"Reservoir Dogs" (1992) Kritik: Little Pulp Fiction

„Wenn ich euch die Wahl der Namen überlasse, habe ich hier 5 Kerle sitzen, die sich darum streiten, wer Mr. Black sein darf.“

„Reservoir Dogs“ ist in erster Linie enorm einfach gestrickt, die Story ist in wenigen Sätzen zusammengefasst, es gibt keine Nebengeschichten oder tiefgründige Gedanken. Der Cast kennt neben den sechs Farb-Fetischisten nur wenige weitere Beteiligte und während der Abspann läuft, ist man extrem enttäuscht. Das liegt vor allem daran, dass Tarantino in seinem Debüt noch nicht seinen vollen Stil gefunden hat. Anzeichen vom zwei Jahre darauf folgenden „Pulp Fiction“ sind hingegen schon zu erkennen – offensichtlich scheint Quentin gemerkt zu haben, dass die Coolness der sechs Dogs genau das richtige ist und sich gedacht „Hey, entwerf ich halt Kultfiguren. Und nennen wir sie Vincent Vega, Jules Winnfield, Butch und Mia Wallace.“

„Reservoir Dogs“ ist irgendwie der kleine Bruder von „Pulp Fiction“, Grundsteine sind gelegt, aber alles ist zu wenig spektakulär. Das alles ändert aber nichts an der Tatsache, dass Tarantinos Erster unheimlich viel Spaß macht. Der kleine Cast ist super, wenn auch nicht so hervorragend wie die Namen vermuten lassen, Tim Roth ist hier eindeutig der Star, Harvey Keitel absolut überzeugend und Steve Buscemi geht ein wenig unter. Die simple Geschichte ist von Anfang an spannend und wird durch geschickte Kapiteleinteilung und Einstreuung von Rückblenden nie langweilig. Vom Soundtrack hatte ich mir hingegen etwas mehr erhofft, denn die Musikauswahl ist hier bei weitem nicht so hervorragend, wie in den nachfolgenden Werken – zumal Quentin nur wenig Musik einfließen lässt – und ich verfluche Tarantino hier jetzt offiziell dafür, dass er dauernd Ohrwürmer im Abspann laufen lässt.

„Reservoir Dogs“ legte den Grundstein für „Pulp Fiction“ und lässt Tarantinos weiteres Werdegang erahnen. Mit seinen großen Projekten wie „Kill Bill“ und „Inglourious Basterds“ kann dieser Film dagegen noch nicht ganz mithalten, aber der Charme seines Debüts liegt halt in seiner Einfachheit – kleiner Cast in simpler Geschichte.

Bewertung: 7/10 Sternen