Recap: Game of Thrones – Staffel 6, Folge 8

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You’re shit at dying, you know that?

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Es wirkt wie das tiefe Luftholen vor dem Eintauchen in die große Schlacht: Bevor es nächste Woche in Battle of the Bastards ganz bestimmt gewaltig zur Sache geht, widmet sich No One (Episode 8) ein letztes Mal der „Ausbildung“ von Arya, die ihre Identitätskrise scheinbar erfolgreich abgelegt hat. Dass das Ende dieses Stranges dabei ziemlich unbefriedigend ausfällt war bereits abzusehen und auch der Rest von Folge 8 ist erzählerisch ziemlicher Einheitsbrei und sticht nur vereinzelnd positiv hervor.

The Hound ist back! Nachdem alle Menschen seines neues Zufluchtorts während des Baus einer Septe ermordet wurden, begibt sich Sandor Clegane, wider den Rat seines Freundes, auf einen blutigen Rachefeldzug. Dass er dabei auf den unsterblichen Berric Dondarrion trifft wurde bereits von einigen Fans vermutet, begräbt aber sogleich die Hoffnungen auf eine Rückkehr von Catelyn Stark (in den Büchern opfert Berric seine Unsterblichkeit für sie) und auch wenn die Passage nett geschrieben ist und definitiv Lust auf mehr macht, bleibt auch hier ein seltsamer Beigeschmack zurück.

Die schönsten Szenen aus No One, sind Szenen des Abschieds. Varys begibt sich auf eine Reise gen Westeros und lässt dabei seinen guten Freund (the most famous dwarf in the world) Tyrion zurück. Nach all den Erlebnisses wird einem dabei durchaus wehmütig ums Herz, warfen sich die Beiden doch in allen Situationen stets gekonnt die (Dialog)-Bälle zu und gaben in ihrem fast selbstlosen Interesse an eine bessere Welt ein stets spaßiges Duo ab. Dass die Stadt nach der Abreise von Varys (und einigen sehr schlechten Witzen unter Weineinfluss) von den Sklaven-Meistern angegriffen wird, gerät fast zur Nebensache, denn im richtigen Moment ist Daenarys wieder zurück (um den Tag zu retten) – ein seltsam inspirations- und emotionsloser Moment.

Auch das erneute Aufeinandertreffen zwischen Brienne und Jaime wird zu einem Höhepunkt von No One. Man spürt sofort eine tiefe Verbundenheit zwischen beiden Charakteren (in einem anderen Leben wäre vermutlich eine wahrhaftige Liebe daraus geworden), auch wenn man weiß dass sie nach wie vor in verfeindeten Läger kämpfen. Die knisternde Anspannung zwischen den Beiden als es um die Rückgabe von Jaimes Schwert geht ist förmlich zu spüren und bricht auch nicht als Brienne verkündet dass sie, falls nötig, an der Seite des Blackfish kämpfen wird. Schade das wir nicht mehr von den Beiden zu sehen bekamen, auch wenn der Abschied einen schönen Schlusspunkt setzt.

Arya oh Arya! Was ist nur passiert? Im bisherigen Staffelverlauf wirkte der Strang um die jüngste Stark-Tochter teilweise seltsam befremdlich, wenn auch durchaus unterhaltsam. Der Umstand ihrer Blindheit wurde bereits während ihrer Ausbildung aus relativ unerfindlichen Gründen gekippt, denn wie wir jetzt wissen ist ihre Entwicklung zu einem gesichtlosen Assassinen noch nicht ansatzweise abgeschlossen. Wie konnte sie dann wahrhaftig No One sein und so ihr Augenlicht zurückerlangen? Dass sie sich jetzt so plötzlich auf ihre Identität rückbesinnt wirkt überhastet und emotional kaum unterfüttert. So ist auch die finale Auseinandersetzung zwischen Arya und Waif, die Terminator-ähnlich durch die Gassen von Braavos sprintet, mehr als enttäuschend. Alles in allem wirkt die Geschichte um die Ausbildung von Arya sehr behäbig und teilweise uninteressant, so viel Zeit wurde darauf verwendet, so wenig schlussendlich erzählt. Ich persönlich habe jetzt nicht den Eindruck dass Arya zu einer absoluten Killermaschine geworden ist, die sich an der Seite ihrer Geschwister in den Krieg um Westeros stürzt. So ist auch der (vermeintliche) Abschied von Jaqen H’ghar weder sonderlich beeindruckend, noch emotional und steht fast repräsentativ für die Erlebnisse von Arya in Braavos.