätte Cosmatos seine durchaus vorhandenen Ansätze etwas kräftiger durchziehen müssen, denn dann wäre deutlich mehr drin gewesen.

Fazit: Es kracht und knallt an allen Ecken und Rambo wird zu der Killermaschine, für die er heutzutage von vielen Menschen nur noch abgestempelt wird. Teils berechtigt, dank der letzten 20 Minuten von ‚Rambo II‘, in denen Cosmatos die schweren Geschütze auffährt und Rambo explodieren lässt. Hätte er hier etwas weniger aufgetragen und auf das patriotische Ende verzichtet, hätte ‚Rambo II‘ wirklich gut werden können. So bleiben interessante Ansätze, krachende Action, schöne Landschaftsaufnahmen und ein größtenteils guter Soundtrack. Kann man sich sicher angucken, doch das Ende wird mit Sicherheit verärgern.

Bewertung: 6/10 Sternen