"Rambo III" (USA 1988) Kritik – Rambo mischt Afghanistan auf

„Wer sind Sie?“ – „Ihr schlimmster Alptraum.“

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Es sollten also wieder drei Jahre vergehen, bis Sylvester Stallone als John Rambo im dritten Teil der Action-Reihe erneut zum Bogen griff und die Kinos zum Beben brachte. Nach dem starken ‚Rambo‘ und dem akzeptablen ‚Rambo II‘, setzte sich nun wieder ein unbekannter Mann auf den Regiestuhl und versuchte es nochmal, Rambo in ein neues Abenteuer zu schicken. Dieses Mal war es der britische Regisseur Peter MacDonald, der auch als Kameramann in Hollywood tätig war. Schaffte es MacDonald, die Stärken von ‚Rambo‘ zu erkennen und an diesen zu arbeiten, oder führt er den Weg weiter, den Cosmatos in ‚Rambo II‘ angeschnitten hatte? MacDonald nimmt den zweiten Weg, enttäuscht auch, aber dennoch verkommt ‚Rambo III‘ nicht zum totalen Reinfall.

Rambo ist wieder zurück! Nach seinem letzten Auftrag in Vietnam hat er sich in einem buddhistischen Tempel in der Nähe von Bangkok zurückgezogen. Doch auch hier wird ihm keine Ruhe gegönnt. Sein alter Freund Col. Trautman steht wieder vor der Tür und bittet um seine Hilfe. Rambo sollte Trautman und die Mudschahiddin bei dem Kampf gegen die sowjetischen Mächte unterstützen. Rambo lehnt jedoch ab. Als Trautman dann in Afghanistan in russische Gefangenschaft gerät, muss Rambo seinen Freund retten. Er macht sich auf den Weg nach Afghanistan und zieht mit den Freiheitskämpfern in den Krieg.

In ‚Rambo‘ waren es die kalten Wälder, in ‚Rambo II‘ der erbarmungslose Dschungel und nun sind es die trockenen Schluchten und die endlosen Gebirge der afghanischen Landschaft. Für diese guten Kameraeinstellungen war diesmal John Stanier verantwortlich, der genauso unaufgeregt das Geschehen festhält, wie es uns auch schon in den zwei Vorgängern serviert wurde. Jerry Goldsmith ist erneut als Komponist dabei. Hier ist sein Soundtrack nun zum Glück etwas weniger patriotischer und wieder mehr an Teil 1 orientiert. Ein kraftvoller und antreibender Score, der noch eine der ganzen klaren Stärken von ‚Rambo III‘ ist.

Unsere zwei vertrauten Gesichter Sylvester Stallone und Richard Crenna sind ebenfalls wieder mit dabei. Stallone natürlich als John Rambo, der schon im zweiten Teil nicht mehr groß schauspielern musste und auch hier mehr rennt und schieß, als das er einen Ton von sich gibt. Stallone passt von seiner Statur, die anscheinend noch härter geworden ist, genau ins Bild, macht aber sonst nichts weiter her. Richard Crenna als Col. Trautman ist passend wie immer und darf nun auch mit in den Kampf eingreifen. Crenna ist zwar der stärkere Schauspieler gegenüber Stallone, bekommt aber auch nicht die Räume, um sich richtig zu entfalten und etwas zu zeigen. Die weiteren Darsteller wie Kurtwood Smith, Spiros Focas oder Sasson Gabai bleiben Randerscheinungen.

In ‚Rambo III‘ geht es also nach Afghanistan, in der Zeit, in der die Russen ihre Macht langsam ausweiten wollten und das Volk ohne Gnade abgeschlachtet hat. Allerdings kümmert sich der Film selbst recht wenig um dieses Thema und hinterfragt weder die politischen Umstände, noch die gewalttätigen Auseinandersetzen, die ja auch noch bis heute anhalten und zuletzt im französischen Film ‚Special Forces‘ ebenfalls wieder als Grundlange dienten. MacDonald geht jedoch einen anderen Weg. Rambo will es endlich mit dem Frieden versuchen, doch sein Können wird immer wieder verlangt, einfach weil er der BESTE ist. Er schafft es aber, seinem letzten Vertrauten, dem Col. Trautman, der Mann, der ihn einst für den Krieg vorbereitet, abzusagen. Trautman fährt allein und wird von den Sowjets gepackt. Rambo weiß, dass er ihn retten muss, denn Trautman hätte das Gleiche auch für ihn getan. So fährt er los, lernt die Rebellen kennen, macht sich mit ihnen bekannt und gerade in einem Moment der Freude, sehen wir die Russen angreifen und wie sie ein Dorf in Kürze zu Schutt und Asche legen. Ein interessanter, aber genauso blöder Vergleich lässt sich hier perfekt ziehen, denn in ‚Rambo II‘ war es unser guter John selber, der ein vietnamesisches Dorf mit einem Kampfhelikopter in Windeseile zerstörte und wurde dafür zu keiner Sekunde verurteilt. Rambo muss also los und seinen Kumpel aus den Fängen der bösen, bösen Russen befreien und legt dabei so ziemlich alles und jeden um, der sich ihm in den Weg stellt.

Die Handlung ist weder komplex oder durchdacht, noch lässt sie jegliche Überraschungen zu. Ganz eindeutig wurde sie vom zweiten Teil abgekupfert, neuverarbeitet und in ein neues Land verlegt. Es wird schon niemanden groß stören. MacDonald vergisst jedoch, die kritischen Ansätze, welche auch hier wieder vertreten sind und leise in die Richtung von Kriegsmaschinerie und der Gewalt selbst zielen, weiter anzukreiden. In der ganzen Brutalität bleiben sie einfach nur Ansätze. Wir bekommen hier vielmehr eine Rambo-Figur, die zu einem Übermenschen verkommen ist. Ihn kann eigentlich nichts mehr etwas anhaben und wenn ihn mal etwas verletzte, dann ist das eine einmalige Ausnahme. Vom gebrochenen Veteran ist nur noch ein überzeichneter Muskelberg übrig. Dazu kommen dämliche Dialoge, die aber heute schon verdienten Kultstatus besitzen und ein trockener, selbstironischer Humor, wenn Rambo wiederholend sagt „das kommt mir bekannt vor.“ Sollte man ‚Rambo III‘ also nun als stumpfen Unterhaltungsfilm betrachten? Wahrscheinlich, denn so zieht man wenigstens etwas aus dem Film. Zwar vergehen fast 45 Minuten, bis es richtig zur Sache geht und dort schleichen sich ab und an ein paar Längen ein, doch danach wird wieder in die Actionkiste der alten Schule gegriffen. Handfeste Explosionen, viel Kugelhagel und einiges an Blut. Das zerstört zwar nun endgültig den Geist vom tollen ‚Rambo‘, bringt aber über ihre Laufzeit gute Unterhaltung mit sich, die man sicher nicht mögen braucht, aber in jedem Fall auch nicht hassen, denn ‚Rambo III‘ ist klar besser als sein Ruf. Und die Endaussage des Films? Die ist eine ganz eindeutige: Gott kennt Gnade, Rambo nicht.

Mousa: „Was ist das?“
Rambo: „Blaues Licht.“
Mousa: „Und was macht es?“
Rambo: „Es leuchtet blau.“

Fazit: ‚Rambo III‘ ist krachendes und blutiges Trommelfeuer mit guten Landschaftsaufnahmen und passendem Soundtrack. Über die Schauspieler und Story braucht man nicht viele Worte verlieren, denn die sind entweder schwach oder total flach. Stallone schnappt sich wieder sein Stirnband, lässt die Muskeln glänzen und wird zum Amokläufer. Das dürfte die Action und Rambo-Fans beglücken, alle anderen aber eher langweilen. Die wieder mal interessanten Ansätze bleiben Ansätze und gehen im Schusswechsel schnell unter. Unterhaltsam ist der Film, mehr bleibt aber nicht.

Bewertung: 4/10 Sternen