Regisseure im Fokus: Eine erleuchtende Brille, Gut gegen Böse und die Monster vom Mars: Drei Werke des John Carpenter

Autor: Pascal Reis

„Assault – Anschlag bei Nacht“ (USA 1976)

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John Carpenters minimalistischer Vorstadt-Western kommt ohne große Sperenzchen aus und gilt vollkommen zu Recht als einer großen Klassiker des 70er Jahre-Kinos, noch bevor sich die Regielegende diesen strahlenden Status mit Filmen wie „Halloween“, „Die Klapperschlange“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“ erarbeiten konnte und weltweit für wiederhallende Jubelchöre sorgte. Wie wir es auch aus anderen Werken von Carpenter gewohnt sind, liegt der eigentliche Fokus nicht auf der übermäßigen Visualisierung von Gewalt, auch wenn die FSK-Behörden seinen Filmen in der Vergangenheit nur zu gerne den Riegel vorgeschoben haben, sondern auch in „Assault“ wird der Schwerpunkt auf die atmosphärische Wirkung der Gesamtsituation gelegt, die sich mühelos aus der eingekesselten Lokalisation des alten Polizeirevieres entfachen kann.

Suspense ist das umklammernde Stichwort, denn schließlich weiß der Zuschauer von vornherein, mit welchen lauernden Gegner er es im Laufe des Filmes zu tun bekommen wird, die Frage ist nur, wann die aufständische Gefahr auf die Protagonisten einbricht. „Assault“ ist dabei natürlich nicht frei von Denkfehlern und verschreibt sich ganz seinem packenden Effekt, doch das Klima der Bedrängung, der Zwang sich zur Wehr zu setzen, ist so vereinnahmend, das jede Ungereimtheit letzten Endes ohne Bedeutung scheint. Kontrollverlust und Gruppendynamik; der alttestamentarische Kampf, Auge um Auge, Zahn um Zahn, all das wird in „Assault“ gebündelt und wenn dazu Carpenters brillanter Synthesizer-Soundtrack ertönt, dann platzen die Hosen der Rezipienten ohne Halt. Ein großer, bedrohlicher und sich nie überschlagender Action-Thriller, der wohl nie an elektrisierender Attraktivität verlieren wird. Zum Glück.

„Sie leben!“ (USA 1988)

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John Carpenters reißerisches Gesellschaftsbild ist in »Sie leben!« erneut ebenso kritisch wie defätistisch: Der normale Bürger ist bereits schlummernder Teil einer verschleierten Invasion; Aliens streben die Unterjochung der abgestumpften Menschheit an. Unterschwellige Botschaften entziehen dem Individuum zunehmenden die Macht selbständige Gedanken zu formen, während ihre niederen Triebe angespornt werden, einzig und allen um der außerirdischen Knechtschaft geradewegs in die heimtückischen Arme zu stürmen. Alles schreit nach Revolution, steuert aber gleichzeitig auf den allumfassenden Niedergang zu.

Carpenter agiert dabei fernab jeder Subtilität, die Gesellschafts- und Konsumkritik wird dem Zuschauer ohne feinsinnige Zwischentöne ins Gesicht gedonnert, aber allein die Tatsache, wie stimmig Carpenter die Entlarvung des im Bourgeoisie verschanzten Feindes inszeniert, um zu verdeutlichen, dass die Gefahr in jedem Menschen lauern kann, lässt »Sie leben!« schon ohne Frage zu einem unterhaltsam erzählten B-Movie-Kino werden. Es ist die Symbiose aus Hommage, umfassender (Gegenwarts-)Kritik und der munteren Handlungsbasis, die den Film eben nicht im Sumpf von zweitklassigen Sci-Fi-Rohrkrepierern untergehen lässt, auch wenn die stumpfen One-Liner und vor allem die herrlich bekloppte Schlägerei herzlich dazu einladen. Am Ende fallen alle Masken, nur leider zu spät…Oder etwa doch nicht?

„Ghosts of Mars“ (USA 2001)

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John Carpenter zerfällt in seine ruhmlosen Einzelteile. Alles, was den Regisseur einst ausgezeichnet hat, wird in diesem „Film“ komplett dekonstruiert und endet in einer blamablen Kompromittierung. Dabei würde „Ghosts of Mars“ in seiner mehr als hirnrissigen Story durchaus funktionieren, wenn die Beteiligten sich hier zum Ziel gesetzt hätten, astreinen Trash zu inszenieren. Aber „Ghosts of Mars“ will kein Trash sein, „Ghosts of Mars“ nimmt sich tatsächlich ernst und öffnet sich damit selbstständig den Deckel der muffigen Sondermülltonne. Wer hier wirklich krampfhaft versucht, etwas Positives zu entdecken, der darf sich zusammen in eine Reihe mit dem tragischen Helden Sisyphus stellen, denn in „Ghosts of Mars“ ist einfach rein gar nichts geglückt. Die Schauspieler sind miserabel, die Effekte abgegriffen, die Masken des Bösen sehen aus wie frisch von einer überforderten Mutti auf dem Kindergeburtstag geschminkt, Atmosphäre gibt es nicht, nur geleckte und rotgefärbte Bilder, und Spannung ist in dieser Schleuderware eh unmöglich. Peinlicher Schrott in jedem Punkt.

HIER geht es zu einem weiteren Regisseure im Fokus-Special mit John Carpenter.

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