"[•REC]" (ES 2007) Kritik – Schnöder Wackelhorror aus Spanien

„Los Pablo, nimm das alles auf, zum Teufel nochmal!“

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Es gibt einen neuen Stil, der sich inzwischen in ziemlich beliebten Ausmaßen über die Filmwelt ausbreiten darf: Mockumentary. Hinter dem Begriff Mockumentary verbirgt sich eine Art gestellte Dokumentation. Das heißt, ein Regisseur zieht seinen Film in der Art einer Dokumentation auf, mit loser Kamera, Menschen die direkt in die Kamera sprechen und will so Realismus in bestimmten Lagen erzeugen. Die berühmtesten Vertreter sind inzwischen die ‚Paranormal Activity‘-Reihe, ‚Cloverfield‘ und auch ‚Troll Hunter‘. Auch ‚Blair Witch Project‘ oder ‚Cannibal Holocaust‘ lassen sich in die Reihe miteinbeziehen, was deutlich macht, dass dieser Stil gar nicht so neu ist, sondern nur seinen großen Durchbruch in der heutigen Zeit erleben darf. Was sich außerdem anhand der genannten Beispiele feststellen lässt, ist die Tatsache, dass diese Filme, mit Ausnahme ‚Cannibal Holocaust‘, nicht gerade gut sind und mit ihrer Eigenart viel mehr nerven, als wirklich etwas zu bewirken. Auch Spanien servierte uns 2007 einen Horrorfilm im Mockumentary-Stil und wurde von allen Seiten von allen Seiten mit reichlich Lob überschüttet. Die Rede ist von Jaume Balaguerós und Paco Plazas ‚[•REC]‘.

Eine spanische TV-Reporterin will samt Kameramann eine Reportage über die Besatzung und das Leben der Feuerwehr machen. Als die Männer plötzlich zu einem Einsatz gerufen werden, begleitet das zweiköpfige Team die Feuerwehrmänner zu dem Einsatzort. Dort kommt jedoch alles etwas anders als geplant, und statt eines Feuers, erwartet die Menschen dort ein purer Alptraum…

Was wurde ‚[•REC‘] doch bei seinem Erscheinen gefeiert und mit pushenden Worten in die höchsten Höhen gedrückt. Da wurde vom angsteinflößendsten Horrorfilm aller Zeiten gesprochen. Zu sehen ist davon aber nichts. Auch die zahlreichen Preise, sind nicht nachvollziehbar verliehen worden und wirklich vollkommen übertrieben. Der Mockumentary-Stil könnte schon ein interessantes Mittel sein, um ein gewisses eeling zu erzeugen, doch hier wurde jedes Flair und jede Atmosphäre einfach verschenkt. Ein solcher Film hat sowieso schon seine Probleme, gerade weil ‚[•REC]‘ auch auf Soundeffekte oder jegliche musikalische Untermalung verzichtet und so keine billigen Schockeffekte aus den typischen Knalleffekte ziehen kann, wie es James Wan Katastrophe ‚Insidious‘ in seiner ganzen Schwäche tat. Das Regisseur-Duo musste dementsprechend auf Umweltgeräusche setzen, auf unerwartete Hintergrundkracher, die aber nie durch einen Effekt erzeugt werden konnten, was dementsprechend dumpf bleibt und ebenso lahm ausfällt, wie der berühmt berüchtigte Boxenknall. Man könnte nun noch auf die Schauspieler hoffen, die ihre Unwissenheit und Verzweifelung tragend zum Ausbruch bringen und diese Gefühle glaubwürdig auf den Zuschauer übertragen. Aber auch das bleibt das gänzlich aus. Die Hauptdarstellerin Manuela Velasco als Reporterin Angela ist wieder süß, noch sympathisch. Viel mehr nervt sie mit ihrem hysterischen und verspannten Chaosgeplapper. Andere Schauspieler sind kaum die Rede wert, denn entweder sind sie so nebensächlich, dass sie gar nicht auffallen oder verschwinden genauso schnell wieder von der Bildfläche.

Wie man einen guten Mockumentary-Zombie-Horrorfilm macht, bewies Urgestein George A. Romero mit ‚Diary of the Dead‘. Von einer solchen Umsetzung darf ‚[•REC]‘ nur träumen, auch wenn seine Anleihen zu den großen Vorbildern deutlich sind, wenn auch nur in den Ansätzen. So machen wir uns eben mit der Feuerwehrtruppe und den beiden Reportern von der Feuerwehrstation, in der die beiden eigentlich eine Reportage drehen wollte, auf zum Einsatzort. In einem Wohnhaus soll sich eine Frau eingeschlossen haben und man hört nur noch ihre Schreie. Zwei Polizisten sind bereits vor Ort und versuchen die Lage langsam unter Kontrolle zu bringen. Als sie jedoch die Wohnung der besagten Frau betreten, finden sie diese blutverschmiert und völlig verstört vor. Alles gerät außer Kontrolle, die Frau beißt einem der Helfen in den Hals und das Chaos bricht aus. Das Haus wird schlagartig unter Quarantäne gestellt, weil es sich angeblich um eine schlimme Seuche innerhalb des Wohnhauses handeln soll. Dem Anschein nach, hat sich ein eigenartiger Virus ausgebreitet und nicht nur die Helfer sind bedroht, sondern auch die restlichen Bewohner, die sich in ihren Wohnungen verstecken und vielleicht auch schon längst angesteckt haben. Doch alles lässt sich nach und nach auf einen ganz anderen Grund zurückführen.

‚[•REC]‘ kann mit einer Sache wirklich dienen: Langeweile. Wir verfolgen die Menschen, wie sie mit dieser extremen Situation konfrontiert werden, doch das Ganze wird uns so uninteressant und belanglos verkauft, dass es niemanden interessiert, was aus den Protagonisten wird. Die Kamera wackelt ohne Halt, stellenweise so furchtbar, dass alles verschwommen und unerkennbar wird. Dazu kommen die Infizieren und die Menschen, die die Zeit vor allem damit verbringen, zu kreischen, zu schreien und zu heulen. Das geht nach einer Weile so auf die Nerven, dass die gut 70 minütige Laufzeit schon fast wie eine Ewigkeit erscheint. Authentisch oder atmosphärisch ist hier wenig bis gar nichts. Das Ende im Nachtsichtmodus kann zwar für einen Hauch von Spannung sorgen, doch das kommt viel zu spät, um wirklich noch etwas bewirken zu können. So gerne wäre ‚[•REC]‘ in irgendeiner Form innovativ, doch verfällt schnell den nur allzu bekannten Genremustern, die keine Überraschungen bieten, eben weil sie sich nicht von ihren unzähligen Vorgängern lösen können. Nein, hier gibt es keine spanische Horrorperle zu sehen, sondern einen bedeutungslosen, oberflächlichen, spannungsarmen und trivialen Brei der wackeligsten und undurchsichtigsten Sorte.

Fazit: Uninteressant, öde und unwichtig, das spanische Machwerk ‚[•REC]‘, welches als eines der besten Horrorfilme der letzten Jahre gefeiert wird, aber eigentlich nur heiße Luft ist, die sich in ihrer eigenen Nebensächlichkeit schnell verliert und an der Leine von altbekannten Mustern läuft. Nervige Darsteller und eine grausame Kamera, die nicht authentisch ist, sondern einfach nur auf den Senkel geht, geben dem Film den Rest. Bis auf das Ende, welches dazu noch eine dämliche religiöse Begründung aufgedrückt kriegt, aber dennoch einen Funken Spannung erzeugt, kann man dem Streifen nichts abgewinnen. Schnell wieder vergessen.

Bewertung: 2/10 Sternen