"Rampart" (USA 2011) Kritik – Mit Woody Harrelson ist nicht zu spaßen

„Ich sorg hier bloß für Ordnung.“

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Neue Hoffnungen gibt es in der Filmwelt immer wieder. Zumeist sind es Regisseure, vollkommen unbekannt, die aus dem Nichts kommen und einen Debütfilm abliefern, von dem erfahrene Filmemacher nur träumen dürfen. Gute Beispiele wären Sam Mendes, der mit ‚American Beauty‘ gleich einen der besten Filme aller Zeiten ablieferte, Quentin Tarantino mit ‚Reservoir Dogs‘ oder Alejandro González Iñárritu mit ‚Amores Perros‘. Das ist allerdings nur eine kleine, dafür aber umso hochkarätigere Auswahl von Regisseuren, die ihren Einstieg in die Filmwelt gleich mit einem Meisterwerk begangen und sich längst als Könner erwiesen haben. Als eine dieser neue Hoffnungen für die Zukunft wurde auch der israelische Drehbuchautor und Regisseur Oren Moverman betitelt, der mit seinem Erstling ‚The Messenger‘ zeigte, wie man eine emotionale Explosion auf innerliche Zerrissenheit projiziert und einen der besten Anti-Kriegsfilme an der Heimatfront inszenierte. Die Erwartungen an seinen zweiten Film ‚Rampart‘ wuchsen dementsprechend in die höchsten Höhen und Moverman konnte eigentlich nur enttäuschen, doch mit einem solch schweren Ausmaß hätte man wohl nicht gerechnet.

Die 90er Jahre neigen sich dem Ende zu und der Cop David Douglas Brown hat einige schwere Jahre mitgemacht, aufgrund seines Jobs, denn er ist Teil der Rampart-Division, die die Gangs in Los Angeles in Schach halten. In seiner eigenen Welt hält David sich auch für einen guten Polizisten, der genau das richtige tut und seinen Beruf pflichtbewusst ausfüllt. Die Wahrheit sieht natürlich anders aus. Er ist ein Draufgänger und ein misanthropisch-sexistischer Schläger, der nicht lange mit Worten verhandelt, sondern schnell den Schlagknüppel zückt, mit dem er nicht nur einmal zuhaut, sondern immer und immer wieder. David ist derjenige, der sich um die miesen Aufgaben kümmert und den Dreck auslöffelt. Disziplinarverfahren haften schon lange an ihm, genau wie die im Dienst erschossenen Verbrecher, die das aus ihm gemacht haben, was er heute ist. Als er dann auch noch gefilmt wird, wie er nach einem Unfall den Fahrer verprügelt, ist die Zeit des korrupten Gesetzeshüters vorbei und die Marke muss abgegeben werden. Nun sieht er sich gezwungen, das Gesetz und die Gerechtigkeit zu richten. Aber auch Privat lief es bei David nie wirklich gut. Seine Frau hat ihn sitzengelassen, die Kinder mitgenommen und er verliert sich immer wieder im Flaschenhals. Er hat niemanden, weder Freunde, eine Bindung zu einem Menschen, noch einen Kollegen auf der Arbeit. Ein Einzelgänger wie aus dem Bilderbuch, der sich längst verloren hat, aber doch nicht abtreten will.

Ein Grund zur Vorfreude, war auch der Cast von ‚Rampart‘, bei dem Regisseur Moverman wieder auf die Darsteller zurückgriff, die ‚The Messenger‘ ausmachten und dort allesamt grandiose Leistungen ablieferten. Woody Harrelson ist der Dreh und Angelpunkt der Geschichte, wenn auch sicher keine Bezugsperson, an die man sich lehnen kann. Das Harrelson ein fantastischer Schauspieler sein kann, hat er unlängst bewiesen, doch dafür braucht er einen passenden Charakter und den nötigen Freiraum, um sein Können wirklich ausspielen zu können. Als Brutalo-Cop Brown bekommt er diese Räume nicht und doch liefert Harrelson wieder eine gute Leistung ab. Dass er sich nicht in große Sphären spielt, liegt nicht an ihm, sondern am Drehbuch, welches ihn im Standardmuster treiben ließ und neue Facetten verweigert. Der großartige Ben Foster ist auch wieder mit von der Partie, diesmal in einer weitaus kleineren Rolle als Rollstuhlfahrender Informant General Terry. Foster hat nur wenige Szenen, die er zwar mit seiner tollen Ausstrahlung füllen kann, doch viel zu verschenkt wurde, einfach weil er keine Zeit bekam, um seinen Facettenreichtum unter Beweis zu stellen. Das gleiche gilt für Steve Buscemi, der noch weniger Zeit als Ben Foster bekam, oder Sigourney Weaver. Sträflich wurden die Schauspieler aus der Hand gegeben und am Rand liegengelassen.

Das größte Problem von ‚Rampart‘ ist das Drehbuch. Die Geschichte des saufenden Einzelgänger-Cops ist so alt, dass sie einen beinahe schon ermüdet. Der Job ist hart, das Privatleben auch und die Mittel, zu denen der Cop greift, gleichen denen der Verbrecher. Wir sehen unsere Hauptfigur Brown saufen, prügeln und wie er mit seinen brutalen Methoden durch die Welt zieht. Eine Familie hat er auch nicht mehr und eigentlich steht er vollkommen alleine da, bis er auch noch seinen Job verliert, aufgrund einer seiner gefilmten Gewalttätigkeiten. Moverman hätte aus ‚Rampart‘ gerne eine Charakterstudie über einen innerlich zerrissenen Gesetzeshüter gemacht, der sich zwischen Problemen, Haltlosigkeit und Korruption auf den Straßen von Los Angeles wiederfindet und immer tiefer in den Moloch absteigt, nur um seine eigene Rechnung zu begleichen. Das alles entpuppt sich allerdings als aufgewärmtes Unterfangen auf Sparflamme, welches man in dieser Form wirklich jedes Jahr im Kino geboten bekommt und weder neue Ansätze vorzuweisen hat, noch Highlights. Und da wären wir auch schon beim nächsten Problem von Movermans Inszenierung. Es gibt weder Höhepunkte, noch schafft er es, richtige Spannung zu erzeugen und die Charaktere interessant oder innovativ zu gestalten. Dabei mischt er immer wieder die bekannten Muster eines Familien-Dramas ein, welches auf zerstörtem Fundament steht und die Probleme von Papa Cop immer zu fühlen bekommt. Was ‚Rampart‘ so einfach fehlt sind die intensiven Momente, um ihn in Erinnerung behalten zu können, aber die Charakterisierung des Bad Cops ist auch gleichbedeutend mit dem Standard des Genres, der schon seit geraumer Zeit vollkommen ausgelutscht ist und längst auf dem Zahnfleisch läuft.

Fazit: Die Hoffnungen wurden durch enttäuschende Standardisierung erstickt. In ‚Rampart‘ bekommt man all das, was man schon in anderen Filmen besser gesehen hat. Weder weiß die Story zu fesseln, noch sind die Charaktere interessant gezeichnet. Die Schauspieler retten zwar noch etwas und erträglich ist Movermans Polizistenstudie sicher, aber einfach nichts Besonderes. Ein Prototyp unter den Polizistenfilmen, der mit altbekannten angekrochen kommt und damit wirklich niemanden vom Hocker reißen kann. Sehr tragisch, vor allem in Anbetracht des erstklassigen Cast und den Möglichkeiten, die daraus resultieren hätten können.

Bewertung: 4/10 Sternen