"Red Lights" (ES, USA 2012) Kritik – Hokus-Pokus mit Robert De Niro

„There are two kinds of people out there with a special gift. The ones who really think they have some kind of power and the other guys who think we can’t figure them out. They’re both wrong.“

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Seit jeher ist der Mensch vom Paranormalen fasziniert. Poltergeister und andere Spukaktivitäten, Hellseher, Stigmata und selbst solche banalen Dinge wie eingebrannte Jesus-Abbilder auf Toastbrotscheiben füllen immer wieder die Seiten in einschlägigen Klatschblättern. Klar, dass das Interesse der Menschen an dem (bisher noch) Unerklärlichen auch immer wieder Schwindler und Scharlatane anzieht, die letzten Endes nur daran interessiert sind, naiven Gutmenschen das schwer verdiente Geld aus der Tasche zu „zaubern“. Doch man lässt sich gern hinters Licht führen, das beweist nicht zuletzt der Erfolg des israelischen Bühnenmagiers Uri Geller, der seit inzwischen über 30 Jahren mit der immer gleichen Löffel-Biege-Nummer durch die Lande zieht und sogar für große Privatsender bereits mehrfach Nachwuchs-Magier gecastet hat. Auch im neuen Film vom „Buried – Lebend begraben“-Regisseur Rodrigo Cortés steht das Übernatürliche im Mittelpunkt, doch allerdings schlägt sich der spanische Regisseur in „Red Lights“ auf die Seite der Leute, die sich eher mit der Entschleierung solcher Phänomene beschäftigen. Den echten „Ghostbusters“ mal über die Schultern schauen? Klingt doch spannend! Und das ist es auch, jedenfalls so lange, bis sich „Red Light“ in einen 0815-Fantasy-Thriller verwandelt…

Gemeinsam mit ihrem Assistenten Dr. Tom Buckley (Cillian Murphy) geht die Wissenschaftlerin Dr. Margaret Matheson (Sigourney Weaver) übernatürlichen Ereignissen auf den Grund. Kleine Fische und große Haie, fast jedem Scharlatan kann das eingespielte Team das Handwerk legen. Doch einen kriegen sie einfach nicht zu fassen: Simon Silver (Robert De Niro), seines Zeichens blinder Mentalist, ist einfach unangreifbar. Fast scheint es so, als habe dieser Wunderknabe wirklich übernatürliche Fähigkeiten. Dr. Tom Buckley möchte Silver ein für alle Mal überführen und lässt sich dafür auf ein lebensgefährliches Spiel ein…

Mit „Buried“ hat sich Regisseur Rodrigo Cortés auch offiziell in Hollywood vorgestellt. Schließlich kommt es bei den großen Produzenten und Studiobossen immer gut an, wenn man mit einer simplen Idee und einem geringen Budget Millionengewinne einfahren kann. Hatte er jedoch bei „Buried“ nur Ryan Reynolds in einer Holzkiste als Zugpferd, stehen für ihn in „Red Lights“ mit Robert De Niro („Taxi Driver“), Sigourney Weaver („Alien“) und Cillian Murphy („Batman Begins“) gleich drei namhafte Hollywood-Stars vor der Kamera. Besonders unterhalten vermag dabei De Niro als blinder Uri-Geller-Verschnitt, der nicht nur in der Lage ist Löffel zu verbiegen, sondern auch die Fähigkeiten besitzt, bei Kritikern spontanes Herzversagen auszulösen. Glücklicherweise besitzt De Niro solche Kräfte nur im Film, bei seinen schauspielerischen Leistungen in den letzten Jahren hätten sicher Dutzende nörgelnde De-Niro-Kritiker ihr Leben lassen müssen 😉

Anders als bei „Buried“ hat sich Rodrigo Cortés bei „Red Lights“ diesmal wieder selber an das Drehbuch gewagt. Und dass sich der gebürtige Spanier wirklich in die Materie des Paranormalen eingearbeitet hat, merkt man dem Film sofort an. So lassen sich unzählige Verweise auf bekannte paranormale Phänomene der Neuzeit ausmachen, sei es nun der unverkennbare gebogene Uri-Geller-Löffel oder das durch pure Gedankenkraft zum Stillstand gebracht Herz, was eine Anspielung auf die russische Psychokinetikerin Nina Kulagina ist, die angeblich auf Befehl den Herzschlag kleinerer Tiere stoppen konnte. Auch werden im Filmverlauf immer wieder raffinierte Tricks der Paranormalen-Trickbetrüger offenbart. Wer an solchen Entschleierungsarbeiten seine Freude hat, wird besonders im ersten Drittel des Films auf seine Kosten kommen, denn die gemeinsame Ermittlungsarbeit von Sigourney Weaver und Cillian Murphy gehört ganz klar zu den Hohepunkten des Films.

Wenn jedoch der Film mehr und mehr ins Fantastische abgleitet, verliert die Geschichte um die beiden Spuk-Spürnasen zunehmend an Reiz. So wird die anfängliche spannende Suche nach übernatürlichen Phänomenen zugunsten simpler Effekthascherei aufgegeben. Ein Schreckensmoment hier, ein unerklärliches Phänomen dort und ein geheimnisvoller Robert De Niro sollen dabei über offensichtliche dramaturgische Schwächen hinwegtäuschen. Blöd nur, dass die fantastischen Elemente nie so richtig mit dem realistischen Grundton des Films harmonieren wollen. Und auch der Schlussakt, in dem Regisseur und Drehbuchschreiber Rodrigo Cortés eine haarsträubende Wendung nach der nächsten aus dem Hut zaubert, lässt den Zuschauer mit reichlich Fragezeichen zurück. Bei diesem Ende wünscht man sich doch glattweg in einen Shyamalan-Film, da weiß man wenigstens, was einen erwartet.

Fazit: Trotz guter Besetzung und starkem Auftakt kann Rodrigo Cortés mit seinem Fantasy-Thriller „Red Lights“ nicht vollends überzeugen. Denn leider erweist sich letztendlich Regisseur und Autor Cortés als der größte Scharlatan im ganzen Film, der versucht, mit simplen dramaturgischen Taschenspielertricks den Zuschauer wieder und wieder hinters Licht zu führen.

Bewertung: 5/10 Sternen