"Redemption – Stunde der Vergeltung" (GB/US 2013) Kritik – Auf der Suche nach religiöser Erlösung

Autor: Pascal Reis

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„Did you hurt someone?“ – „Only myself.“

Jason Statham ist einer der namhaften Erben, die es mit ihrer physischen Qualifikation geschafft haben, sich in der A-Liga der modernen Action-Helden einen Namen zu machen und somit auch über eine echte Schar an Befürwortern verfügt, die sich konsequent um den regelmäßigen Output statuieren. Obwohl seine relativ eingleisige Karriere zwar eher in den Gangster-Klamotten von Guy Ritchie („Bube, Dame, König, grAs“) das Licht der Welt erblickte, ist der drahtige Engländer doch so tief in sein schlagkräftiges Image verwurzelt, dass jeder Ansatz von wirklich ernstzunehmenden Schauspiel oberflächlich in polternden Gewehrsalven und krachenden Fausthieben untergeht. Ein guter Darsteller jedoch sollte es im Laufe seines Lebens jedoch wenigstens versucht haben, sich von den medialen Stigma seines stählernen Stereotyps zu lösen und so für eine Überraschung zu sorgen, die es natürlich auch ermöglicht, das eigene Rollenspektrum zu diversifizieren.

Aufgrund eines schweren Zwischenfalls im Krieg von Afghanistan, desertierte Joey seine Militärdienst und haust von dort an wie ein Penner auf den versifften Straßen Londons. Mit ihm ist nicht nur seine Freundin Isabel, sondern auch die posttraumatischen Schäden, die Joey nur mit harten Drogen und reichlich Alkohol unter Kontrolle bekommen kann. Als Joey und Isabel es eines nachts mit einer Handvoll Schläger zu tun bekommen, ist es einzig Joey, der mehr oder weniger heile davonkommt – Von Isabel hingegen fehlt jede Spur. Joey macht sich auf die Suche, trifft dabei nicht nur auf die ebenfalls seelisch geplagte Nonne Christina, sondern erarbeitet sich durch einen Job als Tellerwäsche Verbindungen in der Unterwelt, die ihn auf die Spur von Isabels wahrem Verbleib führen…

Diese Synopsis deutet bereits leise an, dass Jason Statham es nun in „Redemption – Stunde der Vergeltung“ versucht hat, seinen Ruf in der Welt gehörig aufzupolieren und nicht nur damit zu glänzen, seinen Gegnern die Knochen zu brechen, sondern auch eine tiefgängige, seriöse Charakter-Darstellung an den Tag zu legen, die nicht nur für eingefleischte Statham-Jünger redlich befremdlich wirken mag. Auch wenn man Stathams Engagement loben muss und er sich wirklich erkennbar Mühe gibt, seinem Joey ein ernstzunehmendes Fundament einzuflößen, steht Statham die Rolle des versierter Actors zu keiner Sekunde. Es liegt nicht einmal an seinen körperlichen Attributen; es sind die emotionalen Nuancen, die einen schnaubenden Grobmotoriker wie Statham komplett an die eigenen Grenzen führen: Allein der horrend forcierte Augenblick, in dem sich Statham krampfhaft ein paar Tränen herauspresst, ist bezeichnend für seine wahre Prädestination.

Man darf den Schriftzügen und Deklarationen auf der DVD und Blu-ray keinen Glauben schenken: Von einem „actiongeladenen“ Rache-Thriller ist in „Redemption – Stunde der Vergeltung“ keine Spur. Statham nimmt sich, wie gesagt, gewaltig zurück, darf zwar auch mal gelegentlich austeilen, das passiert jedoch eher en passant. Regisseur und Drehbuchautor Steven Knight („Tödliche Versprechen“) richtet das Hauptaugenmerk in seinem Filmdebüt auf die Psyche seines Protagonisten und schickt ihn in einen kathartischen Kampf mit den Dämonen seiner Vergangenheit. Was jetzt noch – gerade aus der innerseelischen Perspektive – interessant klingt, ist in Wahrheit aber so dissonant bedeutungsschwanger und zu gekleistert mit religiöser Symbolik, dass das Wechselbad der Gefühle in „Redemption – Stunde der Vergeltung“ nicht tangiert, sondern den Zuschauer vom Geschehen mit zunehmend hängenden Schultern distanziert.

„Redemption – Stunde der Vergeltung“ ist ambitioniert in seinen inhaltlichen Anlagen: Da geht es um Vergeltung und Nächstenliebe, um den Wert des Glaubens im Kontext der Selbstfindung und um die Heimatlosigkeit eines Deserteurs, dessen Sozialisierung im Zivilleben gleichbedeutend der permanenten Unsichtbarkeit seiner Existenz scheint. Wo der Trailer, aber gerade das Poster noch auf einen neonfarbenden Abgrund à la „Only God Forgives“ einstimmen sollte, sind die Aufnahmen des nächtlichen Londons genauso schattenhaft und apathisch, wie seine Charaktere, nur, dass die Bilder damit ihrem Ziel erreicht haben und eine symptomatische Aura besitzen. Wäre „Redemption – Stunde der Vergeltung“ in seiner handlungsorientierten Progression etwas komprimierter und könnte so über einen klaren Fundus konsolidieren, wäre der Endeindruck weitaus weniger verwaschen ausgefallen. So bleibt ein Film, der zwar klarstellt, dass man mit seiner Vergangenheit abschließen muss, um sich eine Zukunft zu sichern, über diese leidlich vage Feststellung aber nicht hinauskommt.

Fazit: Jason Statham möchte einen auf ernstzunehmender Schauspieler machen, muss sich aber letztlich seinem fehlenden Feingefühl im Umgang mit dem introspektiven Leid seiner Figur geschlagenen geben. Allgemein erweckt „Redemption – Stunde der Vergeltung“ fortwährend den Eindruck, unbedingt besonders substantiell und bedeutsam zu wirken, ist dabei aber so schemenhaft erzählt und versinkt samt tonnenschwerer religiöser Symbolik und strauchelnder Rache-Story im Sumpf der elendig plakativen Bedeutungslosigkeit.

„Redemption – Stunde der Vergeltung“ ist ab dem 29. November auf DVD und Blu-ray erhältlich.